Wachsam die Veränderungen wie den (Wieder-) Einstieg in den Beruf oder den Ruhestand, den Auszug der Kinder oder den Tod eines mir nahestehenden Menschen, die Einschränkungen, die Kränkungen, die Verletzungen, die klar benannte begrenzte Lebenszeit in den Blick nehmen und – nach vorne schauend – gestalten, auch mit den schlechtestenfalls sehr beschränkten Möglichkeiten. Nein, ich spreche nicht dem reflexionslosen Optimismus das Wort. In ihm sehe ich eine vertane Chance - nämlich die zu trauern, mit allem, was dazu gehört. Das braucht der Blick und der Weg nach vorne in die Zukunft.
Was ich damit meine? Mit Herz und Hirn erfassen, was die Veränderungen im Beruf, in der Umwelt, in Beziehungen, eine Krebsdiagnose, ein Herzinfarkt, der Auszug der Kinder, der Tod eines Menschen, die Gebrechen des Älterwerdens und Alters bedeuten. Dies ist eine Entwicklungschance des Lebens. Mit Ereignissen dieser Art geht Unsicherheit, Abwarten müssen, Enttäuschung, Ausgeliefertsein, Schmerzen, Leere, Ohnmacht, Angst um sich und um die Menschen, die mir etwas bedeuten; ein Bewusstsein dafür, nicht alles in der Hand zu haben, einher.
Diese Phase zu durchleben – und nicht mit dem Blick zurück zu ignorieren - birgt die Chance zu reifen. Die meisten Menschen haben – um es positiv auszudrücken – mehrere Gelegenheiten dazu. Dieses Durchleben von Krise, Abschied, Trauer und Neuausrichtung ist wie die Nacht des Gründonnerstags, wie Karfreitag, Karsamstag und Ostern.
Im Johannesevangelium steht in Kapitel 20: „Am Abend dieses ersten Tages nach dem Sabbat, als die Jüngerinnen und Jünger hinter geschlossenen Türen saßen aus Angst vor der jüdischen Obrigkeit, da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: »Friede sei mit euch!« Als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite.“
Der Text aus dem Johannesevangelium verdeutlicht für mich wie wichtig es ist, die Veränderungen und Abschiede zu durchleben. Jesus erscheint den Jüngerinnen und Jüngern nach seiner Auferstehung. Er ist auf neue Weise in ihrer Mitte. Zugleich sind seine Wunden die Zeichen, mit denen er sich zu erkennen gibt. Sie sind durch die Auferstehung nicht verschwunden, was ja naheliegend sein könnte. Sein Leben und sein Leiden ist nicht verloren gegangen, es bleibt ein Teil seines neuen Seins. Jesus, der die Menschen und das Menschenleben liebte, wurde gewandelt, ohne sein gelebtes Leben und Leiden aufzugeben. Es bleibt Ausdruck seiner selbst.
Die Verwundbarkeiten, die uns durch Lebensereignisse zugefügt werden, die wir auf verschiedene Weise erlitten haben, gehören zu uns dazu. Sie trauernd zu durchleben und uns mit ihnen neu auszurichten, ist neues Leben - nicht altes Leben zurück. Im neuen Leben ist unser altes Leben nicht verschwunden. Es ist Ausweis unserer Selbst, woran die anderen uns erkennen können. Vielleicht einfühlsamer, liebevoller, klarer, nach- und umsichtiger mit uns selbst und anderen – verwandelt. Neues Leben im Alten.
Ich wünsche Ihnen und dir ein frohes und gesegnetes Osterfest, das Leben und Zuversicht für Neues schenkt! Ihre/deine Ida Prinz-Hochgürtel
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