Lernen nur eine App entfernt

Hermann-Josef-Kolleg wurde für besonderen Weg der „Digitalisierung“ mit dem delina-Preis geehrt

In punkto digitale Bildung ist das Hermann-Josef-Kolleg ganz weit vorn. (c) www.pixabay.com
In punkto digitale Bildung ist das Hermann-Josef-Kolleg ganz weit vorn.
Di 5. Feb 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 06/2019 | Dorothée Schenk
Katholischen Schulen haftet ja zuweilen das Etikett des „Gestrigen“, etwas Traditionell-Verstaubten an.
Strahlende Gewinner des Hermann-Josef-Kollegs: (v.l.) Anne Karolsen, Jörg Zwitters und Schulleiter Thomas Frauenkron. (c) privat
Strahlende Gewinner des Hermann-Josef-Kollegs: (v.l.) Anne Karolsen, Jörg Zwitters und Schulleiter Thomas Frauenkron.

Das Gegenteil ist der Fall: Das Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld (HJK) in Trägerschaft des Ordens der Salvatorianer macht mit dem bundesweit ausgelobten delina-Preis von sich reden. Platz 2: ein Ergebnis, auf das Schulleiter Thomas Frauenkron stolz ist.

„Wenn man es schafft, einen Preis zu gewinnen, und dann direkt auf der höchsten Ebene, das ist etwas, das man nur alle paar Jahre einmal schafft“, freut sich Frauenkron. „Der delina will neue Trends im Bereich des digitalen Lernens aufgreifen, innovative Ideen fördern und ihnen Sichtbarkeit geben“, heißt es in der Preisbeschreibung. Einen Tag vor den Weihnachtsferien kam der erlösende Brief. Die Bewerbung um den Innovationspreis für Digitale Bildung war nicht nur erfolgreich, mit der Einladung nach Karlsruhe zur „learntec“ war klar: Einer der ersten drei Plätze würde in die Eifel gehen. Was nicht klar war, dass noch „schnell“ ein 60- bis 90-sekündiger Wettbewerbsfilm gedreht werden musste. Am Schultag eins im Jahr 2019 widmete sich das hauseigene Filmteam dieser Aufgabe. Die Steinfelder schöpften die vollständige Zeit aus – schließlich haben sie was zu zeigen. Nur zehn bis 20 Schulen bundesweit – so schätzt der Schulleiter – statten wie das HJK alle Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium mit Tablets aus. Einzigartig in Steinfeld ist im deutschlandweiten Vergleich, dass alle die technische Ausstattung kostenfrei bekommen. Das gilt für das Gerät, die stabile Schutzhülle und die Lern-Apps, also Programme für das Tablet. Ein Tablet ohne hauseigenes WLAN und Breitband-Anbindung ist natürlich wirkungslos. Auch hier ist für eine Rund-um-Ausstattung gesorgt. Kurz-Distanz-Beamer ergänzen die alten Tafeln. Finanziert wird die Ausstattung über die Stiftung Kloster Steinfeld „als starkem Partner“, sofern nicht Fördergelder eingeworben werden konnten. Das schafft im besten Sinne Bildungsgleichheit für alle.

 

Anschaulich und gut für den individuellen Lernfortschritt

„Es gibt keine Zweiklassen-Gesellschaft an unserer Schule, weder bei Schülern noch bei Lehrern.“ Das verhindere, dass sich Expertenteams von Technikaffinen innerhalb der Schule bildeten. Im HJK würden alle mitgenommen; dass dazu stetige Fortbildungen gehören, versteht sich von selbst. Mitte Januar erst war der Schulleiter mit drei Kollegen in London beim jährlichen Apple-Education-Leadership, zu dem Schulen eingeladen sind, die in der Digitalisierung am weitesten fortgeschritten sind. „Die mediale Ausstattung ist ein Standbein der Schule geworden, die alle betrifft“, ist Schulleiter Frauenkron hörbar stolz. Schön und gut, mag da ein bibliophiler Mensch denken, aber welche Vorteile bietet es in der Unterrichtspraxis? Im Physikunterricht nutzen die Schüler die Möglichkeit, mittels Video etwa ein Fadenpendel zu filmen und zu analysieren. Anschließend werden Messtabellen in Form von Diagrammen dargestellt. Im Kunstunterricht können Kompositionen oder künstlerische Intension besser sichtbar gemacht werden; die Video-Analyse für Bewegungsabläufe beim Sportunterricht – etwa richtige Technik im Hochsprung oder Weitwurf – kann per Zeitlupe oder Standbild beurteilt werden. Und schließlich in der Mathematik, die neben Geschichte Thomas Frauenkrons Lehrfach ist. Er gerät fast ins Schwärmen: „All das, was die Schüler sich bislang denken mussten, können sie jetzt handlungsaktiv an ihrem iPad selbst entdecken, etwa indem Bewegungen nachgemacht werden oder man dreidimensionale Körper beliebig dreht und wendet.“ Die direkte visuelle Rückmeldung bringt, so schildert es Administrator Jörg Zwitters, einen schnelleren individuellen Lernfortschritt. Und wie sieht der Blick in die Zukunft aus? „Eine Vision, die ich habe, ist, dass man die Papierschulbücher komplett abschafft. Wir sind soweit – aber die Schulbuchverlage nicht.“ Digitale Schulbücher seien technisch nicht ausgereift und nicht besser als das Papierbuch. Und einen zweiten Wunsch hat Thomas Frauenkron: „Was für mich aus Eifelsicht wichtig wäre, die Schule mit Universitäten, mit Arbeitgebern, mit Forschungsinstituten zu vernetzen, um die Entfernungen zu überbrücken, die man von einer Eifler Schule aus in die Städte hat. Dann wäre es unseren Schülern beispielsweise möglich, online an Vorlesungen teilzunehmen. Technisch sind wir soweit.“ Vielleicht der nächste Wettbewerbsbeitrag für den delina 2020.

Auf youtube ist für alle Interessierten der Wettbewerbsfilm zu sehen unter  https://youtu.be/xNtkI5zzE-w