„Das geht manchmal schon ans Eingemachte“

Ausbildung zum Begräbnisdienstleiter seit 2006 in der Region. Aktuell findet wieder ein Kurs statt

Gerd Funk ist ehrenamtlich im Begräbnisdienst. (c) Ursula Weyermann
Gerd Funk ist ehrenamtlich im Begräbnisdienst.
Di 19. Mär 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 12/2019 | Ursula Weyermann
„Zum Paradies mögen Engel dich geleiten.“ Ein Lied, das Gerd Funk gerne einsetzt, wenn er Menschen beim Abschiednehmen begleitet.
Trost spenden, darin sieht Gerd Funk seine Aufgabe. (c) Ursula Weyermann
Trost spenden, darin sieht Gerd Funk seine Aufgabe.

Findet ein Begräbnis in der GdG Düren-Nord statt, kann es durchaus sein, dass die Feier von ihm geleitet wird. Er ist ein Laie, der für dieses Amt intensiv geschult worden ist. Von Toni Straeten und Maria Buttermann. Derzeit findet in den Räumen der ehemaligen Landwirtschaftsschule wieder ein „Kurs zur Befähigung zum Begräbnisdienst durch Laien in den Regionen Düren und Eifel“ statt. Hinter dem etwas sperrigen Titel verbirgt sich ein Angebot für Menschen, die schon in ihren Gemeinden aktiv sind und sich jetzt an das Thema „Begräbnis“ heranwagen. Solche Menschen, oftmals Rentner und Ruheständler, werden dann von den Pastoralreferenten oder Pfarrern angesprochen und – so sie denn wollen – zu diesem siebenmonatigen Lehrgang angemeldet.

„Die Ausbildungshoheit liegt in den jeweiligen Regionen“, sagt Maria Buttermann, „sie wird vom Bistum aus auf die regionalen Ebenen delegiert.“ Die Dürener Ausbildung hat über die Grenzen hinaus einen guten Ruf. „Wir spielen in der Champions-League“, sagt Toni Straeten nicht ohne Stolz. In den Anfängen des Christentums wurden Begräbnisse ausschließlich von Laien durchgeführt. Und in einer Zeit, in der immer weniger Priester immer mehr Aufgaben gerecht werden müssen, sind die hoch motivierten Laien eine Bereicherung für die Gemeinden und GdG. Schon allein deswegen, weil sie meistens im Ruhestand sind und viel Zeit zu den Gesprächen mit den Hinterbliebenen mitbringen. Sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, ist ein wichtiger Baustein der Ausbildung. Dazu gehört auch, selbst die eigene Todesanzeige zu gestalten. „Das geht schon manchmal ans Eingemachte“, resümiert Gerd Funk. „Aber das hat schon einen tieferen Sinn und muss mehrdimensional verstanden werden.“ Man könne sich so besser einfühlen in die Situation der Menschen, die man berate. Und man müsse sich noch einmal über den eigenen Glauben klar werden.

Der eigene Glaube und die Auferstehungshoffnung sind ein weiterer Baustein der Ausbildung. Dazu kommen der Ritus der Begräbnisfeier, das Kondolenzgespräch, die Gestaltung der Begräbnisrede, eine Bekanntmachung mit den Ortspfarrern und eine Abschluss-Auswertung. Einen großen Wert legt Pfarrer Straeten auch auf das Hospitieren der Anwärter bei anderen Trauerfeiern. Schließlich soll niemand ins kalte Wasser gestoßen werden. Vor 30 Jahren startete das Bistum Aachen mit den ersten Kursen. Seit 2006 ist die Region Düren/Eifel mit Maria Buttermann und Toni Straeten im Boot. „Wir sind ein eingespieltes Team“, freut sich die Pastoralreferentin. Gerade leiten beide den siebten Kurs in ihrer Region. „Wir bilden aus nach Bedarf“, sagt der Dürener Seelsorger. „Allen Teilnehmern gemein ist der hohe Respekt vor der Aufgabe.“ Ob abschließend alle den Dienst antreten? „Es gibt wenige, die nach der Ausbildung sagen: ,Ich kann das nicht.‘ Dann ist das auch in Ordnung so. Aber wir sind nicht in der Rolle, Leute auszusortieren“, erklärt Frau Buttermann. Natürlich sei ihm ein bisschen mulmig zumute gewesen vor seinem ersten Begräbnisdienst, gibt Gerd Funk unumwunden zu. „Aber ich habe mich nie alleine gefühlt“, so der Schulrat im Ruhestand. Er hätte sich immer an Buttermann wenden und auf deren Fundus an Texten zurückgreifen können. Und es sei einfach hilfreich gewesen, bei anderen Begräbnissen dabei zu sein. „Das nimmt man dann mit anderen Augen und Ohren wahr.“

