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Kolumbien-Exkursion im RWTH-Master Theologie & Globale Entwicklung:Stadt – Land – Bergbau

Auf einer Reise durch das Partnerland des Bistums Aachen lernten Studierende des Masterstudiengangs Theologie und Globale Entwicklung in Bogotá, Cali, Riohacha und Cartagena unterschiedliche Lebenswirklichkeiten und Themenfelder kennen.
Datum:
5. Okt. 2026
Von:
Carina Delheit

Auf einer Reise durch das Partnerland des Bistums Aachen lernten Studierende des Masterstudiengangs Theologie und Globale Entwicklung, den die RWTH Aachen am Institut für Katholische Theologie anbietet, in Bogotá, Cali, Riohacha und Cartagena unterschiedliche Lebenswirklichkeiten und Themenfelder kennen. 
Die Ausgangsfrage lautete: Wie können angesichts der über Jahrhunderte gewachsenen enormen sozialen Ungleichheit, der bis heute andauernden gravierenden Verstöße gegen Menschenrechte und eines weltweiten Ressourcenhungers zivilgesellschaftliche und kirchliche Initiativen zu einer gewaltfreien und auch sozial-ökologisch gerechten Transformation beitragen?

In der Zehn-Millionen-Metropole Bogotá waren die deutschen Gäste beim Stadtteilprojekt Casitas Bíblicas untergebracht, mit dem das Bistum Aachen im Rahmen der Kolumbienpartnerschaft seit vielen Jahren eng verbunden ist. Dort erhielten sie Einblicke in befreiungstheologische Ansätze der Stadtteilarbeit und kamen mit den vor Ort Engagierten ins Gespräch.
Sozial-analytisch und theologisch vertieft wurden diese Erfahrungen durch ein Arbeitstreffen mit Mitgliedern von Kairós Educativo, einer NGO, die in Bogotá aus der befreiungspädagogischen Perspektive Paulo Freires in der Stadtteilarbeit tätig ist. 
An der Universidad Libre beschäftigte sich die Gruppe einen Tag lang mit der Geschichte Kolumbiens, aktuellen Entwicklungen im Friedensprozess und der schwierigen Situation indigener Völker in Bergbauprojekten.

Mit Cali gehörte eine weitere Millionenstadt Kolumbiens zur Reiseroute. Teile der Stadt haben schwer unter dem Erdbeben vom 10. August gelitten und sie wird noch lange mit dem Wiederaufbau beschäftigt sein. In Cali, dem Zentrum für den Südwesten und die Pazifikküste, ging es um den Zusammenhang von Transformation und Zugang zu Land: Wer besitzt, wer bewohnt Land und wer bestimmt, was darauf geschieht?

Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem Thema Bergbau, das aufgrund der umfangreichen kolumbianischen Kohleexporte nach Deutschland eine direkte Verbindung zum Herkunftsland der Studierenden hat. Die Reise führte dazu nach Riohacha an die Karibikküste nahe der venezolanischen Grenze. Im Departement La Guajira wird in einem der größten Tagebaue Lateinamerikas Steinkohle gefördert. Das bringt Umsiedlungen und Vertreibungen meist indigener Bevölkerungsgruppen und massive ökologische Folgen mit sich, vor allem Wassermangel durch das Versiegen von Flüssen.
Beim geplanten großflächigen Ausbau von Solar-, Wind- und Wasserstoff-Projekten als sogenannten nachhaltigen, weil erneuerbaren Energieträgern droht die Logik der fossilen Energieträger wiederholt zu werden: Energie für den Export, bleibende Energiearmut bei den Gemeinden vor Ort. Die Deutsche Botschaft, die die Gruppe in Bogotá besuchte, ist sich des Problems bewusst, doch unter der neuen Regierung Kolumbiens ist noch nicht absehbar, wie bereits geplante Vorhaben der deutsch-kolumbianischen Klima- und Entwicklungspartnerschaft weitergehen. In La Guajira tauschte sich die Gruppe mit der Sozialpastoral des Bistums Riohacha und indigenen Initiativen aus, die sich für den Erhalt der Landschaft als Lebensgrundlage für Menschen und Umwelt einsetzen und dafür überregionale sowie internationale Bündnisse schließen.

In der Küstenstadt Cartagena, die wie keine andere in Kolumbien auf engstem Raum von starken sozialen Gegensätzen geprägt ist, richtete sich der Blick auf Menschen als „Rohstoffe“ ehemaliger und aktueller Sklaverei. Sowohl die zunehmend auf afrokolumbianische Stadtviertel ausgreifende innerstädtische Infrastruktur des Tourismus für „Reiche und Schöne“ als auch die entlang der Küste wachsenden Ferienanlagen für Zahlungskräftige aus dem In- und Ausland beanspruchen für das Urlaubsparadies Cartagena immer mehr Raum, verdrängen die angestammte Bevölkerung und verschärfen das Problem der Kinder- und Jugend-Prostitution.
Vor den Toren der Stadt begleitet eine kleine Jesuiten-Kommunität, zu der auch die deutsche Theologin und Straßenpädagogin Ulrike Purrer als Fachkraft gehört, die Menschen in fünf afrokolumbianischen Dörfern bei ihren sozialen, spirituellen und materiellen Herausforderungen. Zum Austausch zwischen afrokolumbianischer und deutscher Lebenswelt war sie schon mehrfach zusammen mit Menschen von vor Ort Kampagnengast deutscher Hilfswerke, auch im Bistum Aachen.

Zurück in Deutschland gilt es nun, die vielfältigen Anfragen an das dominierende Entwicklungsmodell aufzugreifen und in die weiteren Studienschwerpunkte aufzunehmen.
Die Exkursion ist Bestandteil des Masterstudiengangs Theologie und Globale Entwicklung und wurde vom Bistum Aachen im Rahmen seiner Partnerschaft mit Kolumbien finanziell unterstützt.

Weitere Informationen zum Master:

    • https://theologie-entwicklung.rwth-aachen.de/ 
    • https://www.rwth-aachen.de/cms/root/studium/vor-dem-studium/studiengaenge/liste-aktuelle-studiengaenge/studiengangbeschreibung/~euzn/theologie-und-globale-entwicklung-m-a/