Stammt die KI vom Affen ab?

Eine launige Veranstaltung in Aachen lotete Fragen um den richtigen Umgang mit der Technik aus

Vom Primaten zur künstlichen Intelligenz: Sieht so die Evolution aus? (c) www.pixabay.com
Vom Primaten zur künstlichen Intelligenz: Sieht so die Evolution aus?
Mo 30. Sep 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 40/2019 | Kathrin Albrecht

Künstliche Intelligenz (KI) ist Bestandteil des menschlichen Alltags. Sie steckt in Suchmaschinen, Übersetzungsprogrammen oder auch in Online-Versandhäusern. Wie sehr beeinflusst KI unser Leben, wie unterscheiden sich KI und Menschen? Fragen, die eine gemeinsame Veranstaltung von Katechetischem Institut, der RWTH und der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen diskutierte.

Um autonomes Fahren ist eine emotionale Diskussion entstanden. Darf man einem Algorithmus überlassen, wohin das Auto im Falle eines Unfalls steuert? (c) www.pixabay.com
Um autonomes Fahren ist eine emotionale Diskussion entstanden. Darf man einem Algorithmus überlassen, wohin das Auto im Falle eines Unfalls steuert?

„Dreivorhalb“ ist der Titel dieser Reihe, die sich an Lehrkräfte richtet und an diesem Nachmittag ganz im Zeichen der KI stand. „Stammt KI vom Affen ab?“ – mit dieser Leitfrage eröffnete Axel Siegemund, aktueller Inhaber der Hemmerle-Professur an der RWTH Aachen, den Nachmittag. In seinem Forschungsgebiet befasst sich Axel Siegemund mit den Grenzfragen von Theologie, Naturwissenschaften und Technik. KI sei ein Sammelbegriff, der zeige, dass Realität und Zukunft verschwimmen.

Jean-Pierre Sterck-Delguedre, Dozent für Religionspädagogik am Katechetischen Institut, nahm mit der Frage „Sind Roboter Teil der Schöpfung?“ den Faden auf. Bei Schülern sei oft ein unkritischer Umgang mit KI zu beobachten. Dies sei eine Einladung, als Lehrer das Bewusstsein zu schärfen. Zum Beispiel in der Frage des autonomen Fahrens. Impulse luden dazu ein, verschiedene Szenarien durchzuspielen, sich selbst in die Rolle einer Ethikkommission zu versetzen. Die Reaktion der Teilnehmer war deutlich: Eine Entscheidung zu treffen, wohin das Auto lenken soll, wenn im Unglücksfall die Bremsen versagen, ist schwierig.

Einen unterhaltsamen Ansatz wählte der Theologie Raimund Litz für seine Late-Night-Show. Er zeigte, dass KI uns schon länger beschäftigt. 1738 entwickelte Jaques de Vaucanson eine mechanische Ente, die sogar die Körner, die sie aufpickte, verdauen konnte. Eine wichtige Frage im Sinne von KI sei die Frage des Bewusstseins. Eine Frage, die nicht einfach zu beantworten sei. Denn es gebe keinen authentischen Zugang zu den Empfindungen anderer Menschen. In der Frage, wie sich Mensch und KI zueinander verhalten, ist also noch viel Potenzial – soviel blieb nach diesem Abend festzuhalten.