"Schlafstunde und Zionismus" am 20. Juni 2019

Referent: Oliver Vrankovic

Kippa (c) www.pixabay.com
Kippa
Do 21. Mär 2019
Elke Wild
Ein Vortrag über die letzten Jeckes; jene deutschen und kulturdeutschen Juden, die in den 30er Jahren nach Palästina geflüchtet sind und zu Mitbegründern des Staates Israel wurden.

Referent: Oliver Vrankovic lebt seit elf Jahren in Israel und arbeitet seit 2010 als Pflegehelfer im Elternheim Pinkhas Rozen der Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft.

Er arbeitet bei der Wiener Library, dem größten Holocaust Archiv der Welt und freiberuflich als Koordinator von Bildungsreisen und geht einer freiberuflichen journalistischen Tätigkeit nach.

Der Referent arbeitet in einem Elternheim der Organisation für Einwanderer mitteleuropäischer Herkunft in Ramat Gan und kennt die Bewohnerinnen und Bewohner und deren persönliche Geschichte, die mit der Weltgeschichte eng verflochten ist, aus nächster Nähe. Sie stammen aus Familien, die sich in Mitteleuropa wohl fühlten und integriert glaubten. Noch heute sind in ihnen die Abdrücke jenes liberalen Bürgertums zu erkennen, das in Europa längst untergegangen ist. Aus den Einwanderern aus Deutschland wurden Israelis. Israelis, die Deutsche geblieben sind.


Der Vortrag über die Jeckes gliedert sich in die vier Teile Flucht (1), Jugendaliyah und Kindertransporte (2), Integration (3) und Beitrag zur Staatsgründung (4).
(1) Die deutschen und kulturdeutschen Juden sind vor der Judenverfolgung der Nationalsozialisten nach Palästina geflüchtet, bevor ihnen ihren Deutschland zur Mördergrube ohne Entrinnen werden konnte. Die Entscheidung zur Flucht fiel vielen Familien sehr schwer, da sie Deutschland als ihre Heimat ansahen.Viele haben die Reichspogromnacht miterlebt.
(2) Manche der Bewohner des Heims kamen ohne ihre Familien mit sogenannten Kindertransporten, einer Organisation zur Rettung von Kindern und Jugendlichen.
(3) Die heute Hochbetagten trafen in jungen Jahren auf ein von osteuropäischen Pionieren dominiertes jüdisches Gemeinwesen, das ihnen viel Argwohn entgegenbrachte. Der Schwerpunkt des Vortrags wird sich mit der schwierigen Integration befassen, die heute Gegenstand vieler Anekdoten ist. Meine Bewohner erzählen, dass Jecke eine äußerst abschätzige Bezeichnung war, als der Begriff aufkam. Die liberalen Einstellungen der deutschsprachigen Juden, ihr oft affirmatives Verhältnis zur britischen Mandatsmacht und ihre Toleranz gegenüber den Arabern weckte den Argwohn der sozialistischen Zionisten. Das Hauptintegrationsproblem der Jeckes war die Sprache. Dieses Integrationsproblem wird besonders beleuchtet. Ein weiterer Fokus wird auf die Entwicklung von Naharija gelegt, eine „deutsche“ Mittelstandsiedlung.


Ein weiterer Exkurs beschäftigt sich mit der Kultur der Jeckes. Obwohl ihnen Deutschland für immer verleidet wurde, kam es für die deutschen Juden nach ihrer Auswanderung zu keinem Ablösungsprozess von ihrem kulturellen Erbe. Der Wechsel von der deutschen in die eretz-israelische Heimat verlief als schwieriger Prozess von Negation und Affirmation. Beispielhaft wird dies an ihren Schwierigkeiten mit dem hebräischen Theater dargestellt und an den legendär gewordenen Kammermusikabenden, an denen die deutschsprachigen Einwanderer eine Brücke in ihre verlorene Heimat geschlagen haben.
(4) Trotz ihrer holprig verlaufenden Integration haben die Jekkes überproportional viel zum wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritt und kulturellen des jüdischen Gemeinwesens und später zur Entwicklung des jüdischen Staates beigetragen und bestimmte schließlich auch den westlichen Charakter des späteren Staates Israel. Dies wird allgemein und an Beispielen dargelegt.

Details zu dieser Veranstaltung

Vortrag mit Imbiss und Getränken

Termin:
20. Juni 2019, 16:00 -19:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Haus der Regionen MG/HS, Bettrather Straße 22, 41061 Mönchengladbach

Eintritt:
um eine Spende wird gebeten

Veranstalter:
Gesellschaft für christl. jüdische Zusammenarbeit Mönchengladbach in Kooperation mit dem kath. Forum MG/HS