Bedrohtes Paradies

Vanuatu ist Partnerland des Weltgebetstags am 5. März, der diesmal anders abläuft als normalerweise

Malerisch wirken die Inseln im Pazifik nur auf den ersten Blick. Der Klimawandel trifft sie hart. (c) Phillip Capper via wikimedia commons
Malerisch wirken die Inseln im Pazifik nur auf den ersten Blick. Der Klimawandel trifft sie hart.
Datum:
Mi. 17. Feb. 2021
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 07/2021 | Andrea Thomas

Es gibt eine ganze Reihe fester, sich wiederholender Daten im kirchlichen Jahreslauf, für die, die sich vor Ort engagieren, für die, die am Glaubensleben teilhaben wollen, und auch für die, die davon berichten. Ein solches Datum ist der ökumenische Weltgebetstag der Frauen, der immer am ersten Freitag im März stattfindet, dieses Mal am 5. März. Einen Tag lang wandert ein gemeinsames Gebetsanliegen um die Welt und verbindet Frauen in inzwischen mehr als 150 Ländern. 

Normalerweise. Vor Ort kommen an dem Tag überwiegend Frauen zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammen. Mal ist die evangelische Gemeinde Gastgeberin, mal die katholische. Im Mittelpunkt der Gottesdienstordnung steht das jeweilige Partnerland – 2021 der Inselstaat Vanuatu im Pazifik – mit dem Leben der Menschen dort. Die Vorbereitungsgruppen greifen dies auf, setzen eigene Schwerpunkte und für gewöhnlich gibt es im Anschluss noch die Möglichkeit zum Austausch. – Normalerweise. Doch was ist im Moment schon „normal“.

In den beiden Aachener Bistumsregionen gibt es eine weitere Tradition. Zur Vorbereitung und Einstimmung lädt die regionale Frauenseelsorge mit einem ökumenischen Vorbereitungskreis meist im Januar zu einer gemeinsamen Liturgiewerkstatt. Hier treffen sich Frauen der örtlichen Vorbereitungsteams, üben die Lieder und besprechen die Gottesdienstordnung. In Workshops werden einzelne Elemente vertieft wie die ausgewählten Bibelstellen oder das immer von einer Künstlerin aus dem Partnerland gestaltete Titelbild. Zwischendrin gibt es eine Pause, in der die Teilnehmerinnen bei landestypischem Gebäck und Fingerfood, das einige vorbereitet haben, in den Austausch miteinander kommen können. Viele sehen sich das ganze Jahr über nicht und freuen sich, einander hier wieder einmal zu begegnen. – Normalerweise.

Unser „neues Normal“ heißt Videokonferenz, und so findet auch die Liturgiewerkstatt 2021 Ende Januar per Zoom statt. Begegnung am Bildschirm statt „in echt“. Einladende oder Moderatorin ist Annette Jantzen, Frauenseelsorgerin für Aachen-Stadt und Aachen-Land, die an diesem Nachmittag von ihrer Dürener Kollegin Petra Graff unterstützt wird. Zugeschaltet sind – mal nur mit Bild, mal nur mit Ton, die meisten mit beidem – 
20 Frauen, evangelisch und katholisch, überwiegend aus den beiden Aachener Regionen, aber es ist auch eine Interessierte aus dem Bistum Bamberg dabei, die im Internet auf die Werkstatt stieß.

Brennendste Frage schon in der Vorstellungsrunde: „Wie macht Ihr das in diesem Jahr? Mit Präsenzgottesdienst oder online?“ Am liebsten würden alle in Präsenz gehen, schon wegen der Atmosphäre, aber es gibt viele Fragezeichen. Zuallererst die nach dem, was die Corona-Schutzverordnung am 5. März voraussichtlich überhaupt erlaubt. Dann die nach einem Raum, in dem man mit dem vorgeschriebenen Abstand zusammenkommen kann. Und soll man alles, was man darf? Schließlich sind die typischen Weltgebetstagsfrauen zumeist 60, eher noch älter als 70 Jahre. Da hätten sie ja als Organisatorinnen auch eine Verantwortung, wie eine Teilnehmerin erklärt. Wie kann also ein Weltgebetstag dieser Tage aussehen?

