Dialog ins Handeln führen

Lebendiger Austausch zu den Ergebnissen der Teilprozessgruppen zum Thema „Den Glauben leben“

Für Matthias Fritz als Profi in dem Feld war es spannend, sich mit anderen in seiner Gruppe über ihre Sicht auf das Thema „Berufung“ und „Charismen“ auszutauschen. (c) Bistum Aachen/Andreas Steindl
Für Matthias Fritz als Profi in dem Feld war es spannend, sich mit anderen in seiner Gruppe über ihre Sicht auf das Thema „Berufung“ und „Charismen“ auszutauschen.
Mi 3. Jul 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 27/2019 | Andrea Thomas

Am Ende gab es auch im Aachener Pius-Gymnasium viele beschriebene „Tischdecken“. Darauf hatten die 150 Teilnehmer ihre Anregungen an die Teilprozessgruppen verewigt. Diese hatten mit Hilfe des „Graphic Recordings“ vorgestellt, was sie in den vergangenen Monaten erarbeitet haben, ehe es in kleinere Gesprächsrunden ging.

Für die Mitglieder der Teilprozessgruppen („Gottesdienst und Gebet“, „Begleitung von Menschen auf ihrem Glaubensweg“, „Begleitung in Ehe und Familie“,„Charismenorientierung“ und „Dialog“) war der Tag so etwas wie eine Rückversicherung. „Verstehen die Menschen, was wir gemacht haben und was wir meinen? Entspricht das auch ihrer Sicht?“, fasst Domvikar Matthias Fritz aus der Gruppe „Charismenorientierung“ zusammen. „Gut mit den Menschen über unsere Ergebnisse ins Gespräch kommen und noch mal einen ,Kick‘ für unseren Schlussspurt und den Abschlussbericht“, beschreibt Martina Lesmeister, Gemeindereferentin aus der GdG Hückelhoven und Mitglied der Gruppe „Begleitung von Menschen auf dem Glaubensweg“, ihre Erwartungen an das Themenforum. 

 

Konstruktiv miteinander gerungen

In allen fünf Teilprozessgruppen ist in den vergangenen Monaten viel recherchiert, erarbeitet und zum Teil kontrovers diskutiert worden. Aber immer in einem guten und konstruktiven Miteinander, wie die Mitwirkenden fast unisono erklären. Sie hätten miteinander gerungen, aber niemand niedergerungen. Als positiv haben die meisten auch die heterogene Gruppenzusammensetzung empfunden. So seien immer wieder auch Aspekte und Sichtweisen angesprochen worden, die man selbst gar nicht im Blick gehabt habe. Natürlich ist auch das ein oder andere durch den berühmten Rost gefallen, dafür war in mancher Gruppe die Themenvielfalt zu groß oder die Zahl der Mitwirkenden zu klein.

„Wir waren nur eine kleine Gruppe, in der wir sehr intensiv gearbeitet haben, aber wir mussten auch Mut zur Lücke haben“, fasst Georg Kaiser die Erfahrungen der Gruppe „Begleitung in Ehe und Familie“ zusammen. Eine gute Ehevorbereitung – da gebe es tolle Ansätze und Ideen leider nur punktuell im Bistum – sei wichtig, so eines ihrer Ergebnisse. Darauf baue vieles auch für die Begleitung von Familien auf. „Wir würden gerne weiterarbeiten“, erklärt Georg Kaiser. Zum Beispiel daran, wie wiederverheiratete Geschiedene Heimat in der Kirche finden können.

 

Chance, Dinge neu und anders zu denken

„Wahnsinn, wie viele unterschiedliche Themen und Ansichten in unserer Gruppe angesprochen wurden“, beschreibt Maren Frank aus Würselen, die sich dort vielfältig in der Pfarrei engagiert, ihren Eindruck aus ihrer Gruppe „Gebet und Gottesdienst“. So hätten sie unter anderem über verschiedene Formen zu beten diskutiert, über die Qualität von Gottesdiensten oder über heilige Messe versus Wortgottesfeier. „Wichtig ist, dass Menschen sich damit wohlfühlen“, zieht sie ein Fazit für sich. Auch verschiedene Werkzeuge wie das „Graphic Recording“ und den Blick über den eigenen Tellerrand empfand sie als bereichernd.

Das ging auch Matthias Fritz, bis vor Kurzem im Bereich Berufungspastoral tätig, ähnlich: „Im Austausch haben sich auch für mich neue Aspekte aufgetan. Es geht um eine Kultur der Berufung in Kirche und Leben.“ Darum sei von der Helfersuche in der Gemeinde weg und hin zu Verwirklichungsräumen zu kommen. Die Gruppe „Begleitung auf dem Glaubensweg“ hatte sich thematisch aufgeteilt in „Katechese“ und „alles andere“. Wobei „alles andere“ in den Gemeinden oft zu kurz komme.

„Begleitung ist so vielfältig und darf nicht nur an Katechese festgemacht sein, wenn wir das Reich Gottes für Menschen erlebbar machen wollen“, fasst Martina Lesmeister zusammen. In „Heute bei dir“ liege daher eine große Chance, das neu und anders zu denken. Potenzial sehen auch Bernhard Stein aus Mönchengladbach und Ruth Quarch aus
Aachen, trotz eigener Fragen an den Prozess und Zweifel auf seine Wirksamkeit hin. In der Gruppe „Dialog“ haben sie sich mit dem innerkirchlichen, ökumenischen und interreligiösen Dialog beschäftigt. „Wir haben als Gruppe mit dem System gerungen. Die Empirie hat uns Ehrenamtliche viel Zeit und Nerven gekostet“, sagt Bernhard Stein. Aber ihr Austausch sei inhaltlich, gerade durch unterschiedliche Meinungen, sehr fruchtbar gewesen. „Da entsteht schon ein Spannungsfeld, wenn Ergebnisoffenheit auf kirchliche Autoritäten trifft. Aber auch eine Chance, sich als Dialogpartner zu zeigen.“ Wenn der Dialog nicht ins Handeln führe, werde er jedoch scheitern.

Das Themenforum im Pius-Gymnasium

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