Grenzüberschreitung

„Erasmus+“ am Mädchengymnasium Jülich

Erasmus+: Weil Gemeinschaftsgefühl ein Auslöser ist. (c) MGJ
Erasmus+: Weil Gemeinschaftsgefühl ein Auslöser ist.
Di 22. Okt 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 43/2019 | Dorothée Schenk

Was haben die Sagrada Familia in Barcelona und der Kölner Dom gemeinsam? Es sind Kirchen mit großer Strahlkraft, Beispiele für kulturelles Erbe, deren Zerstörung und Wiederaufbau in Europa. Das haben 24 Schülerinnen im ersten „Erasmus+“-Projekt des Mädchengymnasiums Jülich St. Josef (MGJ) mit der spanischen Partnerschule „La Vall“ herausgearbeitet. 

Lernen geht im persönlichen Austausch besonders gut. (c) Fjell, Pia von Ameln
Lernen geht im persönlichen Austausch besonders gut.

Europa macht Spaß! Das ist sicher eine Erkenntnis, die die Schülerinnen aus Barcelona und Jülich schnell verstanden haben. Ein Jahr lang sind sie sich regelmäßig in Wort und Bild begegnet – virtuell über eine eigene Plattform im Internet, persönlich bei Treffen in Spanien und Deutschland und schließlich künstlerisch.  Entstanden sind dabei erkenntnisbringende Fotografien, Objekte und Tonarbeiten, die kulturelle Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten zum Ausdruck bringen und begreifbar machen. Zu sehen waren die Ergebnisse jüngst bei der finalen Ausstellung zum Thema „Kunst und Kulturerbe – real und virtuell“ beim Schulfest des MGJ. 

Weit über das normale Unterrichtsmaß hinaus fordert dieses Projekt sowohl die begleitenden Pädagogen – als Koordinatorin war Teresa Canovas in Jülich Vorreiterin für „Erasmus+“ am MGJ – als auch die Schülerinnen. „Es braucht viel Idealismus“, sagt die Lehrerin und berichtet nicht nur von den 50-seitigen Projektbeschreibungen, die es bei einer Bewerbung abzuliefern gilt, sondern auch von den Fortbildungen, die sich speziell auch mit den neuen methodischen digitalen Unterrichtsmöglichkeiten beschäftigen – von Internetplattformen wie eTwinning bis zu Apps wie das Übersetzungsprogramm „Wookiie“. Ein Gewinn für sie selbst wie für die Schülerinnen, bestätigt Teresa Canovas.

Inzwischen verfügt das MGJ-Kollegium bereits über drei Erasmus+-Qualifizierte. Denn das EU-Programm ist eben mehr als ein mehrtägiger Austausch zur Völkerverständigung, den die Europaschule MGJ bereits seit über zehn Jahren mit „La Vall“ pflegt. Bei „Erasmus+“ geht es darum, dass sich Schulen über Grenzen hinweg demokratischer Bildung oder der Vermittlung interkultureller Kompetenzen und Toleranz widmen sollen – ganz der Redeart folgend: Wirf einen Stein ins Wasser. Der europäische Gedanke soll weite Kreis ziehen. Das heißt im Fazit: Europa „macht“ viel Arbeit.

 

Das Forschungszentrum Jülich als Partner ins Boot geholt

Das Mädchengymnasium St. Josef in Jülich ist eine von knapp 100 Schulen in NRW und die einzige konfessionelle Schule im Bistum Aachen, die sich bereits im zweiten Jahr erfolgreich um eine Förderung beworben haben. Bis 2021 geht es nun um Naturwissenschaftliche Mädchenbildung im europäischen Zusammenhang. Federführend ist diesmal Birgitt Fuchs, die eigens einen Projektkurs Physik mit dem Thema beschäftigt und interdisziplinär zur Chemie und Erdkunde den Bogen spannt.

Dazu haben sich das MGJ und „La Vall“ einen dritten Partner ins Boot geholt: das Forschungszentrum Jülich (FZJ).  Genauer gesagt Karl Sobotta vom JuLab. In den dortigen Laboren haben bereits die ersten deutsch-spanischen Experimentier-Einheiten stattgefunden – auf englisch, der Wissenschaftssprache. In den Fokus genommen haben die Partner den Schwerpunkt „Energie“, auch in der Erkenntnis, dass „nur über die Grenzen hinweg Problemlösungen für das Thema Energie und Klima zu bewältigen sind“, wie es Sobotta formuliert.  Und auch mit diesem Projekt soll nicht Schluss sein. Vorsichtig überlegt wird am MGJ bereits, ob zukünftig nicht weitere Partnerschulen im europäischen Ausland in „Erasmus+“-Projekte eingebunden werden können.