Themen des „Heute bei dir"-Prozesses treffen den Nerv der Menschen

Bistum Aachen stellt Auswertung der „Heute bei dir"-Tour vor

meetandeat Jülich (c) Bistum Aachen / Andreas Steindl
meetandeat Jülich
24. August 2018
iba
Aachen, (iba) – Mit dem synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozess „Heute bei dir", den Bischof Dr. Helmut Dieser in seiner Silvesterpredigt 2017 angekündigt hat, will der Aachener Bischof den Menschen die Kirche wieder näher bringen.

In verschiedenen Phasen, Gruppen und Foren sollen bis zum Jahr 2021 Meinungen und Vorschläge von Menschen aus dem gesamten Bistum gesammelt werden. Die zentralen Fragen hierbei sind: Wie kann die Kirche im 21. Jahrhundert zukunftsfähig und lebendig ihren Auftrag erfüllen? Wie müssen wir uns verändern, was gilt es zu bewahren? Wie muss sich Kirche verändern, um den gesellschaftlichen Veränderungen weiterhin gerecht zu werden?

In der ersten Phase von „Heute bei dir" sammelten Bischof Dr. Helmut Dieser, die Weihbischöfe Karl Borsch und Dr. Johannes Bündgens sowie Generalvikar Dr. Andreas Frick Impulse und Feedback. Dafür kamen sie mit Menschen an deren Küchentischen oder bei den meet & eat-Veranstaltungen an besonderen Orten beim gemeinsamen Essen ins Gespräch. An insgesamt 50 Küchentischen und den acht meet & eat-Veranstaltungen, verteilt auf das gesamte Bistum, sprachen sie mit 2000 Menschen über Kirche und Glauben. Hierbei wurden insgesamt 3.400 Einzelaussagen festgehalten und ausgewertet.

Themenauswahl deckt sich mit den Anliegen der Menschen

„Die Resonanz der Gespräche, die wir bei den meet & eat-Veranstaltungen und an den Küchentischen geführt haben, zeigt, dass die Themenauswahl von 'Heute bei dir' sich mit den Anliegen der Menschen decken und wir den Nerv treffen", betont Dr. Andreas Frick, Generalvikar des Bistums Aachen. „Jede einzelne Aussage ist für uns wertvoll und wird den Teilprozessgruppen zur Verfügung gestellt. Damit fließen die Ergebnisse der 'Heute bei dir'-Tour ungefiltert in den weiteren Prozess ein", versichert der Generalvikar.

Die Auswertung der 3.400 Einzelaussagen zeigt, dass den Menschen insbesondere folgende Themen am Herzen liegen, die sich den Handlungsfeldern des „Heute bei dir"-Prozesses zuordnen lassen: „Gottesdienst und Gebet", „Begleitung von Menschen" und „Charismenorientierung". Sie alle stehen unter der Überschrift des Handlungsfelds 1 „Den Glauben leben". Während Handlungsfeld 2 des „Heute bei dir"-Prozesses „Den Menschen dienen" weniger im Fokus steht, gehört auch das dritte Handlungsfeld „Jesus überall begegnen" zu den Topthemen.

Die zehn Topthemen

1. Am meisten wurde die Gestaltung von Gottesdiensten thematisiert. Hier wünschen sich die Menschen mehr Kreativität bei den Messfeiern - mit lebensnahen Predigten und moderner Musik als Abwechslung zu Orgelmusik und Gotteslob.

2.Unter der Überschrift „Bedürfnisse auf dem Glaubensweg" steht der Wunsch nach einer „Geh-hin-Kirche". Hierbei steht eine Sehnsucht nach Spiritualität im Fokus, verbunden mit der Möglichkeit, persönliche Glaubens- und Sinnfragen zu besprechen.

3. Fast gleichauf zum zweiten Topthema ist die Nennung der Schlagworte „Jugendliche" und „junge Erwachsene". Hervorgehoben wird immer wieder, dass es mehr passende Angebote geben müsse. Im Vordergrund stehen Gemeinschaft, die persönliche Beziehung, Austausch über Themen, die für Jugendliche relevant sind, aber auch Spaß und Erlebnis.

4. Eine große Bedeutung wird dem Religionsunterricht beigemessen: Dieser sei oft der einzige Ort, an dem Jugendliche mit den Themen Religion und christliche Werte in Kontakt kommen.

5. Kirche findet nicht nur im Kirchgebäude statt, sondern an ganz vielen anderen Orten. Diese Ansicht teilen viele Gesprächspartner der „Heute bei dir"-Tour. Am häufigsten wird hier die Präsenz der Kirche in den sozialen Medien und im Internet thematisiert. Vorgeschlagen werden zum Beispiel Online-Gemeinden per Skype.

6. In Bezug auf Priester besteht der Wunsch, dass diese sich stärker auf die Seelsorge fokussieren und mehr Zeit für die Menschen haben können. Erreicht werden solle dies durch eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben.

7. Deutlich wurde immer wieder, dass die Kirche nicht alle Zielgruppen erreiche. So gäbe es vielfach kaum Angebote für Menschen im Alter zwischen 15 bis 30 Jahren und 40 bis 60 Jahren. Das Angebotsspektrum müsse hier geschärft werden, so die vielfache Forderung.

8. Oft thematisiert wurde auch die Bedeutung des Ehrenamtes, verbunden mit dem Wunsch einer stärkeren Wertschätzung. Auch wurde der Bedarf an Aus- und Weiterbildung angemeldet.

9. Die Familie sei ein zentraler Ort der Glaubensvermittlung. Bedeutsam sei die Vorbereitung auf die Ehe. Auch Angebote zur Begleitung von Ehepaaren seien wichtig. Darüber hinaus wird gefordert, dass Geschiedene sich wiederverheiraten können und dass in konfessionsverbindenden Ehen auch der Ehepartner an der Kommunion teilnehmen kann. Kritisiert wird der Umgang der Kirche mit dem Thema Homosexualität.

10. Bei den Formen des Gottesdienstes wurde oft der Wunsch nach Abwechslung genannt. Insbesondere Jugendliche wünschten sich stimmungsvoll gestaltete, spirituelle Angebote, die sie durch moderne Musik oder Poetryslams ansprechen.

Erster Meilenstein im „Heute bei dir"-Prozess war erfolgreich

„Ausdrücklich bedanke ich mich bei all denen, die bis hierher den 'Heute bei dir'-Prozess begleitet haben, mit ihrer Leidenschaft, ihren Erfahrungen und ihren Ideen, die sie uns in den vielen Gesprächen mitgeteilt haben", sagt Generalvikar Dr. Andreas Frick. „Die großartige Beteiligung zeigt, dass uns allen unsere Kirche nicht gleichgültig ist. Unser Interesse ist es, dass die Botschaft unseres Glaubens möglichst viele erreicht. Dafür brauchen wir auch weiterhin Ihre Mitarbeit und Beteiligung." Die „Heute bei dir"-Tour sei der erste, erfolgreiche Meilenstein des synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozesses.

Weiter geht es mit den drei Themenforen, zu denen sich jeder anmelden kann, egal, ob er der Kirche nahe steht, sich von ihr entfernt hat oder gar keine oder noch gar keine Berührung mit ihr hatte. Die Themenforen setzen die inhaltlichen Leitplanken für die einzelnen Teilprozessgruppen, die bis Mitte des kommenden Jahres jeweils an den einzelnen Themen arbeiten.

Drei Themenforen sind inhaltlich getrennt

Am 10. November in Viersen (Bischöfliches Albertus-Magnus-Gymnasium) wird das Handlungsfeld 1 des „Heute bei dir"-Prozesses besprochen, „Den Glauben leben". Dort geht es um Themen wie Gottesdienste und Gebet, die Begleitung in Ehe und Familie oder die Begleitung von Menschen auf ihrem Glaubensweg.

Am 17. November in Aachen (Aachen-Münchener Verwaltungsgebäude) steht das Handlungsfeld 2 im Mittelpunkt, „Den Menschen dienen". Themen wie Nächstenliebe, katholische Verbände, verbandliche Caritas oder kategoriale Seelsorgefelder stehen dabei zur Diskussion.

Am 24. November in Krefeld (Bischöfliche Maria-Montessori-Gesamtschule) heißt es beim Handlungsfeld 3 „Jesus überall begegnen". Beispielsweise Kindertagesstätten, Schulen und Jugendeinrichtungen stehen dort als Orte von Kirche auf dem Programm.
Weitere Informationen zum „Heute bei dir"-Prozess gibt es unter www.heute-bei-dir.de

Zum Hintergrund:

„Heute bei dir" ist der synodale Gesprächs- und Veränderungsprozess im Bistum Aachen, den Bischof Dr. Helmut Dieser in seiner Silvesterpredigt 2017 ausgerufen hat. In verschiedenen Phasen, Gruppen und Foren sollen bis zum Jahr 2021 Meinungen und Vorschläge von Menschen aus dem gesamten Bistum gesammelt werden: Wie muss sich Kirche verändern, um den gesellschaftlichen Veränderungen weiterhin gerecht zu werden? Damit wird ein Anliegen von Papst Franziskus umgesetzt. In seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium" ruft er zur Erneuerung der katholischen Kirche auf. (iba/Na 059)