Adveniat sieht Kolumbiens Präsidentschaftswahl als Richtungsentscheidung :„Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stehen auf dem Spiel“

„Bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien stehen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Frieden auf dem Spiel.“ Das sagt der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Pater Martin Maier vor der ersten Runde der kolumbianischen Präsidentschaftswahl, die am Sonntag, 31. Mai 2026, stattfinden wird. Beobachter gehen mit Sicherheit davon aus, dass eine Stichwahl notwendig sein wird, da niemand die absolute Mehrheit in der ersten Runde erreichen wird. Glaubt man den letzten Umfragen, dann machen mit dem Senator Iván Cepeda Castro vom linken Parteienbündnis Pacto Histórico des amtierenden Präsidenten Gustavo Petro und dem Geschäftsmann Abelardo de la Espriella zwei Männer das Rennen unter sich aus. Mit Paloma Valencia hat die Kandidatin des konservativen Parteienbündnisses Centro Democrático wenig Chancen, in die Stichwahl am 21. Juni 2026 einzuziehen.
Pater Martin Maier sieht das Land an einer gefährlichen Wegscheide: „Denn mit de la Espriella, der die Präsidenten Donald Trump, Javier Milei und Nayib Bukele als seine Vorbilder nennt, würde sich Kolumbien in die autokratisch regierten Länder einreihen, in denen Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte auf der Strecke bleiben und insbesondere die arme Bevölkerungsmehrheit leidet.“
Zehn Jahre nach dem historischen Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und der größten Guerilla des Landes, den „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“ (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens), kurz: FARC, entscheidet sich auch, ob und wie der Weg zum Frieden weiter beschritten wird. Nach mehr als 60 Jahren Krieg und Gewalt mit fast einer halben Million Toten und acht Millionen Vertriebenen ist der Friedensprozess aktuell nicht abgebrochen, aber eingefroren. So beschrieb Vera Grabe, die Leiterin der Verhandlungsdelegation der Regierung mit der Guerilla ELN, in einem kürzlichen Gespräch mit Adveniat die Situation. „Als Lateinamerika-Hilfswerk hat Adveniat den langen Atem, den es für Frieden und Versöhnung braucht, wenn tiefe Wunden und schwerste Verletzungen eine Gesellschaft spalten“, erklärt Pater Martin Maier. In seinen zahlreichen Kontakten mit politisch Verantwortlichen im Land sowie den Partnerinnen und Partnern in Kirche und Zivilgesellschaft werde immer wieder deutlich, wie notwendig die Unterstützung von außen ist. „Es ist an der Zeit, dass auch die Bundesregierung und die EU an die Zeiten vor und während des Friedensvertrags von 2016 anknüpft und wieder einen Sondergesandten für den Friedensprozess in Kolumbien ernennt“, fordert Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Maier. Die vertrauensvolle und ausdauernde Zusammenarbeit von kirchlichen und politischen Akteuren auf internationaler Ebene habe den Weg zum historischen Friedensvertrag von 2016 geebnet. „Daran sollte angeknüpft werden“, so die Überzeugung von Pater Maier.
Die vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat seit Jahrzehnten unterstützte Kirche in Kolumbien hat sich neben ihrer Rolle als von allen akzeptierte Ansprechpartnerin bei zahlreichen Friedensinitiativen auch zur treibenden Kraft für die Demokratie entwickelt. Die Bischöfe rufen die Bürgerinnen und Bürger auf, „in Gewissensfreiheit und ohne jeglichen Druck oder Korruption“ an Wahlen teilzunehmen. Außerdem informiert die Bischofskonferenz in Webinaren über politische und demokratische Rechte. Das Bistum Palmira bezeichnet in seiner Broschüre Politik als „die höchste Form der Nächstenliebe“ und ruft ausdrücklich dazu auf, Fehlinformationen zu bekämpfen und die demokratische Kultur basierend auf Respekt und Dialog zu stärken.
Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Getragen wird diese Arbeit von vielen Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten mehr als 800 Projekte mit 30,6 Millionen Euro gefördert werden, die genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Menschen vor Ort.