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Tania Kreklow

Tania Kreklow
Datum:
8. Okt. 2026
Von:
Carina Delheit

"Im Rahmen der Partnerschaftswoche Aachen-Kolumbien 2026 durfte ich an einem besonderen Gesprächsabend mit Gästen aus Kolumbien teilnehmen, der für mich zu einer wertvollen Erfahrung wurde, die mich noch lange begleiten wird.

Obwohl ich selbst aus Kolumbien stamme, gibt es viele Regionen meines Landes, die ich noch nicht kenne. Besonders fasziniert mich die Amazonasregion. Deshalb entschied ich mich, an den Tisch von Bischof John Mario Mesa Palacios aus Leticia zu gehen – und ich bin sehr dankbar für diese Entscheidung.

Monseñor John Mario bezeichnet sich selbst als Bischof in der Mission. Für ihn bedeutet das: große Entfernungen, schlechte Infrastruktur und Gemeinden, die oft erst nach vielen Stunden per Kanu erreichbar sind.

Er erzählte von einer Gemeinde, die zwölf Kanustunden von Leticia entfernt liegt und zehn Jahre lang nicht besucht werden konnte. Als er – mit vier Stunden Verspätung – dort ankam, erwartete ihn die gesamte Gemeinde. Ein bewegender Augenblick für ihn.

In seinen Berichten war spürbar, wie sehr er seine Aufgabe liebt. Gleich nach seinem Deutschlandbesuch will er wieder aufbrechen, um Menschen in entlegenen Gemeinden zu besuchen. Das nächste Mal auch zu Fuß, tief hinein in den Regenwald.

Er sprach mit großer Wertschätzung von den Indigenen. Er bewundert ihre Fähigkeit, zuzuhören und aufmerksam zu beobachten. Er könne, so erzählte er, viel von ihnen lernen, z. B. in Sachen Geduld und bewusstes Wahrnehmen der Anderen.

Er erlebt aber auch, dass viele Menschen in abgelegenen Gemeinden unter sehr schwierigen Bedingungen leben. In einigen Orten gibt es nur wenige Stunden am Tag Strom. Vor allem für Kinder und Jugendliche fehlen dadurch Möglichkeiten für Bildung und Freizeit.
Bischof John Mario möchte deshalb Räume und Angebote schaffen, in denen Menschen Gemeinschaft erleben und lernen können. Sein Anliegen ist nicht nur, materielle Hilfe zu leisten, sondern den Menschen Würde, Hoffnung und Perspektiven zu geben. Besonders am Herzen liegen ihm die Kinder und Jugendlichen. Wegen der großen Entfernungen müssen viele von ihnen in Internaten unter schlechten, oft menschenunwürdigen Bedingungen leben. Der Bischof möchte die Internate verbessern und für junge Menschen ein Umfeld schaffen, in dem sie sich sicher und angenommen fühlen.

Er möchte auch ein Zentrum des Zuhörens und der Begleitung schaffen, in dem Fachkräfte aus der Region Menschen bei Problemen mit Alkohol und anderen Abhängigkeiten unterstützen.

Auch seine Idee für die Weihnachtszeit hat mich berührt. Er will dazu aufrufen, den Kindern nicht nur Spielzeug zu schenken, sondern Kindern auch praktische Dinge des Alltags, die ihnen ein würdiges Leben ermöglichen.

Während seines Deutschlandbesuchs fiel Monseñor John Mario besonders auf, dass es hier nur wenige Kinder in den Kirchen gab. In seiner kolumbianischen Heimat gehören Kinder und Jugendliche als wichtiger Bestandteil zur (Gottesdienst-)Gemeinschaft. Bei mehr Zeit hätte er gerne während seines Besuchs mehr von der Kirche Kolumbiens als missionarischer Kirche erzählt – einer Kirche, die hinausgeht, zuhört, begleitet und dort präsent ist, wo Menschen leben.

Besonders beeindruckt hat mich sein Plan eines Besuchs von drei indigenen Laien aus Kolumbien in Deutschland. Sie sollen unsere Gemeinden kennenlernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken und mit ihnen/uns ins Gespräch kommen.

Vielleicht ist genau das der tiefere Sinn unserer Partnerschaft: nicht nur voneinander zu erzählen, sondern einander wirklich zu begegnen, voneinander zu lernen und gemeinsam im Glauben zu wachsen.

Diese Begegnung hat mir gezeigt, dass Mission nicht nur bedeutet, etwas zu geben. Mission bedeutet auch zuzuhören, sich berühren zu lassen und selbst beschenkt zurückzugehen.

Ich bin dankbar für diesen Abend, für die offenen Worte von Bischof Mesa Palacios und für die Hoffnung, die er vermittelt hat.
Am Ende musste ich an einen Titel vom Album der kolumbianischen Sängerin Karol G denken:

„Mañana será bonito.“ -Morgen wird es schön werden.

Ich wünsche unserer Partnerschaft Kolumbien-Aachen diese Hoffnung und dass Gott uns immer wieder den Mut schenkt, Brücken zu bauen, einander zuzuhören und gemeinsam Wege in eine gute Zukunft zu gehen."

Tania Kreklow