Bischöfliche Kommission besucht das Partnerland Kolumbien

15 Vertreter aus dem Bistum Aachen sind vom 16.-29. Juli auf Rundreise

Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise
Mi., 11. Juli 2018
Anja Klingbeil
Die derzeit etwa 20-köpfige Kommission unter dem Vorsitz von Weihbischof Dr. Johannes Bündgens, Bischofsvikar für die Kolumbienpartnerschaft, wurde 2010 vom damaligen Bischof Heinrich Mussinghoff zur Weiterentwicklung der Kolumbienpartnerschaft gegründet.
Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise

Ihr gehören Vertreter von Institutionen, Gemeinden und Initiativen an, die sich für bzw. in Kolumbien engagieren.

Derzeit besteht die Kommission aus Vertretern des Diözesanpriesterrats und des Diözesanrats der Katholiken, der Jugendverbände BDKJ, DPSG und KJG, der Hilfswerke action medeor, Kindermissionswerk und Misereor, des kfd-Diözesanverbands, der Vereine action pro colombia und Aktion Friedensdorf Kinder Not, Mönchengladbach, regionaler und gemeindlicher Initiativen aus Heinsberg, Jüchen, Krefeld und Mönchengladbach sowie der Ordensgemeinschaft der Schwestern vom armen Kinde Jesus.

Gut ein Dutzend Kommissionsmitglieder wird bei der Reise in Bogotá, Líbano, Ibagué und Cali Station machen. Dabei sollen Gespräche und Begegnungen auf allen Ebenen, von der kolumbianischen Bischofskonferenz bis zu örtlichen Projekten den deutschen Gästen helfen, die aktuelle Situation in der kolumbianischen Gesellschaft und Kirche besser einzuschätzen, und für alle Beteiligten eine weitere Chance der Intensivierung der gemeinsamen Partnerschaft bieten. Einige Tage sind für den Besuch aller Mitreisenden bei ihren kolumbianischen Projektpartnern reserviert.

Die Reise wird der Antrittsbesuch von Weihbischof Johannes Bündgens als Bischofsvikar für die Kolumbienpartnerschaft sein, der dieses Amt am 1. Juni angetreten und den langjährigen Beauftragten für die Partnerschaft Monsignore Dr. Stefan Dückers abgelöst hat.

Neben vielen kolumbianischen Gesprächspartnern werden auch einige deutsche bzw. Aachener Akteure die Delegation ganz oder zeitweise begleiten. Es sind die aus dem Bistum Aachen stammenden AGEH-Fachkräfte Stephan Miethke, Bogotá, und Oliver Bühl, Ibagué, die im Auftrag des Bistums Aachen in Cali tätige AGEH-Fachkraft Anselm Kanwischer und die durch mehrere Besuche als Kampagnengast im Bistum Aachen bekannte COMUNDO-Fachkraft Ulrike Purrer Guardado aus Tumaco.

Für uns ist Thomas Hohenschue mit der Kamera dabei. Tag ist der Reise ist vorbei: Auf dem Programm standen ein Auftaktworkshop im Gästehaus der Kolumbianischen Bischofskonferenz in Bogotá und ein Besuch bei den Schwestern vom armen Kinde Jesus, ebenfalls in Bogotá.

Als nächstes auf dem Programm stand ein Besuch der Delegation in so genannten Invaciones, das sind Siedlungen armer Familien am Stadtrand, aus Wellblech, Holz, in einfachsten Bedingungen. Dort arbeitet Creamos, ein genossenschaftlicher Zusammenschluss. Leiter Don Roberto führte die Gruppe durch die Gassen und erschloss den Kontakt zu einigen Bewohnern. Es geht um Selbsthilfe und Würde.

Danach ging es zum Austausch ins Haus von "Hogar del Nino", einer Stiftung, die sich auf vielfältige Weise um Kinder und Jugendliche kümmert, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammen. Zu Wort kamen dabei nicht nur Verantwortliche und Mitarbeiterinnen, sondern auch Pflegeeltern und Kinder. Ein Austausch auf Augenhöhe, in gastfreundlicher Atmosphäre.

