Die Arbeit der AG Queer im Bistum Aachen (QuibA):„Es geht darum, Dinge im Glauben geradezurücken“

Entstanden ist die Gruppe im Rahmen einer Initiative im Rahmen des Christopher Street Days (CSD) in Aachen, wo Menschen aus kirchlichen Kontexten deutlich wahrnahmen, wie groß die Lücken in der pastoralen und strukturellen Begleitung Queerer sind. Seitdem arbeitet QuiBA daran, diese Leerstellen sichtbar zu machen und ihnen mit Vernetzung, Bildungsarbeit und theologischen Impulsen zu begegnen. Über die Arbeit der AG Queer (QuiBA) im Bistum Aachen berichten Yasmin Raimundo Ochoa, Geistliche Leiterin der kfd im Diözesanverband Aachen, und Miriam Daxberger, Pastoralreferentin in der Hochschulseelsorge des Bistums Aachen.
Wie ist die AG Queer entstanden, und welche Ziele verfolgen Sie mit dem Zusammenschluss?
Raimundo: Ich bin nicht von Anfang an mit dabei, sondern im Laufe des Jahres 2023 zur AG Queer dazugestoßen. Das hing mit meiner Tätigkeit als geistliche Leiterin bei der Kfd zusammen. Dort bin ich auf einen Text gestoßen, in der der Begriff „Frauen*“ verwendet wurde. Da mir niemand wirklich erklären konnte, was das Sternchen bedeutet, wollte ich das mit Inhalt füllen und sichtbar machen, wer damit gemeint ist. Mir ist wichtig, dass queere Menschen gehört werden und ihre Anliegen eine Stimme bekommen.
Daxberger: Die Gründung der QuiBA – Queer im Bistum Aachen – entstand eigentlich auf dem Christopher Street Day (CSD) in Aachen. Gemeinsam haben Kolleg*innen dort festgestellt, dass im Bistum Leerstellen sind und abseits des CSD die Perspektive queerer Menschen nicht überall vorkommt. Daraufhin hat sich die Gruppe aus Interessierten gegründet.
Was sind die konkreten Ziele und Aufgaben der AG?
Daxberger: Die QuiBA ist ein Zusammenschluss, der aus theologischer Perspektive Themen anstößt und ins Gespräch bringt. Aber sie ist mehr als ein rein internes Austauschformat, sondern möchte strukturell etwas bewirken. Beispielsweise gibt es seit drei Jahren keinen offiziellen „Queer-Beauftragten“ im Bistum Aachen mehr. Wir können diese Leerstelle nicht füllen, aber wir können darauf aufmerksam machen.
Raimundo: Ein zentrales Ziel ist es, ein Netzwerk und eine Austauschplattform zu schaffen. Zu Beginn gab es ein großes Treffen mit Mitarbeiter*innen aus Schulen und Kitas, um Bedarfe zu ermitteln. Queere Menschen werden oft als Einzelfälle betrachtet; wir fordern jedoch eine strukturelle Verankerung. Wir haben viele Fortbildungen angestoßen, etwa in Kooperation mit dem Katechetischen Institut, und YouTube-Formate wie „Theologie to Go“ unterstützt. Außerdem gab es Austauschtreffen mit Fachreferent*innen des Generalvikariats für Frauen-, Männer- und Jugendseelsorge. Wir müssen weg von der binären Logik. Das ist eine Herausforderung, gerade auch für einen Frauenverband wie die kfd, deren geistliche Leiterin ich bin. Auch die kfd befindet sich in einem Bewusstseinsprozess darüber, was „Frauen*“ bedeutet und wie wir uns für die Zukunft aufstellen.
Wissen kann also dabei helfen, das Bewusstsein zu schärfen?
Raimundo: Ja, unter anderem zur Schöpfungstheologie. Wir möchten ein offeneres Gottesbild vermitteln – Gott ist weder ‚nur‘ männlich noch weiblich, sondern allumfassend. Das erweitert den Horizont und bereichert den Glauben.
Was muss sich aus Ihrer Sicht in Zukunft unbedingt verändern?
Raimundo: Es war mutig von unserem Bischof, sich öffentlich für die queere Pastoral zu positionieren. Jetzt ist es aber überfällig, die notwendigen strukturellen Schritte zu gehen – etwa die Einsetzung eines diözesanen Queer-Beauftragten. Das ist letztlich auch eine Frage der Menschenrechte und der Teilhabe.
Sie wollen auch Ansprechpartner für Probleme im Bistum Aachen sein. Werden Beratungsanfragen an Sie herangetragen?
Daxberger: Ja, das kommt vor – auch bei Konfliktfällen. Wir verweisen dann an die entsprechenden Stellen im Netzwerk. Da wir keinen offiziellen Auftrag haben, bringen wir vor allem unser Wissen über die Strukturen ein.
Raimundo: Bei den gemeinsamen Austauschtreffen wurde deutlich, dass es diesen Bedarf bei Kolleg*innen, vor allem auch in Schulen, auf jeden Fall gibt.
Warum ist die Mitarbeit in der AG für Sie so wichtig?
Daxberger: Mir ist es wichtig, auf die Geschichte und Situation queerer Menschen aufmerksam machen. Es geht darum, Dinge im Glauben geradezurücken, denn viele Menschen erleben in der Kirche Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Identität und Orientierung.