Dritter Bericht von Hanna Lehmkühler

Freiwillige des BDKJ berichtet

Mädelsworkshop (c) privat
Mädelsworkshop
Mi 5. Jun 2019
Carina Delheit

Wiedersehen nach sieben Monaten
Als meine Mutter mich für drei Wochen im März besuchen kam, reisten wir gemeinsam durch Kolumbien. Es war sehr schön, wenn auch ein bisschen ungewohnt, meine Mutter hier an meiner Seite zu haben.

Als erstes reisten wir nach Cali, wo wir das Glück hatten, bei der Familie meiner Chefin unterzukommen. Gemeinsam erkundeten wir Cali und bald ging es dann auch schon nach Cartagena, worauf auch ein Aufenthalt auf den Inseln San Andrés und Providencia folgte.

Meine Mutter ist hier sehr herzlich von allen begrüßt worden und bei einem gemeinsamen Abendessen bei meiner Chefin Nelly - mit allen Mitarbeitern von Colectivos - konnte sie schon einiges meiner Arbeitsstelle beschnuppern. Ebenfalls waren wir gemeinsam in den Stadtteilen unterwegs, in denen ich auch arbeite. Den Kurs, den ich mit meiner Kollegin Leidy anbiete, fand sie sehr interessant und die Mädels gaben eine kleine Tanzvorstellung.

Die drei Wochen sind schnell verflogen und nachdem meine Mutter um ein Haar den Flieger nach Deutschland verpasste hätte, weil sich der Verkehr Bogotás von seiner besten Seite zeigte, ist sie gut in Frankfurt gelandet. Es bleiben jetzt viele Erinnerungen, gemeinsame Fotos und Abenteuer dieser vollgepackten drei Wochen.

Arbeit in der Organisation
Meine Tätigkeiten auf der Arbeit haben sich zum letzten Bericht eigentlich kaum verändert. Ich gebe weiterhin meine Englischkurse, gestalte den Mädchenworkshop mit Leidy und helfe im Hauptprojekt der Organisation mit.

Ich muss sagen, dass mir besonders der Mädchenworkshop sehr viel Spaß macht und ich dort auch das Gefühl habe, dass wir den werdenden Frauen eine Unterstützung sein dürfen. Im Englischkurs am Mittwochmorgen habe ich eine junge Mutter mit ihrem Sohn sitzen und die beiden machen mir wirklich Spaß, weil sie super engagiert und regelmäßig dabei sind. Den Mädchen scheint es auch Spaß zu machen und, wenn ich dann ab und an noch eine Schokoladentorte oder andere selbstgemachte Süßigkeiten mitbringe, dann gefällt es ihnen noch besser. So kam auch schon die Aussage, „was sie denn ohne mich machen wollen, wenn ich wieder weg bin“. Bei meiner Entgegnung darauf, dass sie mich hoffentlich nicht nur deshalb vermissen werden, mussten wir alle ein wenig schmunzeln.

Ansonsten steht ja jetzt noch die 72-Stunden-Aktion vor der Tür, für die wir im Büro gerade in die Planung gehen.

Mir geht es mit meiner Arbeitsstelle weiterhin gut und ich fühle mich die meiste Zeit über im Team sehr wohl. Als Abschluss des Mädelsworkshops planen Leidy und ich eine Übernachtungsfeier in dem Raum, in dem wir uns auch sonst immer treffen. Leidy möchte wahrscheinlich mit dem Kurs nach meiner Abreise fortfahren, was ich sehr schön und wichtig finde.

Ich denke schon, dass wir als Freiwillige hier in Kolumbien eine Hilfe sind. Unersetzbar sind wir aber auch nicht. Als ich hier bei Colectivos angefangen habe, gab es bereits zwei Jahrespraktikantinnen. Über die Zeit ist auch eine neue deutsche Freiwillige hinzugekommen und eine weitere Interessierte, die sich jetzt für die Arbeit der Organisation engagiert.

Was heißt das für mich? Meistens heißt das, dass wir uns untereinander gut austauschen können und von gegenseitigen Erfahrungen lernen. Eine Jahrespraktikantin kommt z.B. jetzt mit zu meinem Englischkurs, da sie sich vorstellen kann, diesen fortzuführen. Also sind wir jetzt mittwochsnachmittags zusammen unterwegs und gerade beim Englischen ist es schön, dass sie mir bei Erklärungen auf Spanisch helfen kann, wenn ich mal wieder mit großen Augen angestarrt werde. So ergänzen wir uns ganz gut und abwechselnd bereiten wir die Arbeitsblätter vor.

In letzter Zeit mussten wir uns bei der Arbeit besser absprechen, es gibt viele freiwillige Helfer*innen, deren Aufgaben zu koordinieren sind. Ich habe mit Colectivos auch schon darüber gesprochen und wir haben jetzt eigentlich eine ganz gute Lösung gefunden. Trotzdem freue ich mich für die Einsatzstelle, dass es viel Interesse von jungen Kolumbianer*innen gibt, die sich mit Praktika oder freiwilligen Tätigkeiten engagieren. Meiner Meinung nach ist das noch wichtiger als die Freiwilligen von außerhalb.

Was ich aber rückblickend auf die ersten Monate wirklich richtig klasse finde, sind die Geduld, die Hilfsbereitschaft und die Offenheit, mit der meine Einsatzstelle der*dem neuen Freiwilligen gegenübertritt. Ich habe mich willkommen gefühlt und gut aufgehoben.

Meine letzten Monate rasen und ich merke, dass die Abreise sichtlich näher rückt. Es ist einiges passiert und ich bin für sehr viele Eindrücke und Erlebnisse unfassbar dankbar, auch wenn ich jetzt noch nicht im Flieger nach Hause sitze. Selbstverständlich gibt es hier manchmal Situationen, mit (Meinungs-) Verschiedenheiten, die nicht einfach zu lösen sind. Allerdings ist dies zum Glück die Ausnahme und ich bekomme besonders in schwierigen Situationen viel Unterstützung.

Spanisch, Spanisch, Spanisch…
Also mein Spanisch verbessert sich natürlich durch den täglichen Gebrauch. Allerdings werde ich mich jetzt noch einmal intensiver mit der Grammatik auseinandersetzen, damit ich noch sicherer werde.