Lebendige Gastfreundschaft

Am 1. März feiern Frauen in den Aachener Regionen und weltweit den ökumenischen Weltgebetstag

Zum Weltgebetstag laden in diesem Jahr Frauen weltweit ein, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. (c) WGT e.V./Heine
Zum Weltgebetstag laden in diesem Jahr Frauen weltweit ein, an ihrem Tisch Platz zu nehmen.
Di 19. Feb 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 08/2019 |Andrea Thomas
Ein Tag, ein gemeinsames Thema, Frauen aus über 120 Ländern, mehr als 800000 allein in Deutschland – der Weltgebetstag am ersten Freitag im März schafft Verbundenheit und Solidarität rund um den Globus. Themenland 2019 ist Slowenien.

 Als Thema hat das dortige Vorbereitungskomitee gewählt „Kommt, alles ist bereit. Es ist noch Platz“. Ausgehend vom Gleichnis vom Festmahl aus dem Lukasevangelium (Lk 14,13–14) stellen sie die Gastfreundschaft in den Mittelpunkt und erinnern daran, dass an Gottes Tisch niemand ausgeschlossen wird. Hier ist – obwohl alle kommen dürfen – immer noch Platz, weil seine Gastfreundschaft jenseits unserer Vorstellung liegt. Diesen Gedanken, dass alle Platz haben an einem großen Tisch, hatte auch das ökumenische Vorbereitungsteam in den Regionen Aachen-Stadt und Aachen-Land für seine Werkstatt zur Liturgie für den Weltgebetstag aufgegriffen. Sein Anliegen: Die Teilnehmerinnen sollen Anregungen sammeln, sich austauschen, Ideen ausprobieren, die nützlich sind für die von ihnen organisierten Gottesdienste vor Ort, aber es soll auch jede von ihnen etwas für sich aus dem Nachmittag mitnehmen können.

Gut 35 Frauen haben das Angebot angenommen und im Haus der evangelischen Kirche in Aachen zu Thema und Themenland gearbeitet – und selbst Gastfreundschaft miteinander geteilt. Zu Beginn begrüßten sie sich mit dem slowenischen „Dober dan!“, auf Deutsch „Guten Tag!“, mit dem auch der Gottesdienst beginnen könnte. In der Mitte des Raumes stand ein langer, schön gedeckter Tisch mit Weingläsern, Tellern, Besteck, Servietten in den slowenischen Landesfarben weiß-blau-rot und in der Mitte der Weltgebetstagskerze, an dem zu Beginn immer noch weiter gedeckt wurde, um ihn noch festlicher aussehen zu lassen. Auf den Tisch kamen dabei: Brot und Kuchen als Zeichen der Gastfreundschaft Sloweniens. Der traditionelle Hefekuchen „Potica“ mit Mohn, Nüssen oder auch Estragon darf hier bei keinem Familienfest fehlen. Salz, das Gold des Mittelalters, das Reichtum ins Land brachte. Honig, aus dem traditionelle Lebkuchenherzen gebacken werden, die man in Slowenien zu verschiedenen Anlässen verschenkt. Eine Bibel, in Erinnerung an Primos Tuber, der sie im 16. Jahrhundert erstmals ins Slowenische übersetzte. Und schließlich noch rote Nelken, die bis 1991 als Symbol des Sozialismus Paraden und Feste prägten. Frauen bekommen zum Weltfrauentag am 8. März rote Nelken geschenkt.

In vier Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Werkstatt-Teilnehmerinnen unter anderem mit der Situation der Frauen in Slowenien. Zum einen wirken Teile des sozialistischen Erbes und seiner für Frauen oft positiven Gesetzgebung bis heute nach, zum Beispiel was die Förderung der Teilhabe von Frauen in Politik und Wirtschaft oder die Kinderbetreuung anbelangt. Zum anderen stehen sie vor der Herausforderung, die errungenen Rechte und Unterstützungen zu sichern. Beruf und Familie mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen gut zu vereinbaren, bleibt schwierig. Für viele Frauen heißt das, aus beruflichen Gründen auf Kinder verzichten zu müssen. Fast die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in Slowenien ist weiblich, viele arbeiten in Vollzeit. In leitenden Positionen sind Frauen jedoch weiterhin unterrepräsentiert.

Weitere Arbeitsgruppenthemen waren das Titelbild des Weltgebetstages, das in diesem Jahr von der fast erblindeten Künstlerin Reska Arnus stammt (auch sie hat das Festmahl in den Mittelpunkt gerückt und weist darauf hin, dass auch Randgruppen willkommen sein sollen), mit dem Bibeltext vom Festmahl bei Lukas sowie einem möglichen Anspiel für den Gottesdienst, das zurückschaut, wer alles mit am Tisch gesessen hat. „Die Arbeitsgruppen stellten ihre Ergebnisse am Tisch in der Mitte vor, der dadurch immer benutzter aussah – wie nach einem großen Fest. Das war toll, wie sich die Mitte entwickelte. Wir feierten gemeinsam ein Agape-Mahl“, berichtet Bärbel Büssow.

Wo in Aachen-Stadt und Aachen-Land zum Weltgebetstag Gottesdienste stattfinden, können Sie unseren Pfarrnachrichten entnehmen.