Da, wo es eine große Kirche gibt und die Teilnehmerzahl eher überschaubar sein wird, geht der Trend zum Gottesdienst unter Hygieneauflagen. „Mit Abstand ist es im Gottesdienst zurzeit nicht sehr einladend, aber es ist gut, dass wir es trotzdem machen – wo es geht“, sagt Angelika Quadflieg, langjährige Regionalvorsitzende der KFD Aachen-Stadt aus 
St. Severin Eilendorf. In Alsdorf sind zwei Präsenzgottesdienste in den größten katholischen Kirchen St. Castor und St. Cornelius geplant sowie ein Online-Gottesdienst unter evangelischer Federführung, erläutert Pastoralreferentin Bärbel Schumacher. In Eschweiler stehe noch nichts konkret fest, angedacht seien ein Online-Angebot und das Auslegen von Materialien, um zu Hause am Weltgebetstag teilnehmen zu können, wenn kein Präsenzgottesdienst möglich sei, berichtet Gemeindereferentin Petra Minge. Auch anderenorts wird noch überlegt. Eine Möglichkeit ist der „Weltgebetstag aus der Tüte“. Päckchen oder Tüten mit der Gottesdienstordnung, dem Hinweis auf den Gottesdienst am 5. März, 19 Uhr auf Bibel-TV und www.weltgebetstag.de sowie einer Kleinigkeit, etwa Samentütchen, für all die, die sonst dabei sind, wegen der Pandemie aber nun nicht teilnehmen können oder möchten.

Die Tütchen mit bienenfreundlichem Samen, vom deutschen Gebetstagskomitee oder selbst gebastelt, greifen das Schwerpunktthema 2021 auf: Klimagerechtigkeit. Vanuatu ist vom Klimawandel betroffen wie kein anderes Land, und das, obwohl es keine Industrienation ist und auch sonst kaum CO2 ausstößt. Steigender Meeresspiegel, Erwärmung und Verschmutzung der Ozeane, heftige Wirbelstürme bedrohen den Inselstaat. 2015 zerstörte ein Zyklon große Teile der Insel. Das Titelbild zum WGT greift dies auf. Um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken, gilt seit zwei Jahren in Vanuatu ein rigoroses Plastikverbot. 


Klimagerechtigkeit als Schwerpunkt

Aber auch wir sind bei diesem Thema gefragt. „Das geht übers Hören und Tun“, erklärt Petra Graff. Das eine sei, das Thema im Gottesdienst aufzugreifen und zum Beispiel ein Gebetsanliegen zu formulieren, das andere, zu überlegen, was wir im Alltag tun können. Viele der Frauen, die sich vor Ort einbringen, versuchen, wie sie in der Runde berichten, beim Einkauf und im Alltag, wo es möglich ist, auf (Plastik-)Verpackungen zu verzichten, zum Beispiel über Seife statt Shampoo oder Duschbad oder Wachstücher statt Folie. „Wichtig ist, konkret zu werden. Wir brauchen einen direkten Pack-an, um das Gefühl zu haben, etwas tun zu können“, sagt Annette Jantzen.

Auch die Situation der Frauen in Vanuatu hat die Frauen bei ihrer Vorbereitung beschäftigt. Hier herrscht noch ein sehr patriarchalisches Rollenbild. Frauen sollen sich vor allem um Haushalt, Kinder und ältere Familienmitglieder kümmern. Obwohl sie über den Verkauf von Obst, Gemüse oder Näharbeiten vielfach zum Familieneinkommen beitragen, haben sie sich bei Entscheidungen dem Mann unterzuordnen. Der Anteil an Gewalt gegen Frauen ist hoch. Etwas, das die Frauen hier betroffen gemacht hat, auch wenn sie nur indirekt zu Veränderungen beitragen können. Traditionell fließt die Kollekte des Weltgebetstages auch in Projekte zur Stärkung von Frauenrechten.

Typisch für die Liturgiewerkstätten sind die Stellwände, auf denen die Teilnehmerinnen ihre Gedanken, Ideen und Gebetsanliegen auf bunten Zetteln festhalten. Etwas, das auch virtuell geht, wie Annette Jantzen den Teilnehmerinnen vorstellt. Über ein entsprechendes Werkzeug sammeln sie so gemeinsam Gebetsanliegen zum zentralen Schwerpunktthema „Klimagerechtigkeit“. Fazit: Wenn man „normalerweise“ hintanstellt, ist auch in diesen Zeiten einiges möglich. Und 2022 vielleicht ja auch wieder ein Weltgebetstag mit echter Begegnung.

Weltgebetstag 2021 mit dem Partnerland Vanatu

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