Das Schiff bleibt auf Kurs

Trotz aktueller Schlagzeilen: Das Bistum Aachen schaut erfreut auf eine solide finanzielle Ausstattung

(c) www.pixabay.com
Di 10. Dez 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 50/2019 | Thomas Hohenschue

Es hätte ein Tag der guten Nachrichten werden sollen. Die Aachener Diözese blickt auf ein weiteres finanziell erfolgreiches Jahr zurück. Doch Leben ist das, was jenseits der Pläne geschieht. Es wurde ein Tag der schlechten Nachrichten. Eine Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Weihbischof Johannes Bündgens erhoben. Der Vorwurf: Unterschlagung von privaten Mitteln von einer Person, die nicht mehr geschäftsfähig ist. Die Resonanz ist, der Schwere der Beschuldigung entsprechend, desaströs.

Während eine Pressemitteilung des Bistums die Öffentlichkeit darüber informiert, dass der beliebte Geistliche alle Ämter ruhen lässt, Bischof Helmut Dieser schockiert ist und lückenlose Aufklärung verlangt, bemühen sich Generalvikar Andreas Frick und Finanzdirektor Joachim Eich um Schadensbegrenzung.

Das, was sie vorzutragen haben, ist in der Tat eine echte Erfolgsmeldung. 15 Jahre nach seiner Finanzkrise steht die Diözese finanziell bestens da. Das Bilanzvolumen stieg auf 850 Millionen Euro, Rückstellungen und Rücklagen sind gewachsen. Vom großen Ziel, ein Jahresbudget vorzuhalten für schlechte Zeiten, war man Ende 2018 noch 70 Millionen Euro entfernt – gut möglich, dass es bald erreicht ist. Bitter: Quer durch die Bundesrepublik verbreiten sämtliche Nachrichtenticker die schlechte Kunde vom angeklagten  Aachener Weihbischof, mit immer neuen Details. Währenddessen werben Generalvikar und Finanzdirektor um Vertrauen. Im Vorfeld hatten sie sich überlegt, die Bemühungen um die Prävention von sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche als Topthema zu setzen. Die Überschrift des Berichts und der Pressekonferenz lautete: „Vertrauen Raum geben“. Und auch sonst gab es eine zentrale Botschaft: Wir als Bistum Aachen sind verlässlich – sowohl für die Gemeinden und die Verbände als auch für die Mitarbeiter, jetzt und wenn sie pensioniert werden. 

 

Verlässlichkeit und Planungssicherheit, Handlungsfähigkeit und Innovationskraft 

Das Schiff hält Kurs, mit Disziplin bei den Ausgaben, mit einer vorsichtigen Anlagepolitik, mit der Aufstockung von Rücklagen und Rückstellungen. Dies alles geschieht mit der Maßgabe, mittelfristig zuverlässig zu bleiben und für die Kirche im Bistum Aachen Planungssicherheit zu garantieren.

Es ist der letzte Finanzbericht, den Finanzdirektor Joachim Eich vorstellt. Er geht in Ruhestand und kann dies mit dem Gefühl tun, in einem finanzpolitisch und kirchenpolitisch herausfordernden Umfeld ein gut bestelltes Feld an seinen Nachfolger zu übergeben.  Gar nicht so einfach, im Niedrig- und Negativzinsumfeld noch Erträge zu erzielen und gleichzeitig das Vermögen der Diözese vor plötzlichen Verlusten zu schützen. Entsprechend geht das Bistum auf Nummer sicher und bildet höhere Rückstellungen, um Ruhestandsgelder in gesetzlicher Höhe vorzuhalten.

