Zweiter Bericht von Simon Kriescher aus Ibagué

Freiwilliger des BDKJ berichtet

Gitarrenunterricht am Nachmittag (c) privat
Gitarrenunterricht am Nachmittag
Di, 26. Mär 2019
Carina Delheit

Ein halbes Jahr später...

Seit dem letzten Bericht hab ich wieder viel erlebt. Neben Geburtstag, Weihnachten, Silvester und neuen Gruppen stand im Januar auch schon die Zwischenauswertung an.

Im November konnte ich eine neue Gruppe beginnen, denn Concern hat ein paar neue Gitarren gekauft. Mit 4, manchmal auch 5 Kindern habe ich also versucht, Gitarrenunterricht zu geben. Das hat auch ganz gut geklappt, auch wenn ich am Anfang erst mal herausfinden musste, wie die Kinder am besten lernen und was noch zu schwer für sie ist. Die Kinder lernen schnell und wissen schon vieles über die Gitarre und am Ende des Kurses, also kurz vor Weihnachten, konnten die Älteren schon "Jingle Bells" zupfen. Ich bin mal gespannt was sie davon noch behalten haben, wenn ich nächste Woche den Kurs wieder anfange.

In den Ferien der Kinder habe ich noch einen Englisch-Kurs angeboten. Da es viele Kinder waren, die Interesse hatten und der Altersunterschied groß war, war zuerst der Plan, dass ich zwei Gruppen nacheinander mache. Doch da nicht immer alle kamen und auch meistens etwas zu spät, habe ich einfach immer eine große Gruppe mit den Kindern gemacht, die gekommen waren. Den Kurs würde ich gerne auch jetzt fortfahren, nur leider sind die Ferien vorbei. Dennoch hoffe ich, dass noch viele Kinder Lust und Zeit haben.

Das Projekt mit den Profesoras, was ich im letzten Bericht angesprochen habe, ist leider nicht zustande gekommen, da der Kindergarten schon relativ früh geschlossen hatte und es sich für die Zeit nicht mehr gelohnt hätte, aber vielleicht schaffe ich es noch in den nächsten Wochen, etwas mit den Profesoras zu planen.

Weihnachten habe ich zusammen mit Jaime und Siobhan (meinen Chefs) und ihren Kindern gefeiert. Zwar habe ich natürlich das Feiern mit meiner Familie ein bisschen vermisst, dennoch war es ein schöner Abend und eine tolle Erfahrung. Genauso wie Silvester. An Silvester war ich mit den anderen drei Freiwilligen in Bogotá und wir haben mit der Familie aus Hannas Organisation gefeiert. Leider war ich zu der Zeit ein bisschen krank, trotzdem hat es mit sehr gefallen.

Direkt von Bogotá aus sind wir dann am 3. Januar nach Ecuador geflogen. Da das Seminar erst 7. Januar anfing, hatten wir noch Zeit, Quito zu entdecken und unter anderen "la mitad del mundo" (Mitte der Erde am Äquator) zu besuchen.

Die Zwischenauswertung fand dann in Baños statt, einer touristischen Kleinstadt in der Nähe von Quito. Der Austausch mit den anderen Freiwilligen aus Ecuador und die verschiedenen Themen, die wir zusammen mit Angie (Seminarleiterin) besprochen und diskutiert haben, haben sehr zum Denken angeregt.

Nach einer Woche der Auswertung ging es dann auch schon wieder zurück nach Bogotá, wo uns Katharina, Mirijam, Nina und Thomas vom Flughafen abgeholt haben. In Bogotá haben wir dann zusammen mit den Organisationen vor Ort und aus Deutschland eine zweite Zwischenauswertung gemacht.

An sich waren die Zwischenauswertungen ein tolle Zeit. Man hatte ein bisschen Abstand von der Arbeit und konnte das letzte halbe Jahr reflektieren und sich zusammen mit anderen darüber Gedanken machen, was man mit den restlichen sechs Monaten noch anfangen will. Dennoch hatte ich schon in Ecuador gemerkt, dass ich am liebsten wieder in Ibagué wäre und habe meine Arbeit und meine Wohnung vermisst. Aber war es toll, Katharina nochmal zu sehen und mit ihr über meine Zeit zu sprechen, denn natürlich hatte ich auch einige Fragen und Dinge, die mich beschäftigen, die ich mit ihr klären konnte. Beispielsweise ist mir schon sehr früh aufgefallen, dass ich es schade finde, dass niemand zum gleichen Zeitpunkt wie ich aus Kolumbien ein FSJ in Deutschland beim BDKJ macht. Scheinbar haben sich das auch schon viele Freiwillige vor mir gefragt und ich hoffe, dass es vielleicht irgendwann einmal zu dieser Art von Austausch kommen wird.

Seit einigen Tagen bin ich nun wieder zurück in Ibagué und nun heißt es, nach einer langen Zeit, in der ich nicht hier war, wieder die Projekte zu beginnen und einen Arbeitsrhythmus zu finden. Einen Plan für die restlichen sechs Monate habe ich schon zusammen mit Jaime und Rubén erstellt. Es hat sich nicht viel geändert an meinen Kursen, vielleicht kommt noch der eine oder andere dazu. Ich habe nun auch mit Jaime ausgemacht, dass wir uns am Ende jeden Monats zusammen setzen, um den Monat zu reflektieren. Gespannt bin ich schon auf die 72-Stunden-Aktion im Mai! Wir haben schon ein paar tolle Ideen gesammelt, aber bis dahin ist ja noch was Zeit.

Außerdem gibt es in diesem Jahr ein neues Projekt, denn das Projekt, welches bis jetzt in Planadas lief, wird nun abwechselnd dort sein und in der Nähe von Herrera. Ich bin mal gespannt und freue mich schon darauf, denn dieses Jahr findet das Projekt nur mit Indigenen statt. Ich hoffe, ich kann schon bald das erste Mal mitkommen und mir das Projekt anschauen. Zum momentanen Stand wird es das Projekt in Coyaima leider nicht geben, zumindest nicht so wie letztes Jahr. Die Kindergärten haben nun nach den Ferien auch wieder geöffnet und ich habe geplant, dort mehrmals in der Woche vormittags mitzuhelfen.

Mein Spanisch ist schon deutlich besser geworden, dennoch liegt noch ein Menge Arbeit vor mir. Doch ich lerne viele Vokabeln und merke immer wieder Fortschritte.