Austausch über soziale Stabilität, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven im Kreis Viersen:„Die Menschen sind unser gemeinsames Anliegen“

Im Rahmen seiner Visitation des Pastoralen Raums Viersen sprach der Aachener Weihbischof Karl Borsch ausführlich mit Landrat Bennet Gielen (CDU). Gleich zu Beginn betonte Borsch den gemeinsamen Fokus beider Institutionen: „Die Menschen sind unser gemeinsames Anliegen.“ In dem Austausch wurden die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen des Kreises Viersen umfassend beleuchtet – und zugleich die Stärken der Region hervorgehoben. Der Mix aus städtisch geprägten Orten wie Viersen, Kempen oder Willich und ländlichen Gemeinden wie Niederkrüchten oder Schwalmtal prägt das Selbstverständnis der Region. „Die Landwirtschaft spielt weiterhin eine bedeutende Rolle und trägt zur wirtschaftlichen Vielfalt bei“, unterstrich der Landrat. Trotz dieser positiven Grundstruktur sahen Borsch und Gielen aber auch deutliche Handlungsbedarfe, insbesondere im Gesundheits- und Sozialbereich.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der stationären Hospizversorgung, die im Kreis bislang nur in Dülken vorhanden ist. In Kempen etwa sei der Bedarf groß, doch die Umsetzung eines Hospizes bleibe herausfordernd. Zwar gebe es Überlegungen, Gebäude im Umfeld von St. Josef zu nutzen, doch die eigentliche Schwierigkeit liege im wirtschaftlichen Betrieb: Hospize seien häufig auf Spenden angewiesen und stellten ein „ständiges Zuschussgeschäft“ dar. Auch die Pflege und die zunehmende Bürokratisierung wurden kritisch diskutiert. Gielen warnte davor, dass überregulierte Verwaltungsprozesse mutige, situationsbezogene Entscheidungen erschwerten – mit der Gefahr, dass politische Ränder gestärkt würden. Gleichzeitig verwies er auf die Hürden bei der Integration geflüchteter Menschen, die Kommunen vor komplexe Aufgaben stellten.
Besondere Sorge bereitet beiden Gesprächspartnern die Lage im Bildungsbereich. Die Zahl psychischer Erkrankungen bei Schülerinnen und Schülern steige deutlich, was Schulen und Beratungsstellen stark belaste. Zudem spiele die Rolle sozialer Medien eine wachsende und problematische Rolle: Algorithmen von Plattformen wie TikTok würden Jugendlichen bereits nach kürzester Zeit politische Inhalte der AfD ausspielen – oft verpackt in vermeintlich sympathische Botschaften, die schwer zu durchschauen seien. Trotz finanzieller Engpässe betonten Borsch und Gielen die unverzichtbare Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements. Besonders das Schützenwesen sei im Kreis Viersen tief verwurzelt und stärke die lokale Identität. Doch auch hier zeige sich ein Trend: Es werde zunehmend schwieriger, Menschen für feste Verpflichtungen und Vorstandsposten zu gewinnen.
Am Ende des Gesprächs stand die gemeinsame Überzeugung, dass kirchliches, kommunales und ehrenamtliches Engagement entscheidend bleibt, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern. „Ich bin der Kirche sehr dankbar für ihr Engagement im Kreis Viersen,“ schloss Landrat Bennet Gielen.