Mit Robotern im Unterricht

Pilotprojekt an der Krefelder Marienschule

Das Pilotprojekt der Bezirksregierung geht auf – am Ende jeder Unterrichtsstunde Informatik ist das Erfolgserlebnis groß. (c) www.pixabay.com
Das Pilotprojekt der Bezirksregierung geht auf – am Ende jeder Unterrichtsstunde Informatik ist das Erfolgserlebnis groß.
Di 22. Okt 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 43/2019 | Ann-Katrin Roscheck

 „Wir müssen unseren Schülern einen Werkzeugkasten an die Hand geben, mit dem sie die Möglichkeit haben, in ihrem Leben auf jede Situation einen Handlungsweg zu finden“, sagt Ralf Juntermanns als Schulleiter der Marienschule in Krefeld. „Da gehört Informatik dazu.“

Bereits seit zwei Jahren nimmt die ehemalige Ursulinen-Mädchenschule an einem Pilotprojekt der Bezirksregierungen Düsseldorf und Köln teil: An 70 Gymnasien im Umkreis steigen Schüler ab der Jahrgangsstufe Fünf mit dem Zusatzfach Informatik ein. Dem Stundenplan wird eine Schulstunde in der Woche hinzugefügt. „Hintergrund ist, dass die Informatik uns eine Grundlage gibt, aktuelle Entwicklungen aus einer anderen Blickrichtung zu betrachten“, so der Schulleiter weiter und fragt in den Raum: „Wer kann über künstliche Intelligenz urteilen, bei Robotik mitdiskutieren oder über die Digitalisierung sprechen, wenn er die Grundlagen der Informatik nicht beherrscht?“ 

An der Marienschule setzen Michael Geihe und Samantha Hubacsek als Informatiklehrer das Projekt um: Bereits im letzten Jahr übernahm Geihe eine fünfte Klasse und führt diese jetzt in der sechsten Jahrgangsstufe fort, Hubacsek betreut seit dem Sommer eine neue Fünf. „Für die Schüler ist der Informatikunterricht außergewöhnlich. Den Spaß am Tüfteln und Ausprobieren sehe ich ihnen richtig an“, schildert die junge Lehrerin. „Da wird dann auch schon einmal gejubelt, wenn das Ergebnis am Ende stimmt.“ 

Erfolgserlebnisse im Unterricht zu erreichen, geht schnell: Die Lehrer erklären nicht nur, wie der Computer und unterschiedliche Algorithmen funktionieren, sondern sie lehren auch Kodierung und Programmiersprachen. In eigener Gestaltung können die Heranwachsenden so grafische Symbole auf den Bildschirm bringen, Gleichungen mechani- siert lösen oder sogar Roboter programmieren.  Zukünftig unterstützt die Lehrer dabei ein Mikrocontroller, der „Calliope“. Unter dem Informatikgrundsatz „Eingabe – Verarbeiten – Ausgabe“ wird hier der Code direkt visualisiert. Der Mikrocontroller funktioniert dabei wie die Steuerung der Spülmaschine, der Kaffeemaschine oder anderer haushaltsüblichen Elektrogeräte. „Das macht die Schüler natürlich unheimlich neugierig“, erklärt Geihe. „Sie haben Lust darauf, zu verstehen, wie die Prozesse im Hintergrund laufen.“

Erfolgreich hat der Informatiklehrer seinen Sechstklässlern schon beigebracht, welche Programmierung es braucht, um die Funktionen eines Taschenrechners nachzuahmen, ein selbstprogrammiertes „Schere-Stein-Papier“ auf dem Minicomputer zu spielen, soll als nächstes folgen.  Noch zwei zukünftige Erprobungsstufenklassen werden mit Informatik einsteigen, nach vier Jahren ist das Pilotprojekt dann erst einmal vorbei. Als Mitglied im „Netzwerk Zukunftsschule“ legt die Marienschule einen großen Fokus auf gesunde Medienerziehung und wünscht sich, dass mit Abschluss des Projektes das technische Fach fest in den Stundenplan integriert wird. „Als Schule müssen wir im Fokus haben, an welchen Stellen sich das Leben verändert“, sagt Schulleiter Juntermanns bedächtig. „Wir dürfen dabei kritisch sein, aber wir dürfen uns nicht verschließen.“ 

Die Lehrkräfte des Pilotprojekts

2 Bilder