HELAU, ALAAF UND PROST NEUJAHR

Folge 20 des Blogs "WELTEN - SPRÜNGE. Eifel, Amazonas und zurück" von Friederike Peters

Karneval (c) Friederike Peters
Karneval
Datum:
Mo. 15. Feb. 2021
Von:
Friederike Peters

Du gehst mit einer Freundin gutgelaunt durch die Straßen einer x-beliebigen Stadt in Ecuador, um