Erster Bericht von Henning Seland

Freiwilliger der KjG berichtet aus Bogotá

Gruppenfoto von der Intervention des Moduls Umwelt in „Pinos del Sur“ (c) privat
Gruppenfoto von der Intervention des Moduls Umwelt in „Pinos del Sur“
Mo 9. Dez 2019
Carina Delheit

Anfangsbericht zu meinem Freiwilligendienst in Kolumbien

Meine Ankunft in Bogotá:
Nach einer interessanten Vorbereitung und einem langen Flug stand ich am 06.08.2019 auch schon mit den drei anderen Freiwilligen in Kolumbien am Flughafen in Bogotá. Dort wurde ich sehr herzlich empfangen. Während der Fahrt zu meiner Wohnung konnte ich schon ein wenig die unglaubliche Größe Bogotás erahnen, die ich aber vermutlich selbst am Ende meines Jahres hier noch nicht vollständig begreifen werden kann. Beim gemeinsamen Abendessen in meiner Wohnung stellte ich dann auch überrascht fest, wie gut ich denn schon das Spanische verstehen und mich sogar ein bisschen unterhalten konnte. In meiner ersten Woche bin ich mit ins Büro gegangen und lernte das Team von Colectivos por la Vida kennen.

Meine Arbeit bei Colectivos:
Aktuell arbeite ich bei Colectivos por la Vida im Projekt „Manifiestos de Sueños por la Vida“ (Träume für das Leben) in den zwei Vierteln „María Paz“ in Kennedy und „Pinos del Sur“ in Ciudad Bolívar. Das Projekt ist in verschiedene Module unterteilt, die immer sechs Wochen lang sind. Sie bestehen aus vier wöchentlichen Workshops, einer Intervention und einem Ausflug am Ende des Moduls sowie einem Workshop mit den Eltern der Kinder.
Am Samstag, nachdem ich angekommen war, unternahmen wir einen dieser Ausflüge im „Park zwischen den Wolken“. Das war für mich eine tolle Gelegenheit, um die Kinder aus den beiden Gruppen kennenzulernen und einen Blick von den Bergen rings um Bogotá auf die Stadt zu werfen, die jetzt noch größer aussah, als ich sie mir vorgestellt hatte.
An mehreren Tagen in der Woche finden im Büro die Planungen der Workshops des Wochenendes und sonstiger anstehender Themen statt. In den Besprechungen konnte ich schon von Anfang an ziemlich viel verstehen oder habe sonst immer Hilfe mit Erklärungen oder Übersetzungen bekommen. Freitags fahre ich immer nach „Banderas“, wo meine Chefin Nelly wohnt. Dort bereiten wir die letzten Sachen für den Workshop vor und fahren dann weiter nach „María Paz“. Der Kurs in „Pinos del Sur“ findet samstags statt. Das erste Modul, das ich miterlebt habe, war zum Thema Umwelt, was mir sehr gelegen kam, da ich mich beim Basteln von Modellen oder dem Durchführen von Experimenten mit den Kindern schon beteiligen konnte, ohne selbst viel sprechen zu müssen, da gerade die Kommunikation mit den Kindern für mich anfangs doch etwas schwieriger war.
Mittlerweile arbeiten wir im Modul „Geschichte und kulturelle Identität“. Das ist für mich besonders spannend, da ich häufig während der Planungen im Büro selbst so viel Neues über die Kultur Kolumbiens erfahren habe wie die Kinder später während der Workshops. Meine Arbeit bereitet mir viel Spaß. Sie ist immer sehr abwechslungsreich und die Kinder kommen oft sehr motiviert und voller Energie in die Kurse, in denen ich inzwischen auch schon aktiv mitarbeiten kann.
In der nächsten Woche werde ich in meiner ersten Evaluation mit dem Team von Colectivos über meine eigenen zukünftigen Projekte, mit denen ich bald anfangen werde, sprechen.