Manche einmaligen Posten schlagen zu Buche, etwa die Sanierung des Bischöflichen Generalvikariates und die damit verbundenen Umzüge inklusive dem des Diözesanarchivs. Und auch den „Heute bei dir“-Prozess gibt es nicht zum Nulltarif. Apropos: Dem Generalvikar ist wichtig, dass der solide Haushalt die nötige Flexibilität garantiert, Entscheidungen des Bischofs umzusetzen, die sich aus dem Prozess ergeben. Das Bistum Aachen sei handlungsfähig, um auf Veränderungen der Bedürfnisse der Menschen zu reagieren und neue Aktivitäten zu unterstützen, sagte Andreas Frick. Rückenwind für diese hoffnungsvolle Perspektive gibt das Kirchensteueraufkommen, das weiterhin Rekordzahlen schreibt. Das konjunkturelle Umfeld ist ungebrochen gut, die Beschäftigungsquote hoch. So wird es wohl auch 2019 sein. Das überdeckt die wirtschaftlichen Effekte, die wachsende Kirchenaustritte auf die Einnahmen haben. 

 

Ein Dompropst mit Sorgenfalten auf der Stirn 

Die Finanzlage des Aachener Domkapitels ist unausgeglichen. Inzwischen wird das Zweckkapital aufgezehrt 

Das Domkapitel ist eine eigene Körperschaft. Das betrifft nicht nur seine besondere Stellung im Gefüge des Bistums Aachen. Sondern es bedeutet auch, dass es eine eigene finanzielle Struktur hat. Und deren Lage unterscheidet sich fundamental von der Situation der Diözese. Der Anstieg der Kirchensteuer kommt dem Domkapitel zum Beispiel nicht zugute.

Sein erstes Mal als Dompropst: Rolf-Peter Cremer stellt den Finanzbericht vor. Wenig Zeit hat er dafür und sagt auch nicht viel. Während das Bistum seine Rücklagen und Rückstellungen erheblich aufstocken konnte, sieht es beim Domkapitel anders aus. Zwar gibt es recht stabile Erlöse und Zuwendungen. Sie stammen aus den Immobilien des Domkapitels, aus öffentlichen Zuschüssen und nicht zuletzt aus privaten Spenden. Der Dom mit seinen Einrichtungen, der Domsingschule, der Dommusik, der Dombauhütte, der Domschatzkammer, genießt hohes Ansehen und erfreut sich der vorbehaltlosen Unterstützung vieler Bürger und Vereine.

Gleichwohl legt sich die Stirn des Dompropstes in Sorgenfalten. Das Ergebnis 2018 fällt wie das der Vorjahre negativ aus. Die Rücklagen sind aufgezehrt, nun geht es an das Zweckkapital. Und das ist für diese Körperschaft auf Dauer nicht tragfähig, da sie in besonderer Weise auf flüssige Mittel angewiesen ist, um ihre laufenden Ausgaben und ihre Verpflichtungen für die Pensionen der Mitarbeiter zu stemmen. Und was die Instandhaltungsarbeiten am Weltkulturerbe betrifft, braucht es einen finanziellen Spielraum, um auf aktuelle Bedarfe reagieren zu können. Das ist weniger leicht zu kalkulieren, als man gerne möchte.

Rolf-Peter Cremer will keine Panik verbreiten, aber schon den Ernst der Lage klar machen. Der Blick auf die Zahlen des Jahresabschlusses mahne dazu, die Frage der finanziellen Konsolidierung mit der nötigen Energie und Entscheidungskraft anzugehen. Während sich manche Bereiche wie Domschatzkammer und Domführungen aus ihren Einnahmen weitgehend selbst tragen können, lässt sich das für andere Aufgabengebiete nicht sagen.  Mittelfristig einen stärkeren Ausgleich zu erzielen, heißt die Herausforderung. Für besondere Ereignisse wie die nahende Heiligtumsfahrt kann sich der Dom auf die ungebrochene Unterstützung vieler Privatpersonen und Firmen verlassen. Aber das alltägliche Geschehen braucht ebenfalls seine starken Förderer.

Der Aachener Dom: mitten im Leben. Finanziell ist er allerdings nicht auf Rosen gebettet. (c) www.pixabay.com