Gut vorbereitet für den Dienst im Wandel

Philipp Schmitz geht auf seine Weihe zum Priester zu

Philipp Schmitz (c) Bistum Aachen/Andreas Steindl
Philipp Schmitz
Di 28. Mai 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 22/2019

In diesem Jahr ist es nur einer, der im Bistum Aachen zum Priester geweiht wird. Ganz genau am Samstag vor Pfingsten, 8. Juni, um 9.30 Uhr im Hohen Dom zu Aachen. Mit Herzblut hat Philipp Schmitz sich vorbereitet. Der 30-jährige Korschenbroicher unterhielt sich mit der KirchenZeitung über seine Gedanken und Gefühle vor dem großen Ereignis.

Wie sehen Sie Ihrer Weihe zum Priester entgegen?

Ganz eindeutig dominiert die Freude. Ich habe einen langen Weg hinter mich gebracht. Die Ausbildung dauert gefühlt ewig. Nun kommt ein Weg zum Ziel und dann gehen ganz viele neue Wege los.

 

Wenn Sie sagen, dass das Gefühl der Freude dominiert, heißt das: Es gibt auch andere Gefühle. Welche meinen Sie?

Die gesellschaftliche Großwetterlage bekommen wir im Seminar durchaus mit. Die Startbedingungen für einen angehenden Priester waren so gesehen schon mal besser. Aber meine Freude, in dieser Zeit den Schritt zu gehen, überwiegt trotzdem. Ich bin kein Nostalgiker, der sich die heile Volkskirche aus den 50er und 60er Jahren zurückwünscht. Aus der Begegnung mit Bistümern in der Diaspora weiß ich zugleich, dass wir im Rheinland noch immer ziemlich katholisch sind.

 

Mit welchem Selbstverständnis gehen Sie in den Dienst?

Ich möchte nicht als der letzte Verbliebene eines alten Kirchenbildes unterwegs sein. Vielmehr möchte ich mich mitten unter die Menschen mischen und Christus zu ihnen bringen. Die Kirche wird sich stark verändern, und ich möchte dazu beitragen, sie in unserer postmodernen Gesellschaft zu positionieren, auch in der sakramentalen und liturgischen Praxis. Die Bedingungen sind nicht einfach, aber ich versuche einfach mein Bestes. Auch wenn wir im Rheinland noch ganz schön katholisch sind, wird es nach allem, was wir wissen, nicht dabei bleiben.

 

Fühlen Sie sich darauf gut vorbereitet?

In der Tat hat ja kürzlich eine Studie prognostiziert, dass wir bis zum Jahr 2060 etwa die Hälfte der Mitglieder verlieren. Das ist ein Zeitpunkt, zu dem ich Anfang 70 sein werde, also bei guter Gesundheit in der Schlussphase meines Dienstes. Das ist also schon eine relevante Frage, die mich immer wieder beschäftigt.

 

Und wie geht es Ihnen mit dieser Perspektive?

Dass wir weniger werden, heißt für mich zuerst, dass Kirche anders wird. Es heißt nicht, dass wir schlechter werden. In die Weltuntergangsstimmung so mancher kirchlich Aktiver möchte ich nicht verfallen. Im Gegenteil denke ich, dass wir im Weniger-Werden in der Gemeinschaft ehrlicher werden.

 

Wie meinen Sie das?

Die Kirchenzugehörigkeit ist heute bei vielen Menschen nur noch formal. Sie besteht auf dem Papier, aber nicht im Herzen. Ich träume aber von überzeugten und freudigen Gemeinden, die lebendig ihre Gemeinschaft und ihren Glauben feiern. Denn das heißt für mich, Licht der Welt zu sein.

 

Mit welcher Haltung kann dieser Wandel, den Sie sich wünschen, gelingen?

Wir Christen habe eine frohe Botschaft. Als Gemeinschaft sind wir aufgerufen, sie weiterzugeben. Das gelingt, wenn wir das freudig und froh tun. Das heißt, wir müssen uns davon lösen, retten zu wollen, was wir nicht retten können. Wir müssen nicht krampfhaft neue Mitglieder suchen und binden. Vielmehr freuen wir uns über jeden, der bei uns Anknüpfungspunkte für sein Leben und Glauben findet. Mehr können wir nicht leisten.

 

Was braucht es noch auf dem Weg zu einer solchen Kirche?

Jede Veränderung braucht Gestaltung. Von daher finde ich den Grundansatz von „Heute bei dir“ richtig. Es braucht das Gespräch und den Dialog, um sich gemeinsam auf die Zukunft einzustellen und sie zu prägen. Dabei ist es jedoch nicht gerade einfach, die sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Kirche einander zu vermitteln. Ich persönlich finde, wir sollten noch mehr auf unsere Stärken schauen und sie weiter stärken.

 

Mit großer Vorfreude gehen Sie Ihrem Dienst als Priester des Bistums Aachen entgegen. Was bestärkt Sie darin?

Ich schöpfe nicht zuletzt Zuversicht aus den Erfahrungen, die ich bereits als Diakon machen durfte. Wenn ich taufe, verheirate, beerdige, die Menschen zu Hause besuche, mit ihnen spreche, spüre ich, dass wir als Kirche das Leben von Menschen mit der frohen Botschaft bereichern. Wir müssen aber akzeptieren, dass nicht mehr alle jeden Sonntag in die Messe kommen. Gerade in großen Pfarreien ist das Engagement vor Ort umso wichtiger. Das ist für mich nicht der Ausgleich eines Mangels, sondern gelebtes Christentum.

Das Gespräch führte Thomas Hohenschue.