Verwoben in der Ökumene

Das Altartuch, das die evangelischen Gemeinden 2014 den Katholiken schenkten, wirbt für Heiligtumsfahrt

Propst Peter Blättler übergibt das Mönchengladbacher Altartuch an die evangelischen Geschwister Pfarrer Stephan Dedring (l.) und Pfarrer Till Hüttenberger. (c) Detlef Ilgner
Propst Peter Blättler übergibt das Mönchengladbacher Altartuch an die evangelischen Geschwister Pfarrer Stephan Dedring (l.) und Pfarrer Till Hüttenberger.
Datum:
Di 17. Nov 2020
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 47/2020 | Garnet Manecke

Die Heiligtumsfahrt 2021 wird anders sein als die von 2014. Was bei dem Glaubensfest wie genau durchführbar ist, weiß noch niemand. Nur eines ist sicher: Im Mittelpunkt steht die Reliquie, verehrt als Stück des Tischtuchs vom letzten Abendmahl. Ein anderes verbindendes Element der beiden Heiligtumsfahrten wird das Mönchengladbacher Altartuch sein. Das ist zurzeit auf einer Reise durch die Gemeinden. 

Die Evangelische Hauptkirche Rheydt war die erste Station des kunstvoll bestickten Altartuchs. (c) Garnet Manecke
Die Evangelische Hauptkirche Rheydt war die erste Station des kunstvoll bestickten Altartuchs.

Als Hermann Schenck beim Abschlussgottesdienst der Heiligtumsfahrt 2014 das weiße Altartuch an Heinrich Mussinghoff übergab, ging ein freudiges Raunen durch die Reihen auf dem Geroplatz. Schenck war damals Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Gladbach-Neuss, Mussinghoff der Bischof des Bistums Aachen. Die Katholiken freuten sich über das Geschenk der evangelischen Glaubensgeschwister so sehr, dass sie es gleich in den Münsterschatz aufnahmen. Aber nicht auf die Art, wie die Heiligtumsreliquie. Das Stück des Tischtuchs vom Abendmahlstisch wird nur alle sieben Jahre den Gläubigen gezeigt. Nein, das neue Altartuch sollte ein sichtbares Zeichen der Ökumene sein, ein Zeichen der Verbundenheit.

Die Idee zu diesem Geschenk sei nach einer Rede entstanden, die Albert Damblon gehalten habe, erinnert sich Stephan Dedring. Der evangelische Pfarrer kennt die Geschichte des Altartuchs von Anfang an. „Damals hat das Organisationsteam darüber nachgedacht, ob man die Heiligtumsfahrt nicht ökumenisch angehen könne“, berichtet Dedring. „Albert Damblons Rede war echt klasse. Sinngemäß hat er gesagt, dass die wichtigste Reliquie das Tischtuch sei. Das sollte als Zeichen für Abendmahl und Eucharistie gesehen werden. Das hat uns evangelische Vertreter sehr beeindruckt, weil das theologisch eine ganz andere Ebene war.“

 

>> Das war theologisch
eine ganz andere Ebene.<<

Stephan Dedring

 

Für die evangelischen Vertreter bedeutete diese Sichtweise auch, sich einbringen zu können. „Das haben wir gerne angenommen“, sagt Dedring. Im Münster standen beim Eröffnungsgottesdienst neben den katholischen Priestern auch die evangelischen Pfarrer und Pfarrerinnen am Altar. Genauso wie beim Abschlussgottesdienst unter freiem Himmel auf dem Geroplatz. Während der Heiligtumsfahrt luden die evangelischen Gemeinden ebenfalls zu Veranstaltungen ein. Der ökumenische Geist, der von Anfang an die Heiligtumsfahrt prägte, brachte Hermann Schenck auf die Idee, den Katholiken ein protestantisches Abendmahlstuch als Komplementärzeichen zu schenken.

Eine Weberei im Süden Deutschlands stellte das weiße Tuch her: ein dicht gewebter und zugleich weicher Stoff. Bestickt ist es mit einem Satz, der an einen Vers aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther angelehnt ist: „Das Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft des Leibes Christi“ (vgl. 1 Kor 10,16b). Jedes Wort ist in einer anderen Farbe gestickt. Der Satz läuft zweizeilig durch die Mitte des Tuches. Wenn es auf einem Tisch ausgebreitet wird, verbinden die Zeilen im Zentrum des Tisches die Kopfenden.
Die kommende Heiligtumsfahrt greift mit dem Leitwort „Verwoben“ den Ökumenegedanken wieder auf. Das Geschenk aus dem Jahr 2014 geht auf Reisen durch die Gemeinden, die der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“ in Mönchengladbach angeschlossen sind. Das sind neben den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden auch die orthodoxen und evangelisch-freikirchlichen Gemeinden.