Sprache:
In Kolumbien habe ich schnell festgestellt, dass meine Spanischkenntnisse doch auf einem sehr viel höheren Niveau waren, als ich erwartet hatte. Dass ich viel im Büro verstand und mich auch mit meinem Mitbewohner in einem Mix aus Spanisch, Englisch und Deutsch, der inzwischen immer mehr aus Spanisch besteht, verständigen konnte, hat mir bei meiner Eingewöhnung sehr geholfen. Dazu kam noch, dass mit mir zusammen bei Colectivos noch ein anderer Deutscher, Matthias, arbeitet, der mir besonders am Anfang sehr bei der Verständigung helfen konnte. Mit ihm habe ich auch meinen Sprachkurs durchgeführt, den wir so sehr individuell an meine schon vorhandenen Kenntnisse anpassen konnten. Durch den Kurs habe ich auch fast die gesamte Grammatik, bis auf für den Alltag ziemlich unnütze Formen, wie indirekte Rede im Schriftlichen etc., gelernt bzw. mein vorhandenes Wissen wiederaufgefrischt. Am Anfang habe ich auch selbst viele Vokabeln gelernt, denn mein Wortschatz aus der Schule war meist doch weniger alltagstauglich. So konnte ich häufig in Gesprächen über Politik mehr verstehen und mitsprechen als bei normalen Unterhaltungen im Alltag. Außerdem kam es am Anfang zu ein paar lustigen Missverständnissen, da sich das lateinamerikanische Spanisch z. T. deutlich von dem aus Spanien, das ich aus dem Unterricht kannte, unterscheidet.
Inzwischen kann ich mich eigentlich sehr gut mit allen unterhalten und wenn ich doch etwas nicht verstehe, kann mir gut mit Erklärungen oder Umformulierungen geholfen werden.

Mein Leben in Bogotá:
Da ich aus einer ziemlich ländlichen Region NRWs komme, waren der Eindruck der Metropole und die Umstellung am Anfang recht anstrengend für mich. Die vielen neuen Eindrücke, der Verkehr und die neue Sprache haben viel Energie gekostet, sodass ich häufig sehr erschöpft abends nach Hause kam. Inzwischen habe ich mich aber schon gut an meine neue Situation gewöhnen können.
Meine Wohnung liegt relativ zentral in der Stadt und vor allem sehr nah an der „Universidad Nacional“. Dort habe ich eine Gruppe von Studenten kennengelernt, mit denen ich zweimal in der Woche Basketball trainiere. Das macht mir viel Spaß und bietet außerdem eine schöne Möglichkeit, um noch mehr Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. So war ich mit einem Teamkollegen schon bei manchen der vielen Konzerte, die auch in der Universität angeboten werden. Generell habe ich das Gefühl, überall sehr nette Menschen kennenzulernen, sei es an der Universität, bei einem Englischtest, den ich vor kurzem hatte, oder einfach bei Gesprächen an der Bushaltestelle. Alle begegnen mir immer sehr freundlich, offen und hilfsbereit und so habe ich oft das Gefühl wie selbstverständlich dazuzugehören.

Zukunft:
In meiner nächsten Zeit hier möchte ich auf jeden Fall die Freundschaften, die ich schon geschlossen habe, weiter ausbauen. Außerdem habe ich mir vorgenommen noch aktiver zu werden. Ich werde z.B. mit eigenen Projekten bei Colectivos anfangen und habe auch vor, mir noch mehr Angebote der Universidad Nacional anzusehen. Außerdem habe ich viel meiner freien Zeit für das Schreiben von Bewerbungen für Universitäten verwendet, womit ich aber zum Glück bald fertig bin. Deshalb möchte ich meine Zeit mehr nutzen, um noch mehr von Bogotá und Kolumbien selbst kennenzulernen. Ich habe zum Beispiel schon einmal Besuch von Johannes, einem meiner Mitfreiwilligen aus Ibagué, bekommen und möchte unbedingt auch sein Projekt und die der anderen Freiwilligen besuchen. Eine weitere Gelegenheit das Land kennenzulernen, wird auch der Besuch meiner Schwester sein, mit der ich dann verreisen werde. Aber davon kann ich ja in meinem nächsten Bericht erzählen…

Henning Seland