An Tag drei der Reise führte Erzbischof Flavio Calle durch Einrichtungen der Diözese. Zunächst besuchte die Delegation das Priesterseminar, dessen Arbeit durch Mittel des Bistums Aachen gefördert wird. Das großzügige Anwesen wird heute nicht nur für die Ausbildung des Priesternachwuchses genutzt, sondern dient weiteren pastoralen Zwecken. Nächste Station war eine Lebensmittelbank, die auf vielen Wegen Nahrungsmittel an Bedürftige in Ibagué verteilt und dabei Arbeitsplätze schafft. Schließlich besichtigte die Delegation das Hogar de Paso San Francesco, eine Einrichtung, die Obdachlosen sichere Schlafplätze verschafft und einigen von ihnen neue Perspektiven erschließt. Abends rundete ein kurzer Austausch mit Sueños Especiales den Tag ab. Mit dabei: Henrik Bongartz aus dem Bistum Aachen, der sich just in diesen Tagen von den Mitstreitern des integrativen Kinder- und Jugendprojektes verabschiedet. Ein Jahr lang hat er dort als Freiwilliger mitgearbeitet und kehrt jetzt in die Heimat zurück - noch vor der Delegation.

Am vierten Tag ihres Aufenthaltes in Kolumbien durchquerte die Aachener Delegation einen Gebirgszug der Anden. Bei zehn Stunden kurvenreicher Fahrt passierte die Gruppe herrliche Landschaften. Für einen längeren Zwischenstopp war erst beim Wallfahrtsort Buga die Gelegenheit. Bischof José Roberto Ospina empfing die Delegation persönlich. Er zeigte großzügige Gastfreundschaft, lud zum Mittagessen, zum Eis und später noch zum Austausch in sein persönliches Anwesen ein. Zwischendurch nahm die Gruppe an einem Wallfahrtsgottesdienst in der Basilika von Buga teil.

Am Abend des vierten Tages erreichte die Aachener Delegation Cali. Und konnte dort Weihbischof Johannes Bündgens begrüßen, der aus Deutschland nachgereist war. Für ihn stellt die Tour seinen Antrittsbesuch im neuen Amt als Bischofsvikar für die Kolumbienpartnerschaft dar. 

Erste Station in Cali, am fünften Tag der Reise, war das Anwesen der Stiftung Christus der Straße. Als Initiative von Unternehmern gegründet, kümmert sich diese Stiftung auf vielfältige Weise um existenzielle Bedürfnisse von Bedürftigen. So werden zum Beispiel Essen an verschiedene Stellen ausgefahren, wo Menschen am Rande der Autobahn, auf der Straße, leben. Verbunden ist der Einsatz mit seelsorglichem Engagement, der Gründer ist seit zwei Jahren ständiger Diakon und möchte mit seiner Stiftung auch einen Beitrag zur Evangelisierung leisten. Eine Überraschung am Rande: Seit wenigen Tagen sind Jule Steeger aus Niederkrüchten und Ben Bacher aus Moers als Freiwillige bei der Stiftung aktiv, auf ebenfalls private Initiative, für ein halbes Jahr.

Nachmittags stand eine Begegnung mit Vertretern von Taller Abierto auf dem Programm. Diese Stiftung engagiert sich vielfältig für die Rechte der indigenen und afroamerikanischen Bevölkerung in der Region Valle de Cauca. In einer Kultur, die von jahrzehntelangen Gewalterfahrungen geprägt ist, sind vor allem Frauen großen Gefahren und Nöten ausgesetzt. Die Stiftung stärkt Menschen in ihrer Selbstbestimmung, klärt sie über ihre Rechte auf, sensibilisiert sie in gesundheitlichen Fragen. So befähigt und ermutigt sie Frauen, Jugendliche, auch Männer natürlich, zu einem selbstverantworteten, starken Leben jenseits der Banden- und Drogenkriminalität. Die Situation ist trotz des Friedensvertrags in dieser Region weiter gefährlich, nicht zuletzt aufgrund von Interessen seitens Großgrundbesitzern und Konzernen.

