Kein Kind zurücklassen

Die Offene Tür „D-Hof“ in Aachen setzt sich weiter für ihre Kinder und Jugendlichen und deren Familien ein

Jeden Tag können die Kinder sich Spiele und  Beschäftigungsideen vor dem Eingang abholen. (c) D-Hof
Jeden Tag können die Kinder sich Spiele und Beschäftigungsideen vor dem Eingang abholen.
Di 21. Apr 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 17/2020 | Andrea Thomas

Sie haben es so schon nicht immer leicht in ihrem Alltag, die Kinder und Jugendlichen, die im Viertel Driescher Hof in Aachen wohnen. Viele Familien hier leben von Hartz IV, der Anteil an Migranten und Alleinerziehenden. Die Einschränkungen durch das Coronavirus machen dies nicht leichter, die Wohnungen sind klein, Schule und Offene Ganztagsschule sind noch dicht, ebenso wie das Jugendzentrum. 

Dessen Team ist dieser Tage dennoch nicht arbeitslos – im Gegenteil. Für „ihre“ Kinder und Jugendlichen sind die Mitarbeiter weiter im Einsatz, mit vielen Ideen und Leidenschaft. Es geht hier nämlich nicht nur um ein fehlendes Freizeitangebot,  sondern auch ums Kindeswohl, wie Leiterin Sandra Jansen unterstreicht.  „Für viele der Kinder beginnt der Tag mit dem gemeinsamen Frühstück in der Grundschule. Im Anschluss gehen sie in die OGS, wo sie Hausaufgabenbetreuung erhalten und ein warmes Mittagessen. Danach kommen viele bis gegen 18 Uhr zu uns in den D-Hof. Auch hier gibt es gesunde Snacks. Das sind zehn Stunden, in denen diese Kinder satt und gut betreut sind. Das können viele Familien mit ihren geringen Mitteln momentan so nicht stemmen“, zeigt sie an einem Beispiel auf, wie viel da gerade im Argen liegt.

Stattdessen sind die Kinder (zumeist auf engem Raum) zu Hause, können ihre Freunde nicht sehen und können vielfach nicht einmal hinaus, da das bisschen Grün zwischen den Häuserblocks gesperrt ist. Dazu kommen die wachsenden Sorgen und Belastungen ihrer Eltern.  „Das ist für alle Familien derzeit eine Herausforderung, aber erst recht für ärmere und benachteiligte Familien, die nicht über die entsprechenden Voraussetzungen verfügen“, sagt Sandra Jansen. Die zentrale Frage nach der Schließung im März sei daher gewesen: „ Wie können wir Kontakt zu den Familien halten und weiter für sie da sein?“ Dazu hat das Team einige Ideen und Aktionen entwickelt. So springen es beispielsweise nach der Schließung der Tafeln bei der wöchentlichen Lebensmittelausgabe ein.  Vor Ostern haben die D-Hof-Mitarbeiter Ostertüten für die Kinder im Viertel gepackt mit Ostereiern, Süßigkeiten, aber auch Obst und Beschäftigungsmaterial, wie einem Plakat „Ich bin stark“ zum Ausmalen. Geplant gewesen seien 70 Tüten, am Ende wurden es 160, die alle reißenden Absatz fanden. Ebenso wie Beschäftigungsmaterial und gespendete Gesellschaftsspiele, die das Team mehrmals am Tag vor der Tür zum Mitnehmen auslegt.

 

Digital alleine ist zu wenig

Außerdem versucht das Team über die  sozialen Medien mit den Jugendlichen Kontakt zu halten, bietet ihnen dort Anleitungen für Entspannungsübungen oder Tanzschritte an und seit der Karwoche auch einen täglichen Live-Chat. Daneben greift Sandra Jansen mit ihrem Team auch immer wieder zum Telefonhörer, um ganz direkt bei den Familien nachzufragen: „Wie geht es euch? Was braucht ihr?“ Seit Kurzem gibt es ein Notfall-Handy, über das das Team auch nach Feierabend und am Wochenende erreichbar ist. „Digital allein ist einfach zu wenig, es braucht auch die direkte Ansprache“, sagt Jansen. Je nachdem, wie sich die Situation in den Schulen und für die Jugendeinrichtungen weiter entwickele, müssten sie sich da noch einmal anders aufstellen. Zum Wohl der Kinder und Jugendlichen.

Aktionen am D-Hof

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