Kirchen zur Konferenz von Cartagena zu Agrarreform und ländlicher Entwicklung:Den Schrei der ländlichen und indigenen Bevölkerung hören

Bei der vom 24. bis 28. Februar im kolumbianischen Cartagena stattfindenden II. Weltkonferenz zu Agrarreform und ländlicher Entwicklung ICARRD+20 bringt die katholische Kirche ihre Stimme ein. Basis ihrer Stellungnahmen sind die päpstlichen Lehrschreiben Laudato si’ und Laudate deum sowie das Dokument von Papst Leo XIV. über falsche Lösungen für die Klimakrise zum 30. Klimagipfel in Brasilien.
An der internationalen Konferenz nehmen rund 1500 Delegierte aus über 100 Ländern teil. Die Delegation der katholischen Kirche wird angeführt von Erzbischof Paolo Rudelli, dem Apostolischen Nuntius in Kolumbien als Beobachter des Heiligen Stuhls, und von Bischof Juan Carlos Barreto, dem Vorsitzenden von Caritas Kolumbien und Bischof von Soacha.
Im Mittelpunkt der Diskussionen steht der gerechte Zugang zu Land. Hierbei bringen die Delegierten der Kirche auch die Erfahrungen der Gemeinden ein, die sie vor Ort begleiten.
Die Konferenz findet 20 Jahre nach der ersten ihrer Art in Porto Alegre (Brasilien) statt. Damals ging es v. a. um konkrete Maßnahmen zur Bewältigung struktureller Herausforderungen, die die ländliche Entwicklung einschränken.
Angesichts der unveränderten Situation gibt es zwei von der Kirche vorbereitete Podiumsdiskussionen, bei denen die Themen Glaube und Politik miteinander verbunden werden sollen. Der erste befasst sich mit Landplanung/-verwaltung und Agrarökologie, der zweite mit Ernährungssicherheit und -souveränität. Beide basieren auf den Erfahrungen aus der Seelsorge in den jeweiligen Gebieten.
Die Themen der Konferenz sind deutlich älter als 20 Jahre. Schon Papst Johannes XXIII. wies vor mehr als 60 Jahren auf die Dringlichkeit der Agrarfrage hin und prangerte den Verlust von Ernährungssouveränität und den technischen Rückstand auf dem Land an. Die Kirche, so der Papst damals, habe ihre Aufgabe in diesem Kontext immer darin gesehen, die Gemeinden vor Ort zu begleiten und Ungerechtigkeiten zu benennen. Auch erinnerte er an biblische Grundlagen, beispielsweise die Einführung des Jubeljahres, in dem Schulden erlassen, Menschen aus Sklaverei befreit und brachliegende Ländereien an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgegeben wurden.
Agrarreform und Jubeljahr sind daher aus kirchlicher Sicht Synonyme: Beide sind mehr als fromme Vorschläge, sondern verbindliche Mechanismen der wirtschaftlichen Korrektur, um die fortgesetzte Ungleichheit zu verhindern.
Die kolumbianische Kirche wird in ihrem Einsatz bei der Konferenz vom Lateinamerikanischen Bischofsrat (CELAM), dem Netzwerk CIDSE (Internationaler Verbund katholischer Entwicklungsorganisationen) und Caritas International unterstützt.