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Pfarrer Harald Josephs über die inhaltliche Kraft von Liedern im kölsch-katholischen Gottesdienst: „Solche Bilder bringen Menschen zum Nachdenken“

Das kölsch-katholischen Ensemble wird von Pfarrer Harald Josephs geleitet
Datum:
Di. 10. Feb. 2026
Von:
Abteilung Kommunikation

Kölsche Mundartlieder sprechen mit tiefgründigen Texten und eingängiger Musik Themen wie Zusammenhalt, Umweltschutz und Vergänglichkeit auf einfache Art und Weise an. Das fasziniert Pfarrer Harald Josephs schon seit vielen Jahren. Mit seiner Band – dem Kölsch-katholischen Ensemble – das seit mehr als 25 Jahren besteht, verfolgt er deshalb ein eigenes karnevalistisches Kirchenformat. Während im Rahmen vieler anderer närrischer Gottesdienste traditionelle Kirchenlieder wie „Großer Gott, wir loben dich“ auf Platt gesungen werden, orientiert sich seine Formation stark an bekannten kölschen Bands wie den Bläck Fööss, den Höhnern, Brings und den Klüngelköpp. Deren Lieder werden gecovert und in einen gottesdienstlichen Zusammenhang gestellt, in diesem Jahr unter dem Motto „Un ejal wie verdötsch un knatschjeck he einer es, op et Hätz, do kütt et he an“ aus dem Lied “Die kleine Saache“ von den Bläck Fööss. Für Harald Josephs ist dies eine Möglichkeit, seine Leidenschaft für Musik mit seinem Beruf als Priester zu verbinden.

Die Kraft der kölschen Lieder 

Seit Beginn setzt die Gruppe auf die inhaltliche Kraft der kölschen Songs. Die Bläck Fööss etwa schaffen es, mit ihrer Musik ein Gemeinschaftsgefühl auszudrücken. „In unserem Veedel“ thematisiert Nachbarschaft und den Blick für Menschen, denen es nicht gut geht. „Dat Wasser vun Kölle“ ist im Kern ein Umweltschutzlied, das die chemische Belastung des Rheins kritisiert. „Mer losse d´r Dom in Kölle“ richtet sich gegen eine wahllose Stadtsanierung ohne Rücksicht auf historische Identität. Solche Bilder bringen Menschen zum Nachdenken.

Das Konzept hat einem festen Ablauf: Im Wortgottesdienst folgt auf eine Bibelstelle ein „augenzwinkernder Kommentar“, der in ein passendes kölsches Lied überleitet. Während Eucharistie und Wandlung bleibt die Musik bewusst still, um die besondere Atmosphäre zu wahren. Zum Friedensgruß und zur Kommunion kehrt die Gruppe mit ruhigeren Stücken zurück. Und nach dem Schlusssegen verwandelt sich die Kirche oft in eine kleine Karnevalssession, bei denen die Gemeinde Liedtexte per Beamer mitsingt und schunkelt. 

Für 2027 gibt es noch eine feste Zusage

Nicht jedes Lied eignet sich jedoch für den Kirchenraum. Über „Superjeilezick“ von Brings wurde kurz diskutiert, letztlich aber verzichtet – der Einstieg „Maach noch ens die Tüt an“ könnte Menschen verletzen, die in der Familie mit Drogenproblemen konfrontiert sind. Vor ernsten Themen schreckt die Gruppe dennoch nicht zurück. Lieder wie „He deit et wih un do deit et wih“ greifen das Thema des Älterwerdens und die Endlichkeit des Lebens mit heiterer Emotionalität auf.

Nach 26 Jahren macht die Gruppe weiter – aber nicht ohne den Blick auf die Zukunft zu verstellen. Für Pfarrer Josephs ist das Projekt eine Möglichkeit, um Menschen mit alternativen Gottesdienstformen wieder an Kirche und Gemeinde heranzuführen. Projektorientierte Formate oder Eventkirche seien Wege, das Spektrum zu erweitern und Menschen dort abzuholen, wo sie einen persönlichen Nutzen spüren. Dennoch denkt die Gruppe ans Aufhören: Viele Mitglieder sind jenseits der 70, der Aufbau der Technik wird anstrengender und die Stimmen tiefer. Für 2027 gibt es noch eine feste Zusage für weitere Konzerte – danach wird man weitersehen.