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Dr. Thilo Esser folgt als Koordinator auf Rita Nagel:Erste Hilfe für die Seele: Die ökumenische Notfallseelsorge

Dr. Thilo Esser ist neuer Koordinator für die ökumenische Notfallseelsorge
Datum:
Do. 25. Juni 2026
Von:
Jari Wieschmann

Dr. Thilo Esser ist der neue Koordinator für die ökumenische Notfallseelsorge. Die Ausbildung zum Notfallseelsorger hat er bereits Anfang der 2000er-Jahre absolviert. Zu dieser Zeit war er Pastoralreferent in Duisburg und Essen und Leiter der Abteilung „Weltkirche und Gesellschaft", später dann noch in verantwortlicher Position für den diözesanen Dialogprozess, einer Vorstufe des synodalen Weges, im Bistum Essen tätig. Nach seinem Umzug nach Aachen war er zuletzt dreizehn Jahre beim Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ beschäftigt.

Wie haben Sie sich in Ihre neue Aufgabe als Koordinator eingefunden?

Esser: Ich möchte mit einem ganz großen Dank an Rita Nagel starten, die diese Aufgabe auf eine wunderbare Art und Weise ausgefüllt hat. Sie hat sich als Person vollkommen hineingegeben – das habe ich bei der Übergabe deutlich gemerkt. Sie hat das System mit rund 60 aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so aufgebaut und weiterentwickelt, wie es jetzt ist, und mir damit den Einstieg so leicht wie möglich gemacht.

Wie sieht Ihre Arbeit als Koordinator konkret aus?

Esser: Wir haben eine Art dreistufiges Alarmierungssystem. An jedem Tag übernimmt eine Person eine 24-Stunden-Schicht. Sollten zwei Alarme gleichzeitig eingehen oder ein Einsatz mehrere Kolleginnen und Kollegen erfordern, alarmiert der Hintergrunddienst weitere Personen – das ist meistens meine Aufgabe. Hinzu kommen Organisation, Vernetzung mit staatlichen Stellen, Kontakte in der Ökumene – die Notfallseelsorge ist ein gemeinschaftliches ökumenisches Projekt – sowie die Koordination der Ausbildung.

Wie kann man sich die Aufgaben der Notfallseelsorge vorstellen?

Esser: Das Schlagwort lautet: Notfallseelsorge ist die „Erste Hilfe für die Seele“. Eine langfristige Betreuung ist nicht unbedingt unsere Aufgabe. Bei Einsätzen in Schulen sind wir aber zum Beispiel zwei bis drei Tage vor Ort oder kommen zur Nachbesprechung. In Akutfällen leisten wir Hilfe und überlegen gemeinsam mit den Betroffenen, wie es weitergehen kann, indem wir Adressen und Kontakte vermitteln. Wichtig ist: Wir werden ausschließlich über die Leitstelle der Feuerwehr bzw. Polizei alarmiert, nicht direkt von Privatpersonen. Dabei machen wir keinen Unterschied, ob jemand kirchlich gebunden ist oder nicht. Für mich persönlich ist die Notfallseelsorge aber in jedem Fall ein Ort von Kirche, der mir Kraft gibt.

Wie steht es um den Nachwuchs und die Ausbildung?

Esser: Wir haben einen bundeseinheitlichen Ausbildungsstandard. Diesen ergänzen wir um regionale Aspekte und legen Wert auf unser christliches Profil, ohne dass dies ein Ausschlusskriterium für die Hilfeleistung wäre. Was den Nachwuchs angeht, haben wir keinen Grund zur Klage. Ohne Werbung haben sich bereits zehn Personen für den Kurs im nächsten Jahr gemeldet.

Was macht das christliche Profil in einem Satz aus?

Esser: Das christliche Profil bedeutet, zu den Menschen zu gehen, wenn sie in Not sind. Es geht darum, Menschen in belastenden Zeiten nicht allein zu lassen. Die persönliche Präsenz ist ein ganz wichtiger Faktor. Wir arbeiten eng mit der Städteregion Aachen zusammen, die uns mitfinanziert und Wert auf staatliche Neutralität legt. Das passt zu unserer Perspektive: Wir helfen jedem Menschen in Not – völlig ungeachtet der Religion oder Herkunft, wie im Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Wie wollen Sie die ökumenische Notfallseelsorge konkret weiterentwickeln?

Esser: Neben der strukturellen Vernetzung schauen wir auf die wachsende Diversität der Gesellschaft. Wir bauen Unterstützung für Sprachübersetzungen auf und halten Kontakt zur islamischen Notfallbegleitung. Zudem wird es ab August eine neue evangelische Koordinatorin geben. Die Ökumene hier funktioniert hervorragend – das ist mir ein großes Anliegen.