In Lebensmelodien Gottes Melodie entdecken

Drei Männer aus dem Bistum Aachen werden am 23. November zu Ständigen Diakonen geweiht

Von links: Daniel Ohlig mit Tochter Stephanie, Kerstin und Christian Harttig, Margit und Markus Offner. (c) René Brockers
Von links: Daniel Ohlig mit Tochter Stephanie, Kerstin und Christian Harttig, Margit und Markus Offner.
Mo 28. Okt 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 44/2019

Am Samstag, 23. November, um 9.30 Uhr wird Diözesanbischof Helmut Dieser im Aachener Dom drei Männer zu Ständigen Diakonen weihen. Wir lassen im Folgenden die drei, die sich über vier Jahre auf den großen Moment vorbereitet haben, selbst zu Wort kommen.

Christian Harttig, 40 Jahre, verheiratet seit 2005 mit Ehefrau Kerstin 

Zivilberuf: IT-Fachmann im öffentlichen Dienst. Lebt in St. Josef Nörvenich.

Aufgewachsen in einer jungen engagierten Gemeinde, stand ich lange Jahre der Kirche sehr nahe. Nach einer Phase mit wenig Zeit und daraus folgendem Abstand wollte ich mich der Kirche und meinem Glauben wieder nähern. Das Ganze, wenn möglich, auch systematisch und mit ehrenamtlichen Einsatz. Und mein Gefühl sagte mir, dass ich nicht der Typ bin für Pfarreiratssitzungen oder den Kirchenvorstand. Und dann erinnerte ich mich, dass es den Ständigen Diakonat gibt und ich langsam auch das passende Alter dafür hatte. Ein berufsbegleitendes Studium hatte ich schon hinter mir und bildete mir ein, ich wüsste, worauf ich mich einlasse. (Der Vollständigkeit halber: Ich habe es trotzdem unterschätzt.)  Rückblickend darf ich sagen, dass ich nicht alleine unterwegs war. Nicht nur meine Frau und ein toller Studienkurs, auch Gott war da. Manchmal war das Timing zu gut für einen Zufall. Der passende Impuls zur richtigen Zeit und die substanziellen Zweifel zur scheinbar falschen Zeit. Es passte vieles. Und ich durfte lernen, dass ich von Gott getragen bin.  Vor dem Studium wurde uns angekündigt, wir würden uns in den vier Jahren verändern und das Studium würde uns prägen. Ich habe es nicht geglaubt. (Der Vollständigkeit halber: Sie hatten Recht.)  Es hat mich verändert und geprägt. Entspannt gehe ich nun in die letzten Tage vor der Weihe. Ich fühle mich gut gerüstet, habe alles mir mögliche dafür getan und weiß, dass ich auch als Diakon nicht alleine unterwegs sein werde.

 

Markus Fidelis Offner, 54 Jahre, verheiratet seit 1993 mit Ehefrau Margit, Vater von zwei Kindern 

Zivilberuf: Dipl.-Theologe,  Leiter der Abteilung Pastorale Grundfragen und -aufgaben im Bischöflichen Generalvikariat Aachen, bis 2018 Referent im Kindermissionswerk. Lebt in  St. Jakob Aachen.

