Heute am Heiligen Abend

Herde (c) Jim Wanderscheid In: Pfarrbriefservice.de
Herde
Datum:
24. Dezember 2020
Von:
Michael Marx - Geistliche Begleitung im Heute bei dir Prozess

„Stille Nacht, heilige Nacht“ wird in diesem Jahr höchstens zu Hause gesungen, leider nicht in unseren Kirchen. Still ist es geworden in unserem Leben. Die Covid-19-Pandemie hat uns in vielem einen Vollstopp verordnet, gewollt oder nicht. Wir müssen lernen damit umzugehen.

Vielleicht wird es in diesem Jahr für viele von uns wirklich eine stille Nacht. Mit dieser ungewollten Stille umzugehen ist nicht immer einfach, gerade dann nicht wenn wir es nicht wollen und gewohnt sind.

Doch wie still ist die heilige Nacht wirklich gewesen?

Ein neugeborenes Kind bringt Unruhe mit sich. Maria und Josef sind vor neue Herausforderungen gestellt. Und sie bekommen in ihrer provisorischen Bleibe Besuch. Hirten kommen zu ihnen von ihrer Herde. Sie haben Nachtwache gehalten und kommen vielleicht aus einer stillen Nacht. Doch auch die ist durchbrochen worden. Erst ein Engel, dann ein ganzes himmlisches Heer bringen Unruhe und einen großen Geräuschpegel in ihr Leben.

Die ruhige Nacht ist dahin. Doch nicht grundlos, es gibt einen Grund dafür. Die Botschaft des Engels lautet: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.“ Sie lässt die Hirten nicht unbeeindruckt. Der Engel als Bote Gottes durchbricht ihre Planung und Hoffnung auf eine ruhige Nachtwache. Wenn der lange erwartete und ersehnte Retter endlich geboren ist, dann müssen sie jetzt los. Sie machen sich mit ihrer Herde auf den Weg, um nachzusehen, ob die Botschaft wirklich stimmt. Ihre Erwartungen werden nicht enttäuscht und sie preisen aus tiefstem Herzen Gott und sein Wirken.

Heute passiert das auf andere Art und Weise, aber doch sehr ähnlich. Nicht irgendwann und irgendwo wird Gottes Wirken bei uns Menschen erkennbar. Heute ist es. Mitten unter uns.

Um dies in unserer Zeit auch zu erkennen, brauchen wir ähnliche Rahmenbedingungen wie die Hirten. Wir brauchen auf der einen Seite immer wieder stille oder ruhige Momente in unserem Leben, um hinhören zu können. Gott kann mit seiner Botschaft so dann bei uns ankommen, so wie es die Engel bei den Hirten getan haben. Und es ist ein Aufbrechen aus dem Gewohnten heraus. Gottes Botschaft, Gottes Menschwerdung kann einen nicht kalt lassen. Von dem Mut und der Hoffnung der Hirten dürfen wir uns anstecken lassen. Nicht versagt und ruhig auf dem Feld bleiben, sondern aufmachen zu Krippe hin. Nicht irgendwann, wenn es uns passt, sondern heute!