Bischof Dieser: Katholische Krankenhäuser sollen Orte von Kirche sein

(v.l.) Elmar Wagenbach, Vorsitzender der Diözesanarbeitsgemeinschaft der kath. Krankenhäuser im Bistum Aachen, Bischof Dr. Helmut Dieser, den Vorsitzenden des Caritasverbandes für das Bistum Aachen, Weihbischof Dr. Johannes Bündgens, und Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders (c) DiCV Aachen
(v.l.) Elmar Wagenbach, Vorsitzender der Diözesanarbeitsgemeinschaft der kath. Krankenhäuser im Bistum Aachen, Bischof Dr. Helmut Dieser, den Vorsitzenden des Caritasverbandes für das Bistum Aachen, Weihbischof Dr. Johannes Bündgens, und Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders
Do, 13. Sep 2018
Christian Heidrich

Der Aachener Bischof Dr. Helmut Dieser hat die katholischen Krankenhäuser im Bistum ermuntert, „erkennbar katholische Krankenhäuser“ zu bleiben. „Wir haben das Bild, dass der Mensch ein Mensch und kein Fall ist“, sagte Dieser vor der Diözesanarbeitsgemeinschaft der Katholischen Krankenhäuser im Bistum Aachen im Haus der Caritas in Aachen.

Er sei dankbar, dass das christliche Menschenbild in der Gesellschaft nach wie vor gängig und akzeptiert sei, sagte Dieser weiter. „Aber es bröckelt am Anfang und am Ende des Lebens: Wann beginnt der Mensch, Mensch zu sein? Und wie darf der Mensch human sterben?“ Gefragt werden müsse in diesem Zusammenhang auch danach, wie die Gesellschaft mit der Bewältigung von Leid umgehe. „Damit geht unsere Gesellschaft längst nicht mehr christlich um. Da sind wir vielleicht am meisten gefordert“, meinte Dieser vor Trägervertretern, Geschäftsführern, ärztlichen Direktoren und Pflegedirektoren der katholischen Krankenhäuser.

Dieser ermunterte die Krankenhausvertreter im Zusammenhang mit dem Dialog-Prozess „Heute bei Dir“ im Bistum Aachen darüber nachzudenken, wodurch katholische Krankenhäuser im Bistum Aachen ein Ort von Kirche seien. Dabei müsse es zunächst um Inhalte, dann um Strukturen gehen. So wie es die „katholische Welt“ nicht mehr gebe, in der alles, was geschehe, einen Bezug zum Glauben gehabt habe, habe sich auch die Situation der katholischen Krankenhäuser verändert. „Auch das katholische Krankenhaus ist keine kleine katholische Welt in sich mehr“, sagte Dieser weiter.

Der Bischof machte deutlich, dass das Katholische in einem katholischen Krankenhaus auch darin liege, dass „es selbstverständlich katholische Seelsorge vorhält“. Das werfe aber neue Fragen in der Kirche auf etwa die nach dem Gegenüber von kategorialer und territorialer Seelsorge. Mit kategorialer Seelsorge ist in der Kirche die Seelsorge gemeint, die sich an Aufgabenfeldern orientiert, wie die Krankenhausseelsorge. Territoriale Seelsorge meint die Seelsorge in der Fläche. Dieser räumte ein, dass es da einen Wandel gebe: „Ich glaube, dass Kategorie und Territorium immer weiter ineinander übergehen, und wir müssen die Frage an uns heranlassen: Ist die Seelsorgestelle im Krankenhaus vielleicht mindestens so wichtig wie die Pfarrstelle?“

Dieser sprach sich in der Krankenhausseelsorge für gute Zusammenarbeit auch in der Ökumene aus. „Wir sollten im Krankenhaus nicht konfessionelle Trennung zementieren Das macht uns absolut unglaubwürdig.“ Im Gegenteil müsse vielmehr deutlich werden, dass die christlichen Konfessionen dieselbe Botschaft verkündeten: „Die Idee von Seelsorge ist in allen christlichen Konfessionen gemeinsam: Dass wir durch Jesus Christus an einen Gott glauben, der die Menschen zum Leben berufen hat, der ihnen die Treue hält – auch in Krisen, der den nächsten Schritt kennt, der ihnen hilft, der jedem Menschen sagt: Wenn du mir begegnen willst, dann geh zu den kranken Menschen.“ Die Kirche habe den Auftrag, so Dieser weiter, Menschen nicht zufällig aufzusuchen, sondern zielstrebig zu den Menschen zu gehen, die am Rande stünden. Und dabei solle sie „die Frage nach Gott auslösen, ohne aufdringlich zu sein oder gar moralisierend, aber immer so, dass am Horizont schimmert: Gott ist in deinem Leben zugegen“.

Die beim Caritasverband für das Bistum Aachen angesiedelte Diözesanarbeitsgemeinschaft der Katholischen Krankenhäuser im Bistum Aachen dient dem fachlichen Austausch und dem sozialpolitischen Engagement der 21 katholischen Krankenhäuser im Bistum Aachen. Sechs davon liegen in der Stadt Krefeld, fünf in Stadt und Städteregion Aachen, vier im Kreis Düren, drei im Kreis Heinsberg, zwei in Mönchengladbach und eines im Kreis Viersen.

Bischof Dieser war vom Vorsitzenden des Caritasverbandes für das Bistum Aachen, Weihbischof Dr. Johannes Bündgens, von Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders und vom Vorsitzenden der Diözesanarbeitsgemeinschaft, Elmar Wagenbach, begrüßt worden.