Wie glaubt die Jugend im Bistum Aachen?

In Verbänden, Gemeinden und an anderen Orten von Kirche leben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihren Glauben – eine kleine Umfrage der KirchenZeitung zeigt Beispiele

Eine Umfrage zeigt, wie junge Menschen im Bistum Aachen glauben (c) www.pixabay.com
Eine Umfrage zeigt, wie junge Menschen im Bistum Aachen glauben
30. Juli 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 31/2019 | Ann-Katrin Roscheck

„Nur, weil wir in der Kirche nicht mehr in der ersten Reihe sitzen, heißt das nicht, dass uns der Glaube nicht leitet und wichtig ist“, sagt Lukas Offermann energisch. „Ich erlebe täglich viele Jugendliche und junge Menschen, die sich für die Institution Kirche engagieren, die ihren Glauben aktiv ausleben und die kirchlichen Werte in die Gesellschaft tragen.“

Lukas Offermann ist Mitarbeiter der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), einem von elf selbstständigen katholischen Kinder- und Jugendverbänden, die sich unter dem Dach des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Aachen zusammenfinden. Allein in diesen elf Verbänden engagieren sich mehr als 42000 Kinder und Jugendliche bistumsweit. Sie betreiben Brauchtumspflege in der Schützenjugend, setzen sich für Ökologie in den Pfadfinderschaften oder der Katholischen Landjugendbewegung ein, sie erleben Gemeinschaft in den Deutschen Jugendkraft-Sportverbänden, sie leisten Freiwilligenarbeit bei den Maltesern oder sie versuchen, durch Bildungsarbeit unter dem Leitsatz von Adolph Kolping etwas zu bewegen.

Zusätzlich besuchen etliche junge Menschen zwischen Aachen und Nörvenich sowie zwischen Kempen und Dahlem Gruppen in den unterschiedlichen Gemeinden, nehmen an der Jugendkirche in zum Beispiel Hückelhoven, in der Eifel, in Erkelenz, Jülich oder Düren teil oder finden in Kommunionsgruppen und Firmvorbereitungen ihren Glaubensraum. „Der Jugend wird oft nachgesagt, dass sie sich keine Meinung bildet und nicht für Dinge einsteht, dass sie verdrossen ist“, erklärt der CAJ-Mitarbeiter weiter. „Aber gerade im kirchlichen Raum finden wir junge Menschen, die für ihre Meinung einstehen und sich darüber hinaus sozial und politisch engagieren.“

Die CAJ ist aufgrund ihrer Ausrichtung dafür Vorreiter: 1925 von Joseph Cardinal Cardijn als Selbsthilfeorganisation junger Arbeiter gegründet, organisieren sich heute hauptsächlich Jugendliche zwischen zwölf und 26 Jahren, die kurz vor oder bald im Arbeitsleben stehen. Der Jugendverband bietet nicht nur unterschiedliche Freizeitgruppen an, sondern versucht die jungen Menschen beim Übergang in das Berufsleben zu unterstützen. Dafür stellt politische und geistliche Bildung die Weichen.

In der CAJ bietet ein Jahresmotto die Grundlage, unterschiedliche Aktionen durchzuführen: „Der freie Sonntag“ beschäftigt die Ortsgruppen in diesem Jahr. Sie spielen Gerichtsverhandlungen nach, besprechen biblische Bilder und versuchen, neue Ansätze zu finden. Durch das aktive Auseinandersetzen mit politischen und kirchlichen Themen erlernen sie Solidarität, sie werden toleranter, entwickeln einen Weitblick und überdenken ihre Rollenbilder, beschreibt Offermanns. „In vielen anderen Bereichen der Kirche gehen die Jugendlichen mit ihrer Meinung unter“, ist sich der CAJ-Mitarbeiter sicher. „In der aktiven Jugendarbeit geben wir ihnen und ihrer Meinung Raum. Wir machen Kirche für sie alltagstauglich.“

 

Lukas Offermann,

„Für mich ist der Glaube ein feststehendes Element in meinem Leben. Er gibt mir die Möglichkeit, die Botschaft Jesu Christi auf unterschiedliche Felder meines Lebens auszuweiten. Er bestärkt mich, dass Werte wie Nächstenliebe und Solidarität auch in politischen Angelegenheiten gehört werden sollen.“

Christliche Arbeiterjugend (CAJ) Diözesanverband Aachen, 34 Jahre

 

Lucia,

„Ich glaube daran, dass Gott mir hilft, meinen Weg gut weiter zu gehen, und dass er mich liebt. Ich glaube daran, dass er mir hilft, meine Wut und Trauer in meinem Inneren an einen guten Ort zu legen und trotzdem fröhlich in der Welt zu sein.“

regelmäßige Besucherin des rollenden Jugendtreffs „Big Bass“ des Kirchengemeindeverbands Brüggen / Niederkrüchten, 11 Jahre

 

Sara Fuccio,

„Der Glaube an Gott gehört zu meiner Lebenseinstellung und ist ein wichtiger Teil von mir. Für mich bestimmt er den Kern des Alltags. Die Beziehung zu Gott finde ich im Gebet oder dann, wenn ich Wunder erfahre und sehe, was Gott alles geschaffen hat. Zum Beispiel uns Menschen und die wunderschöne Natur.“

Katechetin in der Pfarre Maria Frieden in Krefeld, 21 Jahre

 

Jens,

„Ich glaube nicht an einen Gott, sondern, dass es eine positive Kraft gibt, die uns zeigt, wie wir in Liebe auf dieser Welt leben sollen.“

regelmäßiger Besucher des rollenden Jugendtreffs „Big Bass“ des Kirchengemeindeverbands Brüggen / Niederkrüchten, 17 Jahre