Ein Impuls, den Weg als Diakon zu versuchen, war für mich, mein ehrenamtliches Engagement mit einer sichtbareren Form des Zeugnisses zu verbinden und selbst die Chance zu haben, nach der intensiven Familienphase meinen eigenen Glauben noch einmal geistlich zu vertiefen. Gelebter Glaube hat für mich immer Begegnung bedeutet, in der Familie, mit Freunden, vor allem auch mit Frauen und Kindern, die ich im Rahmen meiner Arbeit im welt-kirchlichen Kontext in verschiedenen Ländern des globalen Südens kennenlernen durfte. In diesen Begegnungen, genauso wie in den Begegnungen in den Gemeinden, in denen ich mit meiner Familie engagiert bin, erlebe ich mich immer viel mehr als Beschenkter, wenn ich etwas von der Buntheit, Vielfalt, Kraft und Tiefe des gelebten Glaubens anderer erfahren kann. Da ich das Glück habe, immer viel Musik gemacht und erlebt zu haben, beim Singen und Leiten von Chören und mit Instrumenten, kann ich vielleicht im Bild sagen, dass die vielfältigen Begegnungen, die für mich immer auch etwas mit Gott, Leben und Glauben zu tun haben, bei mir etwas zum Klingen gebracht haben, dass ich gerne mit anderen teilen möchte. Die unterschiedlichen Formen der Liebe Gottes zu den Menschen gemeinsam und bei anderen zum Klingen zu bringen, finde ich eine spannende Aufgabe, bei der es für Diakone in Zeiten eines epochalen Wandels der konkreten Formen gelebten Christseins noch viel zu entdecken gilt. Sich einstimmen und einschwingen auf Lebensmelodien von Menschen, die uns vielleicht sehr fremd vorkommen, und darin Gottes Melodie zu entdecken, macht mir große Freude und kann vielleicht im ein oder anderen Fall auch ein diakonaler Dienst für andere sein. Das will ich neben Beruf und Familie in dem bescheidenen dann noch möglichen Rahmen in den Gemeinden der Pfarrei St. Jakob in Aachen in den kommenden Jahren versuchen.

 

Daniel Felix Ohlig,  52 Jahre, ledig, Vater einer Tochter

Zivilberuf: Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Lebt in  St. Laurentius Odenkirchen.

Weitreichende Entscheidungen trifft man besser nicht ganz alleine. Man bespricht sie im kleinen Kreis mit vertrauten Personen.  Die Überlegung, mich beim Bistum Aachen als Zivilberufler für den Ständigen Diakonat zu bewerben, quittierte mein Bruder mit zwei Fragen: Erstens, ob ich dafür überhaupt Zeit habe. Zweitens, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Wahrheitsgemäß verneinte ich beides. Ein guter Freund wollte wissen, ob ich wohl gerade in der Midlifecrisis sei. Zu spät, ich war 48. Hilfreicher war meine Tochter (damals 21): „Wenn du schon fragst, dann willst du, und wenn du willst, dann mach!“ Und eben Pastor Josef Vohn. Josef unterstützte und begleitete meinen Weg, bis er im September 2017 starb. Also drückte ich „im fortgeschrittenen Alter“ wieder die Schulbank und bin dankbar, dass ich auf diese Weise noch die Gelegenheit zum Theologiestudium bekam. Ein Rückblick zeigt, dass der Weg hierher keineswegs ein gerader war.  Zwar bin ich katholisch sozialisiert: Aufgewachsen in der Pfarrei St. Laurentius Odenkirchen, katholisches Elternhaus, Ministrant bis heute, verantwortlich für die Kirchenführungen, ehemals Jugendfreizeitleiter, Pfadfinder, KSJler, Firm- und Kommunionkatechet, Mitglied im Pfarrgemeinderat …  Auch beruflich war mir – zuerst als Krankenpfleger, danach und bis dato als Arzt für Kinder- und Jugendmedizin – christlich geprägtes soziales Engagement kein Fremdwort. Trotz aller Bindung zur Gemeinde und aller beruflich bedingten sozialen Tätigkeit war aber der Glaube etwa ab Mitte bis Ende zwanzig in den Hintergrund getreten, wenn er nicht längst eingeschlafen war. Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet einige Besuche der Zeugen Jehovas dazu führten, dass ich vor einigen Jahren mal wieder eine Bibel in die Hand genommen habe. Damit setzte ich mich auseinander und bekam als bekennender Katholik wieder Boden unter den Füßen; die Wege des Herrn …  Dabei wäre es wohl geblieben, denn was man nicht kennt, dafür interessiert man sich nicht. Eher zufällig kam es dann vor fünf oder sechs Jahren zu einem beruflichen Zusammentreffen mit einem Ständigen Diakon. So kam erstmals die Idee auf, der Ständige Diakonat – ehrenamtlich neben dem Zivilberuf – könne auch mein Weg werden … Noch kann ich nicht sicher sagen, wohin mich dieser  Weg führen wird; so Gott will, zunächst einmal zur Weihe Ende November; anschließend vielleicht in die Caritasarbeit und/oder Trauerpastoral. Was es auch werden wird, es ist Neuland, und ich werde es lernen müssen. Insofern bitte ich um Ihre Geduld und Ihr Gebet.