Die Zukunft der Kirche wird ehrenamtlich sein

Im KiZ-Interview beklagt Wolfgang Welters, dass sich weiterhin Priester schwer damit täten loszulassen

Wolfgang Welters (c) Thomas Hohenschue
Wolfgang Welters
Do 7. Mär 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 10/2019
Mit Herz und Seele betätigt sich der Neuwerker Wolfgang Welters als Gärtner. Und zwar nicht nur in seinem Beruf. Sondern er verdingt sich genauso leidenschaftlich im Garten Gottes.

Das kirchliche Ehrenamt ist ihm Lebenselixier, von klein an. Zu Beginn des Jahres hat er alle Ehrenämter in seiner Heimat-GdG niedergelegt. Er macht jetzt erst einmal woanders weiter. Die KirchenZeitung sprach mit ihm über Hintergründe und Perspektiven.

 

Wegen unüberbrückbarer Differenzen mit Ihrem Pfarrer haben Sie in Neuwerk aufgehört. Ist das eine rein persönliche Geschichte?

Nein, im Gegenteil. Ich glaube, das ist ein strukturelles Problem, vor dem viele Gemeinschaften der Gemeinden im Bistum Aachen stehen.

 

Wie würden Sie dieses Problem beschreiben?

Allen ist klar, dass es so wie bisher nicht weitergeht, angesichts des Priestermangels. Er wird in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen. Auch den meisten Geistlichen ist das klar. Und sie bekennen sich deutlich dazu, dass künftig Ehrenamtliche ihre Aufgaben übernehmen, auch in der Pastoral.

 

Wo ist da nun das Problem?

Die Schwierigkeiten beginnen, wo es konkret wird. Viele Pfarrer tun sich bei aller Einsicht in die Notwendigkeit schwer loszulassen. Sie wollen noch in so vielen Bereichen wie möglich die Hände drauf behalten. Damit überfordern sie sich selbst und sie demotivieren Frauen und Männer, die sich ehrenamtlich engagieren.

 

Den Priestern fehlt die Zeit für Seelsorge und Eucharistiefeiern und den Ehrenamtlichen die Gestaltungsfreiheit und die Wertschätzung. Woher beziehen Sie diese Erkenntnis?

Ich komme viel im Bistum Aachen herum, erst recht, seitdem ich mich im Prozess „Heute bei dir“ engagiere, über Themenforum und Teilprozessgruppe. Da höre ich, wie schon früher auf Treffen der Pfarrgemeinderäte, dass meine frustrierenden Erfahrungen von sehr vielen Ehrenamtlichen geteilt werden. Überall gibt es GdG, in der Priester nicht über ihren klerikalen Schatten springen können. Am Ende wollen sie doch überall noch das letzte Wort haben.

 

Worin liegt für Sie ein Ausweg?

Meines Erachtens müsste das Bistum auf seine Geistlichen einwirken, sie in ihrem Selbstverständnis fortbilden. Wir Ehrenamtlichen können auf ein wirklich vorzügliches Angebot zurückgreifen. Die Diözese bildet uns in vielfacher Hinsicht weiter und stellt uns unter dem Stichwort „Verantwortung teilen“ Hilfen an die Seite. Ich habe davon schon sehr profitiert. Dieser wertvollen Erfahrung sollten sich auch Priester öffnen.

 

Wie sehen Sie die Zukunft?

Persönlich bleibe ich an Bord. Wenn es jetzt lokal nicht geht, engagiere ich mich im Regionalen Katholikenrat und bei „Heute bei dir“. Was das Bistum selbst betrifft, denke ich, werden wir 2021 größere Pfarreien kriegen. Und ich meine: Die Verwaltung kann man ruhig verändern. Was aber bleiben muss, ist das kirchliche Leben vor Ort. Das wird in Zukunft noch stärker als bisher ganz wesentlich von Ehrenamtlichen getragen sein. In diese Zukunft müssen wir schon heute die Wege legen.

 

Das Gespräch führte Thomas Hohenschue