Zum Inhalt springen

• 20 Betroffene informieren sich bei einem ersten Treffen zu den Rahmenbedingungen für die Gründung und Mitwirkung in einem Betroffenenrat des Bistums Aachen. • Aus dem Kreis der Teilnehmenden soll sich im Frühjahr 2022 der Betroffenenrat als ein selbstbestimmtes Gremium gründen können. • Der Betroffenenrat wird als Expertengremium die Arbeit des Bistums Aachen zu Aufarbeitung, Intervention und Prävention begleiten.:Auf dem Weg zu einem vertrauensvollen Miteinander

Aachen, 18. Januar 2022 – Auf dem Weg zur Gründung eines Betroffenenrates des Bistums Aachen ist ein erster Schritt getan: 20 Betroffene sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Beschäftigte im kirchlichen Dienst des Bistums Aachen sind am Samstag, 15. Januar, zu einem ersten Kennenlern- und Informationstreffen zusammengekommen. Im Mittelpunkt des Treffens stand für die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich kennenzulernen, Kontakt miteinander aufzunehmen, sich auszutauschen und Fragen zur Gründung und Mitarbeit in einem Betroffenenrat des Bistums Aachen zu stellen. Die Hoffnung war es, den nächsten Schritt zur Gründung im Frühjahr vorzubereiten. „Beim ersten Treffen gab es offene und engagierte Gespräche auf dem Weg zu einem vertrauensvollen Miteinander zwischen Betroffenen und Bistum Aachen. Für die weitere Entwicklung braucht es Zeit“, betont Helmut Keymer, Interventionsbeauftragter des Bistums Aachen.
Datum:
Di. 18. Jan. 2022
Von:
Stabsstelle Kommunikation

Eingeladen zu diesem ersten Treffen hatte eine Steuerungsgruppe, in deren Hände Bischof Dr. Helmut Dieser den Prozess für die Gründung eines selbstbestimmt arbeitenden Betroffenenrates im Bistum Aachen gelegt hat. Mitglieder der Steuerungsgruppe sind Ilka Katrin Kraugmann und Karl Haucke, die beide unter anderem Mitglieder im Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) sind, sowie die Rechtsanwältin und Mediatorin Dr. Bettina Janssen, und der Interventionsbeauftragte des Bistums Helmut Keymer.

Die Steuerungsgruppe hat für die Gründung des Betroffenenrates und zur Unterstützung der Betroffenen seit Oktober 2021 einen Vorschlag für erste ‚Rahmenbedingungen‘ erarbeitet. Bischof Dieser hat diesen Vorschlag angenommen und zu einem verbindlichen Angebot des Bistums erklärt.

Der Betroffenenrat wird sich danach eine eigene Satzung geben, die die Aufgaben und die Arbeitsweise des Gremiums regelt. Bei der Entwicklung der Satzung kann geklärt werden, ob sich der Betroffenenrat mit den vorgeschlagenen Rahmenbedingungen ebenfalls einverstanden erklären kann oder ob er Änderungen für erforderlich hält. Der Vorschlag der Steuerungsgruppe sieht unter anderem folgende Punkte vor:

  • Der Betroffenenrat trägt als Impulsgeber zur Weiterentwicklung des Umgangs mit Fragen der sexualisierten Gewalt im Verantwortungsbereich des Bistums Aachen bei, indem er Stellungnahmen und Einschätzungen zu bestehenden und geplanten Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt abgibt und gemeinsam mit den jeweils zuständigen Gremien über weitere Maßnahmen berät.  
  • Er tritt in einen regelmäßigen Austausch mit Bischof Dr. Helmut Dieser, seinen Vertretern und den zuständigen Gremien. Der Betroffenenrat ist vom Bistum Aachen weisungsunabhängig und wird eine eigene Geschäftsstelle haben.
  • Dem Gremium sollen sieben Personen angehören, auch um den Mitgliedern eine Vereinsgründung zu ermöglichen.
  • Die Mitglieder sollen jeweils für drei Jahre beauftragt werden.
  • Zwei Mitglieder wird der Betroffenenrat in die Aufarbeitungskommission des Bistums Aachen entsenden.
  • Um eine selbstbestimmte Arbeit des Betroffenenrates zu ermöglichen, stellt das Bistum Aachen die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung.

Betroffene sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Beschäftigte im kirchlichen Dienst des Bistums Aachen, die bislang noch nicht beteiligt sind, können sich auch jetzt noch engagieren, Kontakt: Helmut Keymer, Tel.: 0241 / 452-890, E-Mail: helmut.keymer@bistum-aachen.de. Alle Anfragen werden vertraulich behandelt. 

Hintergrundinfo: Mitwirkende in der Steuerungsgruppe

  • Karl Haucke, Sozialpädagoge, Supervisor, Qualitätsauditor, Mitglied des Betroffenenrates beim UBSKM sowie der Betroffenen-Initiativen „Missbrauchsopfer Josephinum Redemptoristen e.V.“ und „Eckiger Tisch e.V.“; er ist Mitglied im Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen und im Steuerkreis zum Forschungsvorhaben „Betroffene - Beschuldigte - Kirchenleitung: Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück“ sowie im Fachbeirat der Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW.
  • Dr. Bettina Janssen, Rechtsanwältin, Mediatorin, Supervisorin. Autorin u.a. von „Schweigebruch – vom sexuellen Missbrauch zur institutionellen Prävention (Herder Verlag). Sie ist seit 2010 mit der Aufarbeitung von sexueller, physischer und psychischer Gewalt im institutionellen Bereich befasst.
  • Ilka Katrin Kraugmann, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Dipl.-Heilpädagogin. Sie ist selbst Betroffene (Kontext Familie) und Mitglied im Betroffenenrat beim UBSKM. In diesem Rahmen ist sie in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv, beispielsweise zur gesundheitlichen Versorgung und in der AG Forschung und Wissenschaft des Nationalen Rates gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Sie ist Mitglied des Fachbeirates der Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW.
  • Helmut Keymer, Interventionsbeauftragter im Bistum Aachen.