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Betroffene gründen ihren Betroffenenrat im Bistum Aachen

Mitte November 2021 hat eine Steuerungsgruppe – bestehend aus zwei Betroffenen aus dem Betroffenenrat der UBSKM, einer Rechtsanwältin sowie dem Interventionsbeauftragten des Bistums Aachen – rund 120 Betroffene angeschrieben und eingeladen, den Betroffenenrat mit zu gründen.

Beim 3. Treffen von Betroffenen sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Beschäftigte im Dienst des Bistums Aachen ist am Samstag, 30. April, der Betroffenenrat gegründet worden. 48 Betroffene interessierten sich für die Gründung eines Betroffenenrates. Zur Wahl stellten sich zehn Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Kreis der Betroffenen. Beim Treffen wie auch per Briefwahl konnten sieben von ihnen in den Betroffenenrat gewählt werden.  

„Im Mittelpunkt der drei Treffen im Januar, März und April dieses Jahres stand das Einanderkennenlernen, die Erarbeitung gemeinsamer Interessen und die Wahl des Betroffenenrates“, sagte der damalige Interventionsbeauftragte Helmut Keymer: „Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Betroffene sexualisierter Gewalt überhaupt der Einladung des Bistums Aachen folgen. Für dieses Engagement und Vertrauen sind wir – auch im Namen von Bischof Dr. Helmut Dieser – sehr dankbar.“

Im neu gewählten Betroffenenrat des Bistums Aachen werden sich die gewählten Betroffenen gegen sexualisierte Gewalt sowie für den Schutz der Würde und der Integrität Minderjähriger und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsene einsetzen. Der Betroffenenrat wird sich dafür engagieren, dass durch Kleriker und Beschäftigte im kirchlichen Dienst entstandenes Leid anerkannt, aufgearbeitet und angemessen entschädigt wird. Er soll kontinuierlich die Arbeit des Bistums Aachen zu Aufarbeitung, Prävention und Intervention gegen sexualisierte Gewalt begleiten. Die Themen, mit denen sich der Betroffenenrat beschäftigen wird, ergeben sich sowohl aus den Anliegen der Betroffenen wie auch aus den Fragestellungen des Bistums.

Die sieben Mitglieder des Betroffenenrates werden nun ihre Arbeit aufnehmen und sich zunächst eine eigene Geschäftsordnung geben. Sie werden mit dem Bistum Aachen Vereinbarungen treffen, die ihnen eine eigenständige und weisungsunabhängige Arbeit ermöglichen. 

Der Betroffenenrat soll kein bloßer Appendix sein, sondern ein wirklich unabhängiges Gremium, dass das Bistum Aachen in eigener Verantwortung in Aufarbeitung, Intervention und Prävention berät. Der Betroffenenrat ist vom Bistum Aachen weisungsunabhängig und wird eine eigene Geschäftsstelle haben. Die Mitglieder sind für jeweils für drei Jahre beauftragt.

Im Zuge einer konsequenten Stärkung von Intervention und Prävention setzt das Bistum auf ein Gremium, das sich in hohem Maße durch das Engagement von Betroffenen selbst zusammenfindet.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat zusammen mit dem UBSKM und Betroffenenvertretern eine Rahmenordnung (https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/deutsche-bischofskonferenz-veroeffentlicht-rahmenordnung-fuer-das-ausschreibungs-und-besetzungsverfah) erlassen, die Besetzung, Ausschreibung und die Aufwandsentschädigungen regelt. 

Bischof Dr. Helmut Dieser hat die Rahmenordnung für das Bistum Aachen in Kraft gesetzt.

Auf dem Weg zur Gründung eines Betroffenenrates des Bistums Aachen war der erste Schritt ein Kennenlern- und Informationstreffen von 20 Betroffenen sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Beschäftigte im kirchlichen Dienst des Bistums Aachen am Samstag, 15. Januar 2022. Im Mittelpunkt des Treffens stand für die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich kennenzulernen, Kontakt miteinander aufnehmen, sich auszutauschen und Fragen zur Gründung und Mitarbeit in einem Betroffenenrat des Bistums Aachen zu stellen.

Eingeladen zu diesem ersten Treffen hatte eine Steuerungsgruppe, in deren Hände Bischof Dr. Helmut Dieser den Prozess für die Gründung eines selbstbestimmt arbeitenden Betroffenenrates im Bistum Aachen gelegt hat. Mitglieder der Steuerungsgruppe waren Ilka Katrin Kraugmann und Karl Haucke, die beide u. a. Mitglieder im Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM*) sind, sowie die Rechtsanwältin und Mediatorin Dr. Bettina Janssen, und der damalige Interventionsbeauftragte des Bistums Helmut Keymer.. 

Die Steuerungsgruppe hatte für die Gründung des Betroffenenrates und zur Unterstützung der Betroffenen seit Oktober 2021 einen Vorschlag für erste Rahmenbedingungen erarbeitet. Bischof Dieser hatte diesen Vorschlag angenommen und zu einem verbindlichen Angebot des Bistums erklärt. 

Der Betroffenenrat wird sich danach eine eigene Satzung geben, die die Aufgaben und die Arbeitsweise des Gremiums regelt. Bei der Entwicklung der Satzung kann geklärt werden, ob sich der Betroffenenrat mit den vorgeschlagenen Rahmenbedingungen ebenfalls einverstanden erklären kann oder ob er Änderungen für erforderlich hält. Der Vorschlag der Steuerungsgruppe sieht unter anderem folgende Punkte vor: 

  • Der Betroffenenrat trägt als Impulsgeber zur Weiterentwicklung des Umgangs mit Fragen der sexualisierten Gewalt im Verantwortungsbereich des Bistums Aachen bei, indem er Stellungnahmen und Einschätzungen zu bestehenden und geplanten Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt abgibt und gemeinsam mit den jeweils zuständigen Gremien über weitere Maßnahmen berät.
  • Er tritt in einen regelmäßigen Austausch mit Bischof Dr. Helmut Dieser, seinen Vertretern und den zuständigen Gremien. Der Betroffenenrat ist vom Bistum Aachen weisungsunabhängig und wird eine eigene Geschäftsstelle haben.
  • Dem Gremium sollen sieben Personen angehören, auch um den Mitgliedern eine Vereinsgründung zu ermöglichen.
  • Die Mitglieder sollen jeweils für drei Jahre beauftragt werden
  • Zwei Mitglieder wird der Betroffenenrat in die Aufarbeitungskommission des Bistums Aachen entsenden.
  • Um eine selbstbestimmte Arbeit des Betroffenenrates zu ermöglichen, stellt das Bistum Aachen die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung.

Betroffene sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Beschäftigte im kirchlichen Dienst des Bistums Aachen, die bislang noch nicht beteiligt sind, können sich auch jetzt noch engagieren: Bitte melden Sie sich dazu bei der Interventionsbeauftragten, Frau Mary Phan-Friedrich, Tel.: 0241 / 452-890, E-Mail: mary.phan-friedrich@bistum-aachen.de