Berichte der Teilprozessgruppen

Teilprozessgruppen (c) Bistum Aachen - Andreas Steindl

Weit über hundert Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen haben sich zwischen Ende 2018 und Herbst 2019 in 13 Teilprozessgruppen engagiert: Wie ist der Stand ihrer Themen im Bistum Aachen? Was gibt es schon an Projekten, Initiativen oder Ideen? Was hat sich in der katholischen Kirche bewährt? Was muss sich verändern? Die Erkenntnisse aus der ersten Prozessphase „Wir wollen reden“ haben die Teilprozessgruppen, die dafür auch mit Experten gesprochen haben und Umfragen nutzen konnten, in ihren Abschlussberichten zusammengefasst. Diese Abschlussberichte wurden in Eigenverantwortung der Teilprozessgruppen erstellt, haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegeln ausschließlich deren Recherche, Erkenntnisse und Meinungen wider. Auch auf Grundlage dieser Berichte wird die zweite Phase des Prozesses „Wir wollen uns verändern“ 2020 gestaltet. 

 

„Was ist Gebet?“ und „Wie feiert man einen guten Gottesdienst?“ Keine einfachen Fragen, der die Teilprozessgruppe 1.1 nachgegangen ist. Ist in diesem Bereich überhaupt eine objektive Antwort möglich? Oder deutet es eher auf eine große Vielfalt hin? Neben diesen Themen hat sich die Gruppe mit zahlreichen weiteren Themen rund um „Gottesdienst und Gebet“ beschäftigt, wie z.B. der Musik im Gottesdienst, einer Willkommenskultur oder den verschiedenen Rollen im Gottesdienst. Insgesamt werden in diesem Abschlussbericht 11 Teilthemen behandelt.

Bericht

„Begleitung von Menschen auf dem Glaubensweg“ - wer macht das eigentlich? Wo überall findet das statt? Wie kann das heute gehen? Wo stoßen kirchliche Wege und Strukturen an Grenzen? Dieses vielfältige Feld von der Sakramentenvorbereitung einerseits und der Begleitung in diversen Lebenssituationen andererseits hat die TPG 1.2 in den Blick genommen. Ihr Kernstück war die Auswertung eines Fragebogens, der an alle pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen versandt wurde. Dabei konnte ein Überblick aus der Praxis der territorialen Pastoral und zum Teil auch aus der kategorialen, einrichtungsbezogenen Seelsorge gewonnen und einige grundlegende Fragen für dieses Thema zusammengestellt werden. Spannend ist die Definition der Teilprozessgruppe zur Frage „Was ist der Glaubensweg eines Menschen?“, bei dem sie die Autonomie und Freiheit jedes Einzelnen als Grundlage sieht. Welche kirchlichen Angebote sind zurzeit daraufhin ausgerichtet, dass in der pastoralen Begleitung die Lebenswirklichkeit der Menschen eine entscheidende Rolle spielt? Entscheidet sich daran die Relevanz von Glaube und Kirche für viele Menschen heute?

Bericht

Die Familie gilt als Keimzelle für Kirche und Gesellschaft. Aber Familie wird heute in sehr verschiedenen Lebensmodellen und -formen sichtbar. Hat die Kirche diese noch im Blick und bietet sie eine entsprechende Begleitung an? U.a. mit dieser Frage beschäftigte sich die Teilprozessgruppe 1.3. Nimmt die Kirche Menschen vielleicht zunehmend nur als Familie mit Kindern wahr oder auch in ihrer Beziehung zu einem Partner? Daher ist auch die Beziehungspastoral ein wichtiges Element, die letztlich auch im Sakrament der Ehe münden kann. Die Vorbereitung darauf nimmt die Teilprozessgruppe besonders in den Blick: Gelingt es der Kirche, Menschen gut vorzubereiten und auch langfristig zu begleiten – in guten wie in schweren Tagen?

