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Katholische Forum Viersen:Ein Leuchtturm für Orientierung und soziale Teilhabe

Leiterin Ruth Walter und Gabi Terhorst vom Regionalteam Kempen-Viersen im Austausch mit Weihbischof Borsch.
Weihbischof Karl Borsch besucht das Katholische Forum Viersen
Datum:
Mi. 17. Juni 2026
Von:
Steffi Sieger-Bücken

 


In einer Zeit, in der die traditionelle religiöse Bindung abzunehmen scheint, sucht das katholische Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Krefeld und Viersen e.V. nach neuen Wegen, um Menschen in ihren Lebenswirklichkeiten zu erreichen. Geschäftsführerin Ruth Walter und Assistentin Barbara von der Heyde präsentierten Weihbischof Karl Borsch, gemeinsam mit dem Vorstand und dem Regionalteam Kempen-Viersen, die vielfältige Arbeit des Forums. Das Angebot reicht von Demokratiebildung in Kitas über innovative Selbstbehauptungsprojekte für Kinder bis zur Unterstützung von Eltern bei der Medienerziehung. Ein Schwerpunkt liegt auf religiöser Bildung und der Qualifizierung von Ehrenamtlichen.


Innovative Projekte gegen Sprachlosigkeit


Um Kinder zu stärken, entwickelt die Familienbildungsstätte Konzepte wie „Großer Löwe- Starke Maus“. Hierbei geht es um Selbstbehauptung: „Um auch klar zu machen, dass der kleine Mensch, der sich vielleicht auch klein fühlt oder eben noch klein ist, auch Kräfte hat und sich selbst behaupten kann“ betont Ruth Walter. Auch Demokratieprojekte in Kitas gehören zum Portfolio, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt frühzeitig zu fördern.


Religiöses Profil


Eltern-Kind-Angebote sind beliebt, doch religiöse Bildungsarbeit kämpft oft mit Schwellenängsten. Besonders in der Ehevorbereitung, die das Forum regional anbietet, fürchten viele Paare, religiös „geprüft“ zu werden. „Die erste Erwartung ist grundsätzlich, sie müssen hinter eine Prüfung anlegen und ich würde dann prüfen, ob sie überhaupt ehetauglich sind“, berichtete Gabi Terhorst, Referentin im Forum und Mitglied im Regionalteam. Umso wertvoller seien die Momente, in denen durch die Kurse ein neues Verständnis füreinander wachse, wie bei einem Mann, der nach zehn Ehejahren und einer Krise tief bewegt feststellte: „Jetzt weiß ich wieder, warum ich meine Frau geheiratet habe


Qualifizierung von Ehrenamtlichen


Ein wunder Punkt ist die Qualifizierung von Ehrenamtlichen, besonders bei Begräbnisdiensten. Bisher wurden Engagierte mit einem viertägigen Kurs zum Begräbnisdienst befähigt. Ein neues, umfangreicheres Konzept des Bistums sieht eine vier- bis fünfmal längere Ausbildung vor. Referentin Barbara Loyen warnt: „Das ist zu komplex. Das können wir nicht umsetzen, dann kommt niemand mehr“ und wünscht sich mehr Gehör für die Praktiker vor Ort.


Finanzielle Ungewissheit und der Ruf nach Entscheidung


Spirituelle Angebote und Ehrenamtsqualifizierung sind wichtig, aber nicht kostenlos. Im Dialog mit Weihbischof Karl Borsch wurde die finanzielle Lage des Viersener Forums und die mangelnde Planungssicherheit thematisiert, die die Basisarbeit gefährden. „Wir sind unterfinanziert. Das Bistum lässt uns im Unklaren, ob es uns weiter finanzieren möchte“, kritisiert Ruth Walter. Die Eigenfinanzierungsquote liegt bei 40 Prozent, doch Preiserhöhungen sind kaum noch möglich. Besonders belastend ist die Unsicherheit über die zukünftige Strategie der Kirche. „Wir brauchen eine Entscheidung, egal wie sie ausfällt, dann können wir besser damit leben und arbeiten als mit dieser Ungewissheit“, appelliert Hubert Heeg, Vorstandsmitglied, an die Bistumsleitung. Weihbischof Karl Borsch zeigte Verständnis, betonte aber, dass diese Frage im größeren Kontext stehe. „Viele andere sagen: ‚Meine Arbeit ist auch wichtig‘. Wir müssen ins Gespräch kommen und Prioritäten setzen. Das Budget kann nicht dauerhaft ausgeweitet werden“.

 

Bildungsstätten als Leuchttürme


Trotz gesellschaftlicher Umbrüche berichten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von wachsender Offenheit junger Menschen für Glaubensfragen und spirituelle Impulse im Alltag. Bildungsstätten könnten „Leuchttürme“ sein, die Orientierung bieten und soziale Teilhabe fördern. Sie verstehen sich als Orte des Wachstums und der Begleitung, die in einer „Egokonzentration“ der Gesellschaft wichtige Gegenakzente setzen. Ob sie diese Rolle weiter ausfüllen können, hängt maßgeblich von den finanziellen Weichenstellungen der nächsten Jahre ab.