Entdecker-Mobil zu Besuch in Krefeld

Spielerische Street-Scooter-Reise in Richtung Heiligtumsfahrt 2021

Wolfhard Hübscher, Joachim Hark, Judith Rahmrath und Kurt Offermann (v. l.) sind vier der rund 30 Ehrenamtler, die mit dem Entdecker-Mobil im Bistum unterwegs sind. (c) Ann-Katrin Roscheck
Wolfhard Hübscher, Joachim Hark, Judith Rahmrath und Kurt Offermann (v. l.) sind vier der rund 30 Ehrenamtler, die mit dem Entdecker-Mobil im Bistum unterwegs sind.
Di 8. Sep 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 37/2020 | Ann-Katrin Roscheck

„Es ist ähnlich wie mit den Olympischen Spielen“, sagt Dompropst und Wallfahrtsleiter Rolf-Peter Cremer andächtig. „Nur alle sieben Jahre werden die Reliquien im Aachener Dom gezeigt und aus dem goldenen Marienschrein entnommen. Für junge Menschen ist das Ereignis nur ein einziges Mal während ihrer Jugend erlebbar. Dafür möchten wir werben.“ 

Eigentlich sollte das „Entdecker-Mobil“ schon seit Anfang Juni durch das Bistum fahren, um spielerisch auf die Heiligtumsfahrt 2021 aufmerksam zu machen. Durch Covid-19 aber später gestartet, war es erst am letzten Wochenende zum ersten Mal in Krefeld auf dem Dionysiusplatz zu Besuch. Unter dem Motto der Wallfahrt „Entdecke mich“ macht der umgebaute und elektrisch betriebene Street-Scooter immer wieder in vielen Bistumsstädten Halt, um Passanten mit der Strahlkraft der Heiligtumsfahrt anzustecken. Dafür im Gepäck: ein täuschend echter Nachbau des Marienschreins, ein virtueller Rundflug durch den Aachener Dom mit einer Virtual-Reality-Brille und viele Spielereien für große und kleine Entdecker. „Zu unserer Zielgruppe gehören in erster Linie katholisch angehauchte Menschen“, erklärt Cremer. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade außerhalb von Aachen viele Gläubige die Heiligtumsfahrt noch nicht kennen. Das möchten wir ändern.“ 

Und dafür sorgen neben den spannenden Aktivitäten, die darauf warten, entdeckt zu werden, auch die rund 30 Ehrenamtler, die mit Freude und Energie die Passanten in ihren Bann ziehen. In Krefeld mit dabei sind Judith Rahmrath, Kurt Offermann, Wolfhard Hübscher und Joachim Hark. „Schon bei der letzten Heiligtumsfahrt gehörte ich zum Organisationsteam“, erzählt Hübscher. „Auch dieses Jahr war für mich klar, dass ich mich wieder beteiligen möchte.“ Der Aachener und seine Familie stehen dem Dom sehr nah. Sein Sohn besuchte schon als Kind die Domsingschule und singt heute im Domchor, Hübscher selbst wirkt seit Jahren als Kommunionhelfer. „Vor allem die Verbindung der Tradition, für die unsere Reliquien stehen, und der modernen Veranstaltungen als Angebot der Heiligtumsfahrt gefällt mir sehr“, beschreibt es der Aachener. „Es ist ein schönes Gefühl, auch Gläubigen aus anderen Städten ,unseren Dom‘ zu zeigen.“ 

Die Tradition, auf die sich Hübscher beruft, ist viele hundert Jahre alt: Der Geschichte nach erhielt Karl der Große rund 800 nach Christus die vier Reliquien als Geschenk aus Jerusalem und bewahrt diese seither als großen Schatz im Aachener Dom auf. Die Heiligtümer bestehen aus dem Kleid Marias aus der Nacht, in der Jesus geboren wurde, aus den sogenannten Windeln Jesu, mit denen Maria dem Kind Schutz gab, aus dem Tuch, in das man den Kopf des heiligen Johannes des Täufers nach der Enthauptung barg, und aus dem Lendentuch Jesu, das er am Kreuz getragen haben soll. Seit 1349 werden die Reliquien alle sieben Jahre den Gläubigen aus dem europäischen Raum und aus aller Welt gezeigt und dazu für den Zeitraum von zehn Tagen aus dem goldenen Marienschrein im Aachener Dom entnommen. Die Pilger erleben dabei eine unvergleichliche Gemeinschaft der Gläubigen und erspüren ihren Glauben neu. „Mein Highlight im letzten Jahr war die allabendliche Vesper“, erinnert sich Hübscher. „Um 22 Uhr war der Dom brechend voll. Wir haben gemeinsam gebetet und Messe gefeiert. Mit einem gemeinsamen Gute-Nacht-Lied wurden die Besucher dann auf den Nachhauseweg geschickt. Das war eine wunderschöne Atmosphäre.“

Auch Ehrenamtler Joachim Hark zieht, ähnlich wie Wolfhard Hübscher, vor allem mit seinen Erinnerungen an die letzte Heiligtumsfahrt die Passanten in den Bann. Als begeisterter Motorrad-Fan durfte Hark die Biker-Messe begleiten, die auch im kommenden Jahr wieder festes Element der Heiligtumsfahrt sein wird. „200 Maschinen haben daran teilgenommen. Sie sind mit Polizeieskorte von der Neuenhofstraße zum Aachener Katschhof begleitet worden“, erinnert er sich mit leuchtenden Augen. „Dort feierten alle gemeinsam unter der Leitung von Hardy Hawinkels, der selbst leidenschaftlicher Biker ist, Messe. Es läuft mir heute noch kalt den Rücken runter, wenn ich an den Tag denke. Wahnsinn!“ 
Auch bei der Heiligtumsfahrt 2021 vom 18. bis 28. Juni wird es unter dem Motto „Entdecke mich“ viele unterschiedliche Angebote für verschiedene Zielgruppen geben. Ob in Workshops, Jugendmessen, in den abendlichen Gottesdiensten oder aber auf der Bikermesse auf dem Katschof mit dem biblischen Leitwort „Für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16,15) sind die Pilger eingeladen zu überlegen, wie sie Jesus als den von Gott gesandten Christus anerkennen. Darüber hinaus ist es eine Gelegenheit, das Wahrhaftige im Menschen und in sich selbst zu finden, Christus und den Glauben neu oder anders zu entdecken und vor allem mit anderen Gläubigen den Glauben zu leben. „Das Entdeckermobil gibt dafür schon jetzt Möglichkeit“, schildert Dompropst Rolf-Peter Cremer. „Wir möchten Lust machen auf das, was im nächsten Jahr mit der Heiligtumsfahrt kommen wird.“

Das Entdecker-Mobil wird noch häufiger in Krefeld zu Besuch sein. Eine genaue Terminierung gibt es bisher noch nicht. Am 20. September aber ist das grüne Elektromobil in Mönchengladbach beim „Tag der Mobilität“ zu Besuch. Weitere Informationen rund um die Heiligtumsfahrt 2021 im Internet auf www.heiligtumsfahrt-aachen.de.

Das Entdeckermobil on Tour

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