Der sechste Tag der Delegationsreise führte quer durch die Millionenstadt Cali, einerseits in den Stadtteil Aguablanca, andererseits zum Erzbischof der Diözese Cali. Nach einem Gottesdienst in der Kirche St. Bartholomäus und einer kleinen gastlichen Bewirtung gleich gegenüber legte die Gruppe einige Meter durch Aguablanca zurück. Mitten im sozialen Brennpunkt betreibt die Sozialpastoral des Erzbistums ein Zentrum. Dort ist unter anderem Anselm Kanwischer als von Aachen entsandte Fachkraft tätig. In der Arbeit mit Bewohnern des Viertels geht es um Befähigung und Stärkung. Jugendliche lernen zum Beispiel, sich kreativ zu entfalten. Sie entwickeln andere Perspektiven für ihr eigenes Leben. Die Delegation erhielt einen kleinen Einblick in die facettenreichen Früchte dieser sozialpastoralen Arbeit. Und durfte am Mittagstisch teilnehmen, der an Bewohner des Viertels ausgegeben wird.

In Calis Erzbischof Darío Monsalve hatte die Delegation einen Gesprächspartner, der sich bestens mit dem Stand des Friedensprozesses in Kolumbien auskennt. Er bedauerte die Polarisierung, die in letzter Zeit eingesetzt habe, und machte deutlich, dass es jetzt wichtig sei, dass die Umwandlung des Landes fortgesetzt werde. Weihbischof Johannes Bündgens würdigte den Mut Monsalves, sich beim Referendum für die Annahme des Friedensabkommens eingesetzt zu haben. Als Christ und als Bischof müsse man auch schon mal Niederlagen einstecken können, sagte der Bischofsvikar für die Kolumbienpartnerschaft  mit Blick auf die Ablehnung des Vertrags. Und sicherte dem Erzbischof in seinem Streben nach Frieden in Kolumbien die Unterstützung und Solidarität seitens des Bistums Aachen zu. Damit sprach er den Delegierten des Partnerschaftskomitees aus dem Herzen. 

Am siebten Tag trennten sich die Wege der Delegation. Die meisten fuhren zu Projektpartnern, zu denen sie Freiwillige schicken oder anderweitig gewachsene Beziehungen bestehen. Weihbischof Johannes Bündgens und Pastoralreferent Thomas Hoogen flogen zurück nach Bogotá, um dort unter Begleitung von Stephan Miethke ein mehrtägiges Programm zu absolvieren. Als erstes stand ein Zusammentreffen mit Padre Manuel Hernando Vega León an, der Kontaktperson der Kolumbianischen Bischofskonferenz für die Partnerschaft mit dem Bistum Aachen. Im Anschluss besichtigten Bündgens, Hoogen und Miethke eine Gedenkstätte an die Jahrzehnte des Bürgerkriegs in Kolumbien. Insbesondere zwei Fotoausstellungen machten eindringlich deutlich, was das Land aufzuarbeiten hat, um in eine friedliche Zukunft zu gelangen.

Am zweiten Tag des Aufenthalts in Bogotá ging es zunächst weit raus, in die benachbarte Kommune im Süden der Hauptstadt, Soacha. Auch dort haben sich ganze Berghänge voll Invasiones gebildet. Im Ortsteil Cazuká engagieren sich die Schwestern vom armen Kinde Jesus für die örtliche Bevölkerung. Zum einen unterhalten sie ein Zentrum für Kinder im Grundschulalter und führen einen Kindergarten. Dabei kommt es ihnen an, die Selbsthilfekräfte der kleinen Bewohner zu Als drittes kümmert sich Sr. Johanna Baptist Umberg in einer Krankenstation um medizinische und seelische Probleme von Patienten aus dem Viertel. Die ausgebildete Ärztin stammt aus Neuss und zog vor 45 Jahren nach Kolumbien.