Bericht

„Was ist ein Charisma? Von welcher Definition gehen wir dabei aus?“ Mit einer Definition, die nicht nur den theologischen Aspekt, sondern auch die soziologische Bedeutung aufgriff, ging die Gruppe auf Entdeckungstour durch das Bistum Aachen und weit darüber hinaus. Sie erkundete u.a. in Best-practice-Beispielen, ob und wie Charismenorientierung in Gemeinden und Initiativen verankert ist. Was kann das Bistum Aachen noch beim Finden und der Förderung von Charismen lernen? Wer weiß, dass der Charismengewinnung besonders effizient beim „Trüffelschwein“ oder beim „Talent scouting“ nachgegangen werden kann … oder in einer „Frischzelle“? Und welche Bedeutung hat die Berufungspastoral für den einzelnen Menschen und für die Zukunft einer Gemeinschaft? Charismenorientierung ist eine Grundhaltung und hat Gestaltungskraft für die Zukunft von Kirche. Sie ermöglicht eine Kommunikation auf Augenhöhe und Innovation. Eine Frage für alle, die Verantwortung in kirchlichen Strukturen tragen, lautet: „Ermögliche oder verhindere ich die Entfaltung von Charismen?“

Bericht

Ein synodaler Gesprächs- und Veränderungsprozess wäre ohne gelingenden Dialog undenkbar. Zu diesem Schluss ist auch die Teilprozessgruppe 1.5 gekommen und hat sich in ihrer Arbeit mit verschiedenen Arten des Dialoges beschäftigt. Ausgangspunkt für jeden christlichen Dialog ist Gott selbst und muss von Ehrlichkeit, Respekt und Liebe geprägt sein. Welche „Kultur des Dialogs“ empfiehlt die Gruppe der Kirche im Bistum Aachen?

Als Kirche ist uns auch am Dialog zu anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften gelegen, den wir in der Ökumene pflegen. Wie steht es aber derzeit um den ökumenischen Dialog? Sind Worten, wie ökumenischen Gemeindevereinbarungen, auch schon konkrete Taten gefolgt? Und wird daran unsere gemeinsame Sendung in dieser Welt deutlich?

In unserer pluralen Gesellschaft stehen wir aber schließlich auch im Austausch mit nicht-christlichen Religionen und Weltanschauungen. Finden wir den richtigen Ton im Dialog mit ihnen, um einen Beitrag zum Frieden in der Welt zu leisten?

Bericht

Kirchliches Leben vollzieht sich klassisch in den drei „Grundvollzügen“ Martyria, Liturgia und Diakonia. Auf deutsch etwa: Zeugnis ablegen für die Frohe Botschaft, Liturgie feiern und praktische Nächstenliebe. Die Teilprozessgruppe „Nächstenliebe in der Gemeinde“ hat sich mit der Frage beschäftigt, ob in unseren Gemeinden diese drei Grundvollzüge gleichberechtigte Schwerpunkte sind. Welcher Grundvollzug bestimmt unser gemeindliches Leben? Welche aktuellen Aufgaben binden personelle und finanzielle Ressourcen? Hat Kirche im Jahr 2019 die Sorgen und Nöte der Menschen im Blick? Das Ganze vor der Herausforderung, dass hauptamtliches und priesterliches Personal immer seltener wird, Gemeindestrukturen sich bewusst oder unbewusst verändern und sich immer weniger Menschen mit ihrer Heimatgemeinde identifizieren. Wie kann zukünftig also sichergestellt werden, dass Kirche trotzdem „nah genug dran“ bleibt? Und wer ist das, die Kirche, die Gemeinde?

Bericht

Nachdem im frühen Christentum der „Liebesdienst“ am notleidenden Menschen (Caritas) noch originär zum Christsein dazu gehörte, entwickelten sich im Laufe der Zeit immer professionellere Ansätze, zunächst in den Ordensgemeinschaften. Seit 1916 gibt es den Deutschen Caritasverband, als die von den Bischöfen anerkannte Organisationsform der Caritas in Deutschland. Im Bistum Aachen gibt es den diözesanen Caritasverband, mit sieben Regionalverbänden, 23 Fachverbänden und insgesamt 32.000 hauptberuflich Tätigen in 120 eigenständigen Rechtsträgern. Die Caritas und ihr Logo, das flammende Kreuz, sind vielen Menschen bekannt, ihre Angebote gerade im Pflege- und Altenbereich hochgeschätzt.

