Nicht für die Schule lernen?

Die Corona-Krise, das Lernen und Lehren und der Stand der Digitalisierung katholischer Schulen

Leere Klassenzimmer sind in den vergangenen fünf Wochen Alltag in den Schulen gewesen. Jetzt soll schrittweise der Unterrichtsalltag wieder einkehren. (c) www.pixabay.com
Leere Klassenzimmer sind in den vergangenen fünf Wochen Alltag in den Schulen gewesen. Jetzt soll schrittweise der Unterrichtsalltag wieder einkehren.
Di 21. Apr 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 17/2020 | Dorothée Schenk

Fünf Wochen waren die Schulen geschlossen. Jetzt kommt es zu einer ersten vorsichtigen „Öffnung“.  Beim Sonderweg NRW haben bereits in dieser Woche die Abiturienten und Abschlussklassen der „10“ den Unterricht begonnen ­– die Viertklässler sollen am 4. Mai starten. Es ist der „Corona-Jahrgang“. Dieses Schuljahr, so viel ist jetzt schon klar, wird in die Geschichte eingehen. Ein Überblick, wie die katholischen Schulen in der Region Düren-Eifel mit der Ausnahmesituation umgegangen sind, und welche Chancen und Möglichkeiten sich auch ergeben haben.

Es fehlen den Schulleitern,  die sich neben dem Bildungsauftrag auch in der Verantwortung sehen für die Gesundheit der Schüler, des Kollegiums und nicht-pädagogischen Personals, verbindliche Aussagen zu Hygiene- verordnung, Pausenkonzept und Schulbuskonzept. Natürlich gelten die Eckdaten auch für Schulen – mindestens  1,50 Meter Abstand, Desinfektion, Vorhalten von ausreichend Handtüchern und Seife. Wie viele Schüler aber in einer Gruppe zu unterrichten sind bei welcher Raumgröße, ist noch nicht vollständig geklärt.  

>> Bischöfliche St.-Angela-Schule Düren

(c) Bistum Aachen/Andreas Steindl

Olaf Windeln ist allerdings ganz entspannt. „Die Abiturienten und Abschlussklassen möglichst gut vorzubereiten, das steht für mich im Vordergrund. Wir müssen improvisieren. Das ist für alle eine neue Situation.“ Schlimm sei es gewesen, als Abschlussschülerinnen am Tag der Schulschließung, 13. März, weinend bei ihm im Büro gesessen hätten in dem Bewusstsein, unerwartet den letzten Schultag zu erleben. Schule ist eben mehr als ein Lernort. Nach derzeitigem Stand ist nicht einmal klar, ob die Abschlussfeier stattfinden kann. Alternativ könnte die Feier zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Die Vermittlung der Lern-inhalte sind in den vergangenen Wochen nach Rückfragen in der Angela-Schulgemeinde gut gelungen. Per Homepage sind Inhalte bereitgestellt worden, persönliche Kontakte per Mail und auch per Telefon sind selbstverständlich. Für die beiden I-Pad-Klassen ist das sogenannte „digitale Lernen“ ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Fazit ist allerdings auch: Das sogenannte  E-Learning kann Unterricht nur zum Teil ersetzen.

>> St.-Josef-Mädchengymnasium Jülich

(c) Frank Besselmann

Christiane Clemens kann hier nur zustimmen. Selbstverständlich fand auch hier der Kontakt via E-Mail und soziale Netzwerke sowie Videokonferenzen mit der Abiturientia statt. Gut vorbereitet sieht die Schulleiterin ihre Abiturientia und wünscht sich natürlich einen schönen gemeinsamen Schlusspunkt für die Schulzeit. „Eine schulische Abschlussfeier ist so wertvoll, die sag ich erst im allerletzten Moment ab.“ Vor der Feier steht aber erst noch das Lernen. Dass noch Nachholbedarf am MGJ besteht, ist aber auch eine Erkenntnis. Inzwischen ist das Office-365-Paket im Einsatz, und großes Lob gibt es von der Schulleitung für das Engagement des Kollegiums. „Das Unternehmen Fobizz hat uns einen Tag kostenlos eine Fortbildung zur Verfügung gestellt. Das beinhaltete Cybermobbing, digitale Tafeln im Internet, Programmieren. Im Schneeballsystem haben wir uns untereinander weiterinformiert, damit alle alles kennenlernen konnten.“

Eine Lehre aus der Krise ist auch, dass der Umgang mit dem Datenschutz auf einmal etwas großzügiger gehandhabt wird.  E-Mails an private Adressen zu schicken, galt als notwendiges Übel. Inzwischen haben aber alle Schülerinnen eine schuleigene Adresse. „Bis jetzt war nie wirklich Zeit für Digitalisierung. Jetzt hat die Schule noch mal einen richtigen Schub bekommen!“ Aber auch  die Schülerinnen waren im Blick, die nicht von Hause aus über eine gute technische Ausstattung verfügen. Darum hat sich das MGJ dafür entschieden, vor allem aus dem bereits vorhandenen Unterrichtsmaterial Aufgaben zu stellen. Jetzt allerdings, da noch nicht klar ist, wie lange das Distanzlernen noch fortgeführt werden muss, soll auch internet-basierter Unterricht folgen. „Wir werden versuchen, Familien auszustatten, die keine Endgeräte haben.“  Neben den Schülerinnen gilt auch die Sorge dem Kollegium: 30 Prozent im MGJ kann oder möchte die Schulleiterin derzeit nicht einsetzen: „Man muss solidarisch sein, damit die Kollegen nicht moralisches Missbehagen fühlen. Wir können das auffangen.“ 

