Bericht von Pia Sommer, BDKJ Freiwillige bei der Organisation Concern Universal in Kolumbien, Ibagué:Erst einmal ankommen....

Bericht von Pia Sommer, BDKJ Freiwillige bei der Organisation Concern Universal in Kolumbien, Ibagué

Denn auch wenn Kolumbien anders ist als Deutschland, gibt es doch so einige Parallelen. Am Anfang war es natürlich eine gewisse Umstellung, aber mit der Zeit habe ich mich schon an die Lebensweise hier gewöhnt. In meinem Alltag ertappe ich mich manchmal dabei, dass ich über gewisse Eigenarten schmunzeln muss. Es kommt aber genauso häufig vor, dass ich mich frage, wieso wir bestimmte Dinge in Deutschland nicht genauso angehen. In meiner Zeit hier lerne ich also nicht nur etwas über Kolumbien, sondern überdenke auch mein Bild von Deutschland.
Aber was genau habe ich in meiner Zeit bisher erlebt...
Im ersten Monat ging es vor allem darum, unsere Sprachkenntnisse zu verbessern. Dazu hatte ich zusammen mit den anderen Freiwilligen einen Sprachkurs mit eine privaten Lehrer. Natürlich haben wir viel Theorie gelernt, aber auch Ausflüge in die Umgebung gemacht und ein bisschen die Kultur Kolumbiens kennengelernt. Diese Zeit habe ich ein bisschen als einen Übergang wahrgenommen.
Denn auf diese Art und Weise konnte ich Schritt für Schritt in einen Alltag finden und mich immer mehr an das Leben vor Ort gewöhnen, um dann später mit neuen Aufgaben und Herausforderungen in der Arbeit konfrontiert zu werden. Auf sprachlicher Ebene hat mir dieser Kurs ebenfalls weitergeholfen, da ich eigentlich keine nennenswerten Sprachkenntnisse vorzuweisen hatte. Natürlich habe ich längst nicht alles behalten können, aber durch den Kurs habe ich einen gewissen Grundwortschatz erlernt, den ich nun immer weiter ausbaue. Um ehrlich zu sein habe ich es mir ein wenig leichter vorgestellt eine neue Sprache zu lernen, sodass ich jetzt noch nicht so viel verstehe oder erzählen kann, wie ich es gerne hätte. Oft muss ich mehrfach nachfragen um etwas zu verstehen, aber meistens verstehe ich es dann doch irgendwie- wenn auch mit Hilfe von Händen und Füßen. Aber ich lerne stetig mehr dazu. Ich versuche auch meine Hemmschwelle zu überwinden und so viel Spanisch zu reden wie möglich, auch wenn es grammatikalisch vollkommen falsch ist. Ich denke dass ich in der Kommunikation mit Anderen am meisten lerne.
Der Einstieg in die Arbeit...
Nach dem ersten Monat Sprachunterricht ging dann die offizielle Arbeit los. Es ist aber nicht so, dass ich sofort wirklich mitgearbeitet habe. Erst einmal ging es nur darum, die verschiedenen Projekte kennenzulernen und die Abläufe zu verstehen. Was ich festgestellt habe ist, dass Concern sehr viele verschiedene Projekte hat und die gesamte Organisation doch größer ist als erwartet.
Die Gruppen, die ich hauptsächlich begleitet habe...
Die Gruppe der „adulto mayores" sind hauptsächlich Senioren, mit denen wir basteln und Bilder malen. Gelegentlich kommen Leute aus anderen Organisationen und machen Fitnessübungen, überprüfen die Gesundheit oder schneiden die Haare.
Das Projekt DIMF ist für Mütter mit ihren kleinen Kindern, in den verschiedenen Vierteln von Ibagué. Bei den Treffen werden aktuelle Themen wie Frieden und Rechte behandelt, aber auch Arbeiten zur Kindererziehung gemacht. Dabei wird viel geredet und gebastelt. Begleitet wird das Ganze von Krankenschwestern und Psychologinnen, aber auch einem Tanzlehrer.
Das Projekt von MISEREOR findet in den umliegenden Ortschaften von Tolima, aber auch in Ibagué selbst statt. Die Teilnehmenden sind entweder Gruppen von Frauen oder Jugendlichen. Auch hier werden viele Vorträge zum Thema Recht gehalten. Das Ziel ist, das Interesse der Menschen an Politik zu wecken und die Beteiligung auch innerhalb der Kommunen zu fördern. In diesen Projekten bin ich hauptsächlich mitgegangen bzw. gehe ich immer noch mit. Es ist interessant die Gruppen kennenzulernen und zu verstehen wie alles abläuft. Da meine Sprachkenntnisse aber noch so gering sind und vor allem Vorträge gehalten werden, nehme ich immer noch nur die Beobachterposition ein. Dadurch habe ich das Gefühl weniger eine Hilfe zu sein (auch wenn die anderen oft betonen, dass sie froh sind mich dabei zu haben). Daher will ich so schnell wie möglich, wenn auch nur kleine Aufgaben oder vorbereitete Präsentationen, übernehmen. Aus demselben Grund habe ich bis jetzt noch keine eigenen Gruppen. Aber ab nächster Woche will ich mein eigenes Projekt für Kinder starten- eine Bastelgruppe. Außerdem treffe ich mich bereits einmal die Woche mit einem Studenten der Universität, um mich mit ihm auf Englisch zu unterhalten.
Bisher habe ich jeden Monat zusammen mit Siobhan (der Leiterin der Organisation)einen Arbeitsplan erstellt, sodass ich immer eine Übersicht über den Monat hatte. Dennoch waren meine Arbeitszeiten sehr unregelmäßig und auch die Projekte habe ich in keiner bestimmten Ordnung begleitet. Unter Absprache mit Siobhan haben wir mir jetzt einen festen Wochenrhythmus erstellt:
- Montags: Nachhilfe in Englisch, Gruppe der adulto mayores, Englischstunde mit dem Studenten
- Dienstags: Projekt DIMF mit Müttern und Babys
- Mittwochs und Donnerstags: Projekt von Misereor in umliegenden Ortschaften mit Frauen und Jugendlichen
- Freitags: mein eigenes Bastelprojekt mit Kindern
Wie fühle ich mich...
Nach der ersten Eingewöhnungsphase, die sich bei mir als schwierig herausgestellt hat, bin ich doch in einem Alltag angekommen. Meine Kollegen sind super nett und Siobhan hat immer ein offenes Ohr für mich und hilft mir immer, wo sie nur kann. Die Arbeit an sich macht mir Spaß, wobei ich gerne mehr Aufgaben übernehmen würde um noch mehr eine Unterstützung zu sein. Durch die Arbeit sehe ich auch viel von der Umgebung und den verschiedenen Lebensweisen, was mir wirklich gut gefällt. In meiner Wohnung fühle ich mir super wohl und habe das Gefühl ein „Zu Hause" gefunden zu haben. Außerdem habe ich hier schon nähere Bekannte kennengelernt, mit denen ich mich regelmäßig treffe - als Freunde würde ich sie noch nicht bezeichnen, aber all das gibt mir das Gefühl Willkommen und auch Angekommen zu sein.