Er sei auch bei einem Kondolenzgespräch dabei gewesen und habe Anregungen mitgenommen in puncto „Wie steigt man in die Kommunikation ein in einem Haus, in dem getrauert wird? Wie sehen die Hinterbliebenen den Verstorbenen? Was haben sie über ihn und sein Leben und seine Werte zu erzählen?“ – „An diesem Punkt unterscheidet sich auch eine christliche Beerdigung deutlich von einer Beisetzung mit Trauerredner“, sagt Funk. „Die Trauerredner gehen eher auf die biografischen Daten des Verstorbenen ein, während die christlichen Begräbnisdienstleiter eher seine Persönlichkeit in den Vordergrund stellen.“ Wie stand der Verstorbene zum Glauben? Sind die Angehörigen gläubig? Das seien Punkte, die für das Kondolenzgespräch richtungsweisend seien, meint Funk. „Gibt der Glaube Hoffnung? Hat der Glaube dem Sterbenden Hoffnung gegeben?“ Gerd Funk sieht seine Aufgabe hauptsächlich darin, Trost zu spenden und vielleicht auch Nichtgläubigen oder Nicht-mehr-Glaubenden Denkanstöße zu geben. „Natürlich fallen Trösten und Anteilnahme immer unterschiedlich aus“, sagt der Katholik. „Es macht schon einen starken Unterschied, ob der Verstorbene alt und nach langer Krankheit der Tod für ihn und seine Angehörigen eine Erlösung war oder ob ein Kind durch einen tragischen Verkehrsunfall mitten aus dem Leben gerissen wurde.“ Dabei weiß Funk, dass „Sprache nicht alles abdeckt“ und setzt deswegen manchmal bewusst Bilder ein. Wichtig sei, authentisch zu sein. „Sonst kommt man nicht an die Menschen ran.“ „Die Schleusenzeit ist die Hochzeit der Seelsorge“, sagt Toni Straeten. Der Begriff Schleusenzeit entstammt dem Gezeitenmodell der Trauerexpertin Ruthmarijke Smeding. Sie bezeichnet die Zeit vom Todeszeitpunkt bis zur Bestattung. „Das ist die letzte gemeinsame Zeit der Angehörigen mit dem Verstorbenen“, sagt Straeten. „Uns Seelsorgern obliegt dann die Rolle des Schleusenwächters.“ Straeten und Buttermann raten ihren Auszubildenden immer wieder, sich so viele Beerdigungen wie möglich anzuschauen. Jeder hat seine eigene Art, die Feier vorzunehmen. So können sich die zukünftigen Laien-Seelsorger ein Bild machen: Was passt zu mir, was passt nicht zu mir? Und wie finden die Angehörigen und die Laien zueinander?

In den Gemeinden oder GdG würden nach Absprache mit Priestern und Ehrenamtlern Pläne erstellt, wer wann Zeit für Trauergespräche und Begräbnisse hätte, erklärt Maria Buttermann. „So werde ich dann angerufen, wenn während ,meiner‘ Zeit jemand in der Gemeinde stirbt“, sagt Gerd Funk. „Dann vereinbare ich mit den Angehörigen einen Termin, lasse sie über den Verstorbenen erzählen und frage, ob ihnen der Ablauf geläufig ist.“ Wenn dem nicht so ist, erklärt er den liturgischen Ablauf und fragt nach, ob eventuell mit dem Bestatter eine bestimmte Musik vereinbart worden sei. Die Aufgabe des Begräbnisdienstes übernimmt Funk immer wieder gern und mit viel Herzblut. Eines ist für ihn sicher: „Man kann das nur machen, wenn man für sich selbst die Glaubensaussage angenommen hat.“

Das geht manchmal schon ans Eingemachte (c) Ursula Weyermann