>> Franziskus-Gymnasium Vossenack

(c) Franziskus-Gymnasium

Peter Cordes dagegen befürchtet große personelle Probleme. Zum Redaktionsschluss war die Erhebung noch nicht abgeschlossen, aber ein „erheblicher Teil“ des Kollegiums gehöre zur Risikogruppe, und   das „stellt uns vor große Schwierigkeiten“. Vor allem aber ist Cordes voll des Lobes für die Fantasie und Einsatzbereitschaft seiner Lehrerschaft. Er bestätigt die große Bereitschaft der Schüler, diese freiwilligen Aufgaben zu erledigen. Gerade in den Ferien hätten er und das Kollegium solche Angebote gemacht.  Auch in seinem Haus wird die Zeit der leeren Räume genutzt. „Der Digitalausbau läuft auf Hochtouren.“ Zuletzt wurden Bildschirme montiert. Ansonsten ist die Schule aber bereits seit über sechs Jahren für den digitalen Unterricht aufgestellt, und Lehrer wie Schüler sind geübt im Umgang mit elektronisch bereitgestellten Lerninhalten und Plattformen.

Einziges Problem in der Krise: Die geplante Umstellung auf „Aixkonzept“ fiel genau mit der Schulschließung zusammen. „Da holperte es anfangs etwas“, konstatierte Dirk Sieven, stellvertretender Schulleiter.  Um die Sorgen, Ängste und Nöte kümmern sich an allen Schulen Schulseelsorger, Beratungskollegen und Schulsozialarbeiter – so auch am Eifler Gymnasium. Alle notwendigen Telefonnummern – auch des Bistums – sind auf der Internetseite nachzulesen.  Einen Sonderweg des Sonderwegs geht das Franziskus-Gymnasium: Statt am 23.April startete die Schule erst am Montag, 27. April. Abiturienten kamen trotzdem, und zwar jene, die wegen Krankheit ihre Vorklausuren noch nachschreiben mussten. Apropos: „Mein ganz subjektiver Eindruck ist, dass die Abiturarbeiten in letzter Sekunde doch nicht geschrieben werden“, sieht Schulleiter Cordes schwarz für die schriftlichen Prüfungen. Außerdem ist er der Ansicht: „Wir werden die Mittelstufe in diesem Schuljahr nicht mehr sehen.“ 

>> Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld

(c) Kirsten Röder/Agentur profipress

Thomas Frauenkron hat an seiner Schule bereits vor fünf Jahren flächendeckend I-Pads eingeführt. Kostenlos hat die Stiftung der Schule die Geräte zur Verfügung gestellt. Preisgekrönt ist mit diesem Konzept der „smarten Schule“  das Kolleg in der Eifel.  Entsprechend gut vorbereitet sind die Schüler auf diese Ausnahmesituation gewesen. Die jüngeren Schüler wurden über E-Mails versorgt, während die Älteren die App I-Tunes-U und seine Arbeitsplattformen nutzten. Dabei wird nicht nur mit Texten oder Aufgaben gearbeitet, sondern es kommen Keynotes, Lernvideos, Filme und vieles mehr zum Einsatz, und zwar individuell von Lehrkraft zu Lehrkraft, um den Stoff abwechslungsreich und interessant zu gestalten.  Der Tablet-Unterricht habe sich schnell und stetig weiterentwickelt. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Die Kollegen haben individuell neue Herangehensweisen ausprobiert oder Arbeitsmethoden und Maßnahmen entwickelt“, schildert der stellvertretende Schulleiter Frauen- rath. Sie fänden ihren Niederschlag im digitalen Methodenkonzept.  „Auch wir Lehrer lernen unheimlich viel dazu. Es zeigt sich aber auch, dass es ganz ohne klassischen Unterricht mit einem Lehrer im Raum auch in Zukunft nicht gehen wird.“  Etwa zwei Mal pro Woche schreibt die Schulleitung alle Familien an, um neueste Informationen zu teilen und in Kontakt zu bleiben. „Eltern wie Schüler gehen bislang unheimlich souverän und vernünftig mit der Situation um.“

Außerdem wichtig zu wissen:

• Schrittweise sollen ab 4.Mai die Schulen wieder öffnen. Im Gymnasium ist es der Jahrgang Q1, die Neuner in den Real- und Sekundarschulen. Die Grundschulen starten mit den Viertklässlern. 

• Alle Aufgaben, die seit 13.März von den Schülern im Auftrag der Lehrer erledigt werden, sollen nicht benotet werden und haben keinen negativen Einfluss auf die Zeugnisnoten.

• Monita, die im Volksmund „Blaue Briefe“ genannt werden, sind in diesem Jahr nicht versandt worden. Eine Versetzung soll – außer bei einer freiwilligen Wiederholung der Klassen – in jedem Fall erfolgen. 

• Sollten keine Anschlussprüfungen zum Abitur stattfinden können, weil die Fallzahlen nach der ersten Lockerung Anfang Mai wieder rasant ansteigen sollten, wird ein sogenanntes Durchschnittsabitur errechnet. Es setzt sich aus den Vorleistungen zusammen, die in den vergangenen beiden Jahren schon erbracht worden sind. Im Normalfall machen die Vorleistungen zwei Drittel der Abiturnote aus, ein Drittel wird durch die Prüfungen hinzugerechnet.

• Ab 12. Mai sollen in ganz Nordrhein-Westfalen schriftliche Abiturprüfungen geschrieben werden. Die sogenannten Abweichprüfungen entfallen.