Später besuchten Weihbischof Johannes Bündgens, Thomas Hoogen und Stephan Miethke das Stadtteil- und Basiskirchenprojekt Casitas Bíblicas im Süden von Bogotá. Im Stadtteil Palermo Sur entwickelt ein hoch engagiertes Team Angebote für Familien und weitere Bewohner des Viertels. Ihr Haus inmitten einer Invasion haben die Verantwortlichen selbst geplant. Etwas Besonderes ist dabei, dass sie Menschen motivieren, die Bibel mit ihrem Alltag in Verbindung zu bringen. Aus dieser Glaubensübung schöpfen viele Kraft, um ihr Leben unter den prekären und teilweise gefährlichen Bedingungen von Palermo Sur zu gestalten. Es geht um neue Perspektiven. Ein sehr intensiver, ehrlicher Austausch zwischen Deutschen und Kolumbianern machte ein weiteres Mal deutlich, warum das Projekt vor Jahren als "lebendiger Schatz des Bistums Aachen" ausgezeichnet wurde.

Der nächste Tag stand im Zeichen zweier hochkarätiger Begegnungen: einer zufälligen mit Kardinal Rubén Salazar, seines Zeichen Erzbischof von Bogotá und Ehrendomherr von Aachen, und einer geplanten mit Padre Darío Echeverri, dem Generalsekretär der Nationalen Versöhnungskommission Kolumbiens. Seit 2012 ist Stephan Miethke aus dem Bistum Aachen Berater dieser Kommission.
Das Gespräch zwischen dem Padre und Weihbischof Bündgens zeigte die ganze Komplexität der Situation auf, in der Kolumbien seinen Weg in einen umfassenden und stabilen Frieden gehen muss. Verhandlungslösungen zwischen den beteiligten Parteien sind ebenso wichtig wie die Arbeit an den dramatischen Folgen, die der jahrzehntelange Krieg in Wirtschaft und Gesellschaft hinterlassen hat. Kirche kann hier mitgestalten, als Vermittlerin ebenso wie über sozialpastorale Initiativen und Einrichtungen.
Nach dem Austausch führte Pade Echeverri den Besuch aus Aachen noch durch sein Viertel rund um die Herz-Jesu-Kirche, die nach dem" Krieg der tausend Tage" (1899 bis 1902) errichtet wurde. Sie stellt bis heute ein Mahnmal gegen den Krieg dar - mehr als passend für die politische Arbeit des Padre. Sein seelsorgerisches Herz hängt an den Menschen im Viertel, wie beim Rundgang ungezählte Male sichtbar wurde.

Das letzte Sozialprojekt, das die Aachener Delegation gemeinsam besuchte, lag auf den Höhen von Bogotá. Im Kinder- und Jugenddorf Benposta leben Kinder und Jugendliche, die landesweit aus gefährlichen Situationen herausgeholt wurden. Sie lassen dort ihr schwieriges Leben hinter sich und erarbeiten sich neue Perspektiven. Zum pädagogischen Konzept gehört auch, dass sie sich weitgehend selbst verwalten, also auch die Prinzipien der Demokratie erlernen und praktizieren. 

Die letzten beiden Tage in Bogotá standen im Zeichen der Auswertung und Weiterentwicklung der Kolumbienpartnerschaft. Weihbischof Johannes Bündgens absolvierte seinen Antrittsbesuch bei der Kolumbianischen Bischofskonferenz als neu zuständiger Bischofsvikar. Und die deutsche Delegation und ein gleich starkes Kontingent Kolumbianer berieten in einem intensiven Workshop, ebenfalls bei der Bischofskonferenz, über die künftigen Perspektiven der Partnerschaft. 

Voller Eindrücke von Partnerland und Partnerprojekten und beflügelt von den abschließenden Gesprächen, kehrte die Delegation wohlbehalten in die Heimat zurück. In den nächsten Wochen wird die Reise ausgewertet und dokumentiert. Für jedes Mitglied der Delegation wird diese Erfahrung eine bleibende Erfahrung sein. Die Partnerschaft geht auf ihr 60. Jahr zu und wird sich verändern, so wie sich auch die Kirchen in Deutschland und Kolumbien verändern.

 

Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
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Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
Kolumbienreise 2018 (c) Bistum Aachen / Thomas Hohenschue
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