Mit Einsatz und Ideen

Auch kirchlich getragene Schulen sind systemrelevant. Wie sie und mit ihnen die Religionslehrer im Bistum Aachen bisher durch die Pandemie kamen

Ein anstrengendes, herausforderndes erstes halbes Jahr unter Corona-Bedingungen liegt hinter den Lehrkräften im Bistum Aachen. Auf Sicht wird die Arbeit so anders und schwierig bleiben. (c) www.pixabay.com
Ein anstrengendes, herausforderndes erstes halbes Jahr unter Corona-Bedingungen liegt hinter den Lehrkräften im Bistum Aachen. Auf Sicht wird die Arbeit so anders und schwierig bleiben.
Datum:
Mi 7. Okt 2020
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 41/2020 | Thomas Hohenschue

Was für ein Jahr 2020, bislang, und es geht auch weiter so! Das denken wohl die meisten von uns. Diejenigen, in deren Haushalt schulpflichtige Kinder leben, oft noch einmal im besonderen Maß. Monatelang waren die Schüler ausquartiert aus den Schulgebäuden und dem regulären Schulbetrieb. Unter befremdlichen, fragilen Vorzeichen sind sie nun zurückgekehrt. Gleichermaßen betroffen: die Lehrkräfte. Auch sie blicken auf ein außerordentlich anstrengendes, herausforderndes erstes halbes Jahr mit Sars-Cov-2 zurück. 

Kooperieren eng miteinander, für die Arbeit von Schulen und Religionslehrern im Bistum Aachen: Alexander Schüller, Walter Peukert, Thomas Ervens und Manuel Verhufen (v. l.). (c) Thomas Hohenschue
Kooperieren eng miteinander, für die Arbeit von Schulen und Religionslehrern im Bistum Aachen: Alexander Schüller, Walter Peukert, Thomas Ervens und Manuel Verhufen (v. l.).

Momentaufnahme in einem Besprechungsraum des Bischöflichen Generalvikariats. Vier Gesprächspartner ziehen eine Zwischenbilanz, die sich in verschiedenen Rollen um Belange der Schullandschaft im Bistum Aachen kümmern. Manuel Verhufen ist in erster Linie für die zwölf bischöflichen Schulen zuständig. Alexander Schüller begleitet die Religionslehrkräfte an allen Schulformen und leitet in dem Zusammenhang auch das Katechetische Institut. Walter Peukert vernetzt die Schulseelsorger im Bistum. Thomas Ervens wiederum ist als Abteilungsleiter fürs große Ganze zuständig, für den politischen und institutionellen Rahmen, in dem sich Schulen in kirchlicher Trägerschaft, konfessioneller Religionsunterricht und Schulpastoral bewegen. Immer stärker verzahnen sie ihre Arbeit, kooperieren in Projekten, bringen Kräfte und Kompetenzen zusammen. Das hat sich rückblickend auch in der Krise bewährt, wo es galt, bestmöglich an einem Strang zu ziehen.

 

Erste Wochen unter Corona-Bedingungen bedeuteten eine Feuertaufe für alle

Die ersten Wochen unter pandemischen Vorzeichen bedeuteten eine Feuertaufe für alle Beteiligten auf allen Ebenen. Die Schulen rotierten, in enger Abstimmung mit ihren Aufsichtsbehörden in Kirche und Staat, um Vorgaben von jetzt auf gleich für ihren Betrieb durchzudeklinieren. Da ist so mancher Abend und so manches Wochenende draufgegangen. Ein Kraftakt sondergleichen, der letztlich aber nicht verhindern konnte, dass kurze Zeit später sich der Schulbetrieb auf Fernunterricht verlagerte, auf Telearbeit, auf Videokonferenzen und Telefonketten. Die Fachleute aus dem Generalvikariat begleiteten nach bestem Wissen und Gewissen diese Kärrnerarbeit und waren zugleich selbst vom plötzlichen Umbruch ihrer Arbeitsbedingungen betroffen.
Überall machte die Digitalisierung einen gewaltigen Satz nach vorne, weil es auch nicht anders ging. Je nach Entwicklungsstand der jeweiligen Einrichtung fiel das den Beteiligten leichter oder schwerer. In kürzester Zeit waren viele Fragen zu klären, die man bisher eher abstrakt betrachtet oder auf Wiedervorlage für später geschoben hatte. 

 

Fernunterricht und Präsenzunterricht werden inspiriert durch gute Beispiele

Dieser plötzlich so konkret sichtbare Innovationsbedarf bezog sich wohlgemerkt nicht allein auf organisatorische und logistische Aspekte, den Schulbetrieb in all seinen Facetten pandemiegerecht weiterzuführen. Sondern es taten sich große didaktische und seelsorgliche Herausforderungen auf, die sich mit den neuen Bedingungen für die Schulen und ihren Unterricht verbanden.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Erziehung und Schule im Bischöflichen Generalvikariat haben versucht, hier ihren zu Beitrag leisten, um Lehrkräfte, insbesondere Religionslehrer, und Schulseelsorger fachlich zu unterstützen. Das Zauberwort lautete hier „Vernetzung“. Von überall aus dem Bundesgebiet sammelte man Ideen, Know-how und Best-practice-Beispiele ein, um Fernunterricht zu qualifizieren, Anschluss an Schüler zu halten, Rituale zum Schul-ende und -beginn neu zu gestalten. Und vor allem: die neuen, drängenden Fragen zu bearbeiten, welche die Pandemie bei den Schülern, in den Familien und in der Gesellschaft aufwirft.

Die Erfahrung, welche die Runde im Generalvikariat aus dieser Zeit mitnimmt: Die kirchlich getragenen Schulen und der Religionsunterricht sind systemrelevant, denn sie sichern einerseits die schulische Bildung ab, aber sie stärken auch die Persönlichkeitsbildung und begleiten die jungen Menschen werteorientiert durch ihren Alltag. Gerade in Krisenzeiten wie diesen kommt noch einmal zum Tragen, was beispielhaft die bischöflichen Schulen im gemeinsamen Leitbild als christlichen Auftrag festgehalten haben. 


Die Planungen künftiger Ereignisse an Pandemie-Erfordernisse anpassen

Aber wie sieht die Zukunft aus im Zeichen von Corona? Das ist ungewiss. Und so passen die Fachleute aus dem Generalvikariat alle Planungen an die aktuellen 
Bedingungen an. Der so wichtige gemeinsame Start in das Berufsleben als Religionslehrer findet weiter statt, aber nicht mehr an einem Ort zu einer Zeit. Vielmehr erfolgt die Übergabe der Missio canonica durch Weihbischof Karl Borsch nun zu zehn Zeitpunkten an zehn verschiedenen Orten überall im Bistum.

Zweites Beispiel: die Heiligtumsfahrt im Juni 2021. Auch hier ist Fantasie gefragt, um die Wallfahrt mit Schülern unter den Bedingungen des Infektionsschutzes als Entdeckung und Glaubensfest erlebbar zu machen. Bei diesem Ereignis, aber auch im schulischen Alltag drängt sich die Frage auf, die auch viele in Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen beschäftigt: Wie lässt sich das spirituelle Leben in Zeiten von Corona verantwortlich gestalten und stärken?