Ein gegenseitiges Geben und Nehmen

Die Kolumbienpartnerschaft des Bistums Aachen lebt vom Austausch. Diesmal war Padre Manuel zu Gast

Die Partnerschaft des Bistums Aachen und der katholischen Kirche Kolumbiens vollendet bald ihr sechstes Jahrzehnt. Padre Manuel Hernando Vega León reiste nun mit Pastoralreferent Thomas Hoogen durch die deutsche Diözese. (c) Thomas Hohenschue
Die Partnerschaft des Bistums Aachen und der katholischen Kirche Kolumbiens vollendet bald ihr sechstes Jahrzehnt. Padre Manuel Hernando Vega León reiste nun mit Pastoralreferent Thomas Hoogen durch die deutsche Diözese.
Di 27. Aug 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 35/2019 | Thomas Hohenschue

Bald sind es bereits sechs Jahrzehnte, welche das Bistum Aachen und die katholische Kirche Kolumbiens miteinander verbinden. Wechselseitige Besuche vertiefen die Beziehungen auf vielen Ebenen. Nun war der Partnerschaftsbeauftragte der Kolumbianischen Bischofskonferenz zu Gast in Deutschland.

Als Padre Manuel Hernando Vega León vor Jahren unter verschiedenen Aufgaben auch diese besondere übernahm, empfand er ziemlichen Respekt davor. Es ging ihm wie allen, die in diese facettenreiche Partnerschaft eintauchen: Die Fülle von Fremdheit fordert. Was hilft, das zu überwinden, ist die konkrete Begegnung. Als 2016 „sein“ erster Besuch aus Deutschland mit ihm in Kolumbien Kontakt aufnahm, schöpfte er Hoffnung, bekennt er freimütig. Inzwischen schwimmt der Priester frei im Wasser, es ist nicht mehr so kalt wie am Anfang, man hat seine eigene Identität, auch religiös und kirchlich. Und lernt doch mit offenen Augen und Ohren die Wirklichkeit des Gegenübers kennen. Wie auch diesmal in Deutschland: Begleitet von Pastoralreferent Thomas Hoogen, nahm er Tuchfühlung mit der sozialen Wirklichkeit der Bundesrepublik auf.

 

Parallelen und Unterschiede

Padre Manuel ist inspiriert. Er sieht den historischen Reichtum, den die hiesige Kirche auszeichnet. Und nimmt aufmerksam wahr, welche inneren Konflikte sie zurzeit prägen. So wenig er etwas zur konkreten Frage der Gleichstellung von Frauen in der Kirche sagen möchte, so sehr zeigt er sich doch überzeugt, dass die Kirche sich insgesamt bewegen muss. Sie solle alle Getauften an ihrer Sendung teilhaben lassen auf der Basis des Zweiten Vatikanischen Konzils, sagt er. Auch gesellschaftlich hat sich sein Deutschlandbild differenziert. Er sieht mehr Menschen auch in diesem reichen Land, die auf der Straße leben und betteln. Padre Manuel wertet das als ein Phänomen der sozialen Ungleichheit, das er aus seiner Heimat nur zu gut kennt. Ebenfalls sieht er bei uns viele Menschen aus anderen Ländern, Zuwanderer, Geflüchtete. Auch das ist auf den ersten Blick eine Parallele zur kolumbianischen Gesellschaft. Schaut man genauer hin, denkt man etwas mehr nach, werden die Unterschiede offenkundig. Die Dimensionen sind einfach sehr verschieden: Während bei uns Rechtspopulisten die Bevölkerung wegen 1,5 Millionen Flüchtlingen aufhetzen, integrieren die kolumbianischen Kommunen ein Mehrfaches dieser Zahl, Menschen aus Krisenregionen Kolumbiens und zunehmend Venezuelaner, die vor Gewalt, Armut, Hunger aus ihrem Land flüchten.

Im Gespräch macht Padre Manuel deutlich, dass die kolumbianische Kirche sich entschieden an die Seite der Geflüchteten stellt. Sie hilft, wo sie kann, zum Beispiel in den Grenzregionen. Politische Verwerfungen wie bei uns kennen die Kolumbianer noch nicht, sie meistern die Herausforderungen solidarisch, obwohl ihre finanziellen Möglichkeiten deutlich schlechter sind als bei uns. Padre Manuel räumt ein, dass sich neuerdings auch kritische Töne in die Debatte mischen, etwa in der Frage, wie sich der Arbeitsmarkt für Einheimische ausgestaltet, wenn der Zustrom von Zuwanderern aus dem Nachbarland so anhält. Bei manchen Gesprächen des kolumbianischen Partnerschaftsbeauftragten ging es nun auch um die Weiterentwicklung der Partnerschaft. In den fast 60 Jahren der Beziehungen zwischen dem Bistum Aachen und der Kirche Kolumbiens gab es immer wieder neue Etappen. Neben die Förderung des Priesternachwuchses rückten neue Aspekte in den Blick, etwa die soziale Arbeit und die Menschenrechtsarbeit.

 

Partnerschaft stark machen

Padre Manuel möchte die Partnerschaft tiefer in der kolumbianischen Kirche verankern. Die Partner aus Deutschland bringen mehr ein in die wechselseitige Beziehung als Geld, und es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen auf Augenhöhe, in Respekt vor der jeweiligen kulturellen und kirchlichen Identität. Voneinander lernen, ohne sich aufzugeben, ist das, was die Partnerschaft auszeichnet. Diesen Gedanken möchte Padre Manuel zu Hause stark machen.