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So war der Unternehmerdialog 2025

Wir stehen am Abgrund. Die Populisten sind gekommen, um zu bleiben. Und die freiheitliche Demokratie können wir nur selbst retten: Es war ein knackiger und inhaltsstarker Abend, an dem Dr. Hans Bellstedt rund 90 Unternehmerinnen und Unternehmer mit scharfsinnigem Blick im Aachener Capitol Lounge Kino eine Analyse der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation lieferte. Seine Diagnose stützte sich auf alarmierende Signale: schwaches Wirtschaftswachstum, steigende Arbeitslosigkeit, demographische Schrumpfung, wachsende Staatsschulden, beschleunigte Erderwärmung und geopolitische Spannungen. Zudem leben nur noch 42,5 Prozent der Weltbevölkerung in Demokratien.

Der 9. Unternehmerdialog des Bistums Aachen sorgte für einen offenen und ernsthaften Austausch über die Gefährdung unseres freiheitlichen demokratischen Systems. 

Ermöglichung statt Reglementierung

Generalvikar Jan Nienkerke betonte, dass die Katholische Kirche im Bistum Aachen ein unverzichtbarer Player in der Zivilgesellschaft sei: „Wir wollen nicht am Rande stehen, sondern mittendrin im gesellschaftlichen Raum, dort wo es um die großen Fragen unserer Zeit geht.“ Er belebte die Rolle der katholischen Soziallehre, die die Prinzipien Eigenverantwortung, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellt. „Solidarität bedeutet, dass wir für die Schwachen einstehen, dass wir Diakonie – praktische Nächstenliebe – als Kern unserer Mission verstehen.“ Nienkerke sprach auch über den Transformationsprozess im Bistum Aachen: „Wir wollen Hürden abbauen. Wir wollen die Kraft des kirchlichen Angebotes vor Ort unterstützen – nicht reglementieren, sondern ermöglichen.“ Freiheit sei dabei ein zentrales Prinzip: „Ordnung ist nicht das Gegenteil von Freiheit, sondern ihre Voraussetzung.“ Er hob hervor, dass eine funktionierende Wirtschaft die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt sei: „Arbeit ermöglicht Teilhabe in der Gesellschaft. Arbeit ermöglicht gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne eine funktionierende Wirtschaft gibt es keine Solidarität.“

Diese Ansicht unterstützte der Hauptreferent Dr. Hans Bellstedt ausdrücklich, indem er als Voraussetzung für die Verteidigung und das Einstehen für eine offene und pluralistische Gesellschaft neben einer starken Wirtschaft (als bester Garant gegen ein Abdriften ins Autoritäre) auch eine breit angelegte Bildung und die Fähigkeit zu einem zivilisierten Dialog anführte.

Gekommen, um zu bleiben 

Trotz dieser Maßnahmen machte Bellstedt deutlich: „Die großen Vereinfacher sind gekommen, um zu bleiben.“ Der Politikberater zeigte auf, wie Populisten in vielen europäischen Ländern und darüber hinaus an Einfluss gewinnen, während die Mitte zunehmend in die Defensive gerät. Als wichtigste Ursachen nannte er neben „Veränderungserschöpfung“ und Verlustängsten ein kontinuierlich sinkendes Vertrauen in den Staat. Populisten würden diese Verunsicherung nutzen, indem sie scheinbar einfache Lösungen anböten und die Sehnsucht nach einem „starken Mann“ schürten. Bellstedt warnte eindringlich vor der Gefahr, dass Populismus in Autoritarismus umschlägt.

Am Ende des Abends blieb die Erkenntnis, dass die Kirche in Zeiten der Unsicherheit Halt und Orientierung bieten kann. Sie ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um Werte zu teilen und sich gegenseitig zu stärken. „Dieses Lagerfeuer sollten wir am Glühen halten“, unterstrich Dr. Hans Bellstedt.

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So war der Unternehmerdialog 2023

Der 8. Unternehmerdialog in Aachen widmete sich dem Thema „Die stille Revolution – Führen mit Sinn und Menschlichkeit“. Bodo Janssen, CEO von Upstalsboom, vermittelte eindrucksvoll, wie wertschätzende Führung den Erfolg eines Unternehmens nachhaltig sichern kann.

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Bodo Janssen erklärt, dass eine authentische Führungskultur in Krisenzeiten von entscheidender Bedeutung ist. „Wichtig ist, die Realität zu erkennen, anerkennen, was ist, und bekennen, dass Krise einen Wandel initiieren kann“, so Janssen weiter. Besonders hervorhob er die Bedeutung der Mitarbeiter als „das wirklich entscheidende, aktive Kapital“. Wenn sie mit ihren Werten, Kompetenzen und Ressourcen aktiv eingebunden sind, könne das Unternehmen erfolgreich durch turbulente Zeiten navigieren. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter abends aufrechter gehen als morgens. Wir wollen Menschen in die Resilienz führen. Wir wollen sie stärken und Menschen entwickeln, die Zeiten, wie diesen, entgegenstehen“, erklärte er.

Im Einklang mit den eigenen Werten handeln

Olaf Korr, Geschäftsführer von KORR Tischlerhandwerk, berichtete, wie er den Upstalsboom-Weg auch im Mittelstand erfolgreich umsetzt: „Ist das, was ich mache, das, was ich im Herzen fühle? Genauso will ich mein Unternehmen führen.“ Korr unterstrich. „Ich habe geniale Mitarbeiter, die wissen mehr als ich. Ich will nicht alles wissen, sondern wir können alles gemeinsam lösen.“

Der Dialog stieß auf großes Interesse, was nicht nur an der hohen Teilnehmerzahl von 120 Personen lag, sondern auch an der regen Diskussion und den vielen Fragen, die die Veranstaltung nach sich zog. Der 8. Unternehmerdialog setzte ein starkes Zeichen für eine Führungskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nachhaltigen Erfolg durch Werte und Resilienz anstrebt.

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