 

Jessica,

„Für mich bedeutet Glauben, dass ich weiß, dass ich nicht alleine bin, und egal, was ich durchmachen muss, ich habe immer jemanden bei mir.“

Teilnehmerin der Ferienfahrten von St. Michael in Schwalmtal, 14 Jahre

 

Cansu,

„Glaube bedeutet für mich, an etwas zu glauben, was ich nicht sehen kann und was nicht direkt da ist, aber mir innerlich das Gefühl gibt, beschützt zu sein. Und die Hoffnung, dass alles irgendwie gut wird.“

Messdienerin in der Kapelle des Bethanien-Kinderdorfes in Schwalmtal, 12 Jahre

 

Marina Helzle,

„Als Pfadfinderin glaube ich daran, dass Gott uns in diese Welt gesetzt hat, damit wir die Welt ein Stückchen besser verlassen, als wir sie vorgefunden haben (frei nach dem Gründer der Pfadfinderbewegung Robert Baden Powell). Entsprechend will ich mich gegen Rassismus, Homophobie sowie jegliche Form der Diskriminierung und für eine friedliche und geschlechtergerechte Welt einsetzen. Ich glaube daran, dass viele in meiner Gemeinde diesen Willen teilen. Jedoch muss auch innerhalb der katholischen Kirche weiter dafür gekämpft werden, damit wir Kindern und Jugendlichen eine Zukunft bieten können, in der sie sich frei entfalten können.

Mitglied in der Pfadfinderinnenschaft St. Georg Aachen, 35 Jahre

 

Alöna,

„Ich kann Gott alles erzählen und er schützt mich. Und wenn mir auch einiges nicht gelungen ist oder es mir schlecht geht, versteht Gott mich“

Teilnehmerin der Ferienfahrten von St. Michael in Schwalmtal, 12 Jahre

 

Ariane Schenk,

„Ich bin ökumenisch aufgewachsen und die christlichen Werte prägten und prägen meinen Alltag, Gespräche und Erziehung. Als Christin fühle ich mich überall zu Hause. Auch Gespräche über andere Glaubensrichtungen oder Einstellungen scheue ich nicht und freue mich immer, etwas Neues zu erfahren. Da ich momentan durch mein Studium eingebunden bin, komme ich selten dazu, aktiv in kirchlichen Gemeinden mitzuarbeiten, trotzdem sind Gott und mein Glaube etwa durch Gebete allgegenwärtig. Ich halte es frei nach Albert Schweizer: Mein Glaube und Christsein gehen über den Kirchenbesuch hinaus.“

Pfarrei Heilig Geist in Jülich, 21 Jahre

 

Paula Heckt,

„Für mich ist Kirche ein Ort der Gemeinschaft, eine Möglichkeit, gemeinsam Dinge zu bewegen und sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Ort, an dem Begeisterung gelebt und weitergegeben wird. Allerdings benötigt sie, um weiterhin für viele Menschen dieser Ort sein zu können, meiner Meinung nach einen Wandel.“

Christliche Arbeiterjugend (CAJ) Diözesanverband Aachen, 18 Jahre

 

Sofia Bratschke,

„Glaube ist für mich Gemeinschaft, zum Beispiel als Messdienerin sonntags in der Kirche. Ich schöpfe aus dem Glauben Kraft für Alltagssituationen. Ich bin katholisch erzogen worden und Glaube gehört für mich fest zu meinem Leben dazu.“

Messdienerin in der Gemeinde St. Clemens in Krefeld, 18 Jahre

 

Philipp Wallrath,

„Für mich macht die Gemeinschaft den Glauben aus. Und das Gefühl, dass da irgendetwas ist. Ein Leben ohne den Glauben kann ich mir nicht vorstellen und das wäre auch irgendwie ziemlich trostlos.“

Katechet in der Pfarre Maria Frieden in Krefeld, 19 Jahre

 

Ann-Katrin Roscheck,

„Ich glaube daran, dass Gott die Hand ist, die mich leitet. Er gibt mir die Sicherheit, mich auszuprobieren, neue Wege zu wählen und mich auch auf diesen wieder zu verlaufen. Für mich ist er ein Mutmacher, ein Angstnehmer und das Netz, das mich hält, wenn ich vom Weg abkomme.“

freiberufliche Journalistin der KirchenZeitung im Bistum Aachen, 28 Jahre

 

Mary Ann,

„Glaube ist für mich, füreinander da zu sein, einander zu helfen und für Menschen, denen es nicht so gut geht, da zu sein.“

Messdienerin in der Kapelle des Bethanien Kinderdorfes in Schwalmtal, 14 Jahre

 

Berenike Zilgens,

„Gott bedeutet für mich Begleitung auf meinem Lebensweg. Ich bin der Ansicht, dass ich jede Entscheidung, die ich treffe, aus einem bestimmten Grund fälle. Manchmal erfahre ich den Grund schnell, aber manchmal eröffnet er sich auch erst zu einem Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr mit dem Grund gerechnet hätte. Häufig erkenne ich den Grund für meine Entscheidungen, wenn sich schöne Begegnungen mit netten Menschen ergeben. Noch besser ist es dann, wenn aus den Begegnungen tolle Freundschaften entstehen. In solchen Freundschaften, wenn ich dann Zusammenhalt, Vertrauen und Liebe spüre, fühle ich mich erfüllt. Ist das der Heilige Geist?“

Mitglied in der Pfadfinderinnenschaft St. Georg Aachen, 20 Jahre