Viele Formate und Einblicke zu Kolumbien heute bei der Partnerschaftswoche:Begegnung und Austausch mit kolumbianischen Gästen

Es ist aktuell vieles im Umbruch und noch ungewiss in Kolumbien: Das schwere Erdbeben im Westen des Landes im August und seine Folgen, die kurz davor ins Amt gekommene neue rechtskonservative Regierung unter Präsident Abelardo de la Esperiella, die Überwindung der vor allem in den Randregionen des Landes noch immer herrschende Gewalt, der sozialen Ungleichheit und ein nach wie vor nicht abgeschlossener Friedensprozess. – „Quo vadis, Colombia“ (Wohin geht die Zukunft, Kolumbien?) war daher auch die Partnerschaftswoche Aachen-Kolumbien im Bistum Aachen vom 20. bis 27. September überschrieben.
Gäste der Partnerschaftswoche waren in diesem Jahr fünf Bischöfe, drei aus der Pazifikregion Kolumbiens und zwei aus dem kolumbianischen Teil des Amazonasgebiets: Franklin Misael Betancourt, Bischof von Tumaco; Alfonso García López, Apostolischer Vikar von Guapi; John Mario Mesa Palacio, Apostolischer Vikar von Leticia; Arnulfo Moreno Quiñonez, Weihbischof im Erzbistum Cali und Jesús Alberto Torres Ariza, Bischof von San José del Guaviare. Begleitet wurden sie von Claudia Witgens, die seit Ende der 1990er-Jahre in Kolumbien lebt und seit Dezember 2025 für Begleitung und Entwicklung der Partnerschaftsarbeit in Kolumbien zuständig ist.
Bei zahlreichen Veranstaltungen, Aktionen, Begegnungen und Gottesdiensten haben Menschen aus dem Bistum Aachen – ehrenamtliche, wie hauptamtliche –, die sich dem Partnerland des Bistums verbunden fühlen, den Austausch mit den sechs Gästen sowie digital und in Präsenz mit weiteren Partnern in Kolumbien gesucht.
Eröffnet wurde die Partnerschaftswoche mit einer multikulturellen Messe in der Kirche St. Maria Rosenkranz in der Innenstadt von Mönchengladbach. Zur kulturellen Vielfalt trugen nicht nur die fünf kolumbianischen Bischöfe bei, die zu Gast waren. Die Mönchengladbacher Gemeinde ist migrantisch geprägt, so dass sich von vor Ort Menschen aus drei weiteren Kontinenten in den liturgischen Diensten einbrachten.
Ebenfalls in Mönchengladbach fand ein Austausch mit den drei aus der Pazifikregion stammenden Bischöfen statt, zu dem die dort ansässigen Vereine „action pro colombia“ und „Aktion Friedensdorf – Kinder in Not“ eingeladen hatten. Beide unterstützen seit vielen Jahren Projekte zur Ernährungssicherheit, Kinder- und Jugendarbeit und zum Schutz der Menschenrechte. Vor rund 30 Interessierten im Eine-Welt-Informationszentrum berichteten die Gäste aus Kolumbien von den aktuellen Entwicklungen nach dem Erdbeben und dem Präsidentenwechsel. Als eines der größten Hindernisse bei der Überwindung der bewaffneten Konflikte, die Kolumbien seit Jahrzehnten prägen, wurde von den Bischöfen die nach wie vor verbreitete Korruption benannt. Die Kirche sei die einzige Institution, die überall, auch in den Krisengebieten, präsent sei und so Hilfe vor Ort leisten, den Schutz der Zivilbevölkerung einfordern und Versöhnungsprozesse anstoßen könne.
Zu einem offenen Austausch Interessierter mit den kolumbianischen Gästen hatte die San-Pedro-Claver-Kolumbienstiftung ins Jakobushaus in Aachen eingeladen. Bei deutschen und kolumbianischen Snacks entwickelten sich in kleinen Tischgruppen lebhafte Gespräche, in denen die fünf Bischöfe vom Alltag der Menschen in ihren Diözesen erzählten und davon, was sie in ihrer Arbeit bereichert, was ihnen Sorge bereitet und wie Kirche sich vor Ort einbringt. An vielen Stellen leistet sie wichtige Arbeit zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen, zum Beispiel im Bereich Schulbildung. Sie muss dabei auch immer wieder mit staatlichen Stellen in den Disput gehen, Stimme für die und mit den Menschen vor Ort sein.
Die Situation vor Ort stand auch im Mittelpunkt eines Online-Austauschs mit Partnern in Kolumbien, zu dem der Aachener Diözesanrat im Rahmenprogramm der Woche eingeladen hatte. Seit Anfang 2025 unterstützt er ein Projekt der Fundación Concern Universal mit der indigenen Pijao-Gemeinde Kiloka Playa Verde. Dabei geht es vor allem um den Kampf um sauberes Wasser. Ziel ist es, die Gemeinde dabei zu stärken, ihre Rechte zu kennen und gegenüber Staat und Unternehmen einzufordern. Jaime Bernal von Concern Universal in Ibagué, berichtete über die politische Situation, die ihn mit Sorge erfüllt. Es bahne sich eine wirtschaftliche, ethische, soziale und humanitäre Krise an, so seine Befürchtung, verstärkt durch den neuen Präsidenten und seine Politik. Das habe negative Auswirkung besonders auf die indigene Bevölkerung und Menschen, die arm und sozial benachteiligt sind. Sie leiden auch am meisten unter den Folgen des Erdbebens und den Auswirkungen von El Niño mit Dürre und Waldbränden. Doch es blieben Hoffnung und Menschenwürde, die es zu bewahren gelte, so Jaime Bernal. Und die Solidarität durch ihre Partner in Deutschland. Dafür seien sie dankbar.
Die Woche wurde von weiteren Aktionen abgerundet, die besonders den jüngeren Generationen Kolumbien und seine Menschen nähergebracht haben. So war im Rahmen der KinderKulturKarawane 2026 an der Gesamtschule Aachen-Brand die Tanztheatergruppe „Nuevo Estilo Dance“ aus Cali zu Gast. In ihrem Stück „Escape“ erzählen die Jugendlichen von Rassismus, gesellschaftlicher Diskriminierung, dem Schmerz kollektiver Traumata und dem Ausweg daraus durch Empathie, Identität und Versöhnung. Insgesamt fünfmal standen sie damit auf der Bühne für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule sowie der Grundschulen im Stadtteil. Hinzu kam Austausch in Workshops.
Zu einem digitalen Treffen über den Atlantik hinweg hatte der Aachener Dachverband katholischer Jugendverbände BDKJ eingeladen. Kinder und Jugendliche kamen in der Bleiberger Fabrik in Aachen und bei der BDKJ-Partnerorganisation Concern Universal in Ibagué zusammen, um gemeinsam das Thema Frieden zu betrachten: Was bedeutet Frieden für uns; was erleichtert, was erschwert ihn? Friedliches Miteinander wurde konkret erfahrbar beim Kochen und Essen in den beiden Gruppen: Während in Aachen süße und herzhafte Friedenstauben gebacken und verzehrt wurden, war in Ibagué Obst Schnippeln für einen Salat angesagt.
Das Besuchsprogramm der kolumbianischen Bischöfe, die größtenteils zum ersten Mal in der Region zu Besuch waren, enthielt weitere Stationen wie Schloss Rheydt, den Tagebau Garzweiler, das Aachener Dreiländereck, die Caritas-Werkstätte Monschau-Imgenbroich, das Benediktinerkloster Mamelis, den amerikanischen Soldatenfriedhof Margraten, die Grenzstadt Herzogenrath, das Generalat der Schwestern vom armen Kinde Jesus und die benachbarte Großstadt Köln.