Doch immer weniger Menschen verbinden mit der Caritas automatisch die katholische Kirche.

Es scheint oft, als ob zwei eigenständige Systeme nebeneinander existieren, die doch stark aufeinander verwiesen sind. Die Teilprozessgruppe beschäftigte sich daher mit der Frage, wie Brücken geschlagen werden können und wie der wertvolle Dienst der Caritas für die Menschen im Bistum Aachen auch zukünftig nicht nur finanziell gesichert werden kann. Kardinal Marx wird im Abschlussbericht der Teilprozessgruppe wie folgt zitiert: „Caritas zeigt, wie Kirche sein sollte und sein kann. Die Armen und Notleidenden bestimmen die Tagesordnung und Agenda von Kirche.“

Bericht

Viele Menschen wissen nicht, dass es im Bistum Aachen über 40 verschiedene katholische Verbände gibt. 21% davon sind Kinder- und Jugendverbände, es gibt aber auch Verbände für Erwachsene. Was macht einen katholischen Verband aus? Und warum gibt es so viele verschiedene? Wie bekannt sind die unterschiedlichen Verbände? Wissen „normale“ Pfarrgemeinden von den Verbänden mehr als den Namen, auch wenn diese sich z.B. wöchentlich im Pfarrheim treffen? Das Verbandsleben ist für viele der einzige Kontakt mit Kirche. Hier trifft man sich, kennt sich, tauscht sich über Lebens- und Glaubensthemen aus und erlebt Spiritualität. Ein katholischer Verband kann so zu einem „anderen Ort von Kirche“ werden, neben z.B. einer Pfarrgemeinde. Was heißt das für unsere Gemeinden, für die Sakramente der Kirche, die Qualifikation der Verantwortlichen, die Einbindung und Vernetzung, bei aller gewünschten Autonomie? Können katholische Verbände und die verfasste Kirche voneinander lernen, z.B. in Fragen der Demokratie und der Leitungsformen?

Bericht

Im Abschlussbericht der Teilprozessgruppe 2.4 geht es um nicht weniger als 30 verschiedene Kategorien der Seelsorge, die untersucht wurden. Von kategorialer Seelsorge sprechen wir, wenn sich das seelsorgliche Angebot an eine bestimmte Personengruppe richtet und in der Regel auch zeitlich befristet ist. Im konkreten ging es zum Beispiel um die Notfallseelsorge, die Krankenhausseelsorge, die Trauerseelsorge, aber auch die Hochschulseelsorge, die Internetseelsorge oder die Gefängnisseelsorge. Wie funktioniert kategoriale Seelsorge? Braucht es weitere, neue Kategorien? Werden andere irgendwann überflüssig? Aus welchen Feldern würden sich Kirche zurückziehen, wenn personell und finanziell nicht mehr alles leistbar ist? Wo braucht es zwingend hauptamtliches Personal, welche Qualifikationen und Kompetenzen brauchen Ehrenamtler? Wie sieht es mit der Krankensalbung aus, wenn es keine erreichbaren Priester mehr gibt? In den verschiedenen Kategorien dient Kirche den Menschen, ist Kirche diakonisch. Ist dies Ergänzung oder Ersatz für Gemeinden?

Bericht

Auf dem Gebiet des Bistums Aachen gibt es ein breites Netz an katholischen Kindertagesstätten. Die Teilprozessgruppe „Kindertagesstätten als Orte von Kirche“ nimmt in den Blick, wie sich deren Situation im Heute gestaltet. Wo liegen aktuell Stärken und wo liegen Herausforderungen im Arbeiten in und mit katholischen Kindertagesstätten? Wie kann es gelingen, dass Kindertagesstätten noch stärker Orte von Kirche werden und gleichzeitig auf ihren Sozialraum bezogen handeln. Was macht das besondere Profil katholischer Kindertagesstätten aus und wie sieht das aus, was an Herzensbildung in den Einrichtungen geschehen soll? In den Blick genommen werden dazu die verschiedenen Personengruppen und Akteure, die im Kontext der Kindertagesstätten eine Rolle spielen. Eine wichtiger Aspekt, der immer wieder ins Gespräch gebracht wird, ist die Verbindung zur gemeindlich-pfarrlichen Pastoral. Und welche Rolle spielt das hauptamtliche pastorale Personal in katholischen Kindertagesstätten?

Bericht

Die katholische Kirche ist in vielen Formen in zahlreichen Schulen präsent. Eigene Schulen werden vom Bistum Aachen und von anderen kirchlichen Trägern betrieben. Gleichzeitig unterrichten viele Frauen und Männer katholische Religionslehre oder sind als Schulseelsorger vor Ort. Die Teilprozessgruppe fragt danach, wie kirchliches Handeln in den Schulen gelingen kann und als solches erkennbar wird, wenn gleichzeitig die Sozialisation im katholischen Glauben bei den Beteiligten nicht mehr automatisch vorausgesetzt werden kann. Wie kann effektives Wirken von Kirche möglich sein in einem Feld, das auf Kooperation mit dem Staat angewiesen ist?

Wie kann eine sinnvolle Unterstützung für Lehrer, Schulseelsorger und Schulen kirchlicherseits aussehen? Neben allen grundsätzlichen Fragen wird an konkreten Praxisbeispielen aus dem Bistum Aachen gezeigt, wie ein zukünftiges Handeln aussehen könnte.

Bericht

Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die an anderen Punkten keine Verbindung zur katholischen Kirche haben, nutzen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. Die Teilprozessgruppe untersucht die Wirksamkeit dieses kirchlichen Handelns und zeigt auf, wo für die Zukunft mögliche Handlungsoptionen für diese Form pastoralen Arbeitens zu finden sein könnten. Exemplarisch werden die Menschen, die in den untersuchten Einrichtungen arbeiten oder diese besuchen, in ihren Lebens- uns Arbeitssituationen in den Blick genommen. Unter welchen Problemstellungen wird in Jugend- und Bildungseinrichtungen gearbeitet? Worin liegen Kriterien für ein zielführendes und gewinnbringendes Arbeiten im Kontext der Einrichtungen? Welche Rolle spielt der Rückhalt des jeweiligen Trägers für das Handeln? Wie gestaltet sich das Arbeitsfeld zwischen Marktsituation und inhaltlichem Auftrag? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Abschlussbericht der Teilprozessgruppe „Jugend- und Bildungseinrichtungen als Orte von Kirche“.

Bericht

Im Bistum Aachen wird bereits an vielen verschiedenen Orten Kirche gelebt. Diese finden sich beispielsweise in Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen. Manchmal auch an Stellen, wo man sie überhaupt nicht erwartet. Die Teilprozessgruppe „Andere Orte von Kirche“ geht der Frage nach, ob neben diesen vorhandenen Orten nicht auch nach anderen Orten von Kirche gesucht werden muss. Dabei versucht sie im Abschlussbericht Antworten auf damit verbundene Fragen zu geben: Was macht einen anderen Ort aus und wie verhält er sich zu bereits vorhandenen Orten? Wie weit kann Kirche aus dem gewohnten Handeln herausgehen, um das Evangelium noch wirksamer zu verkündigen? Welche Rolle spielen dabei auch digitale Wirklichkeiten? Welche Zeichen der Zeit können in den aktuellen gesellschaftlichen Transformationsprozessen erkannt werden und wie kann sich Kirche dazu verhalten? Wie kann letztlich eine Haltungsveränderung aussehen, die die Kirche fit für das Handeln im 21. Jahrhundert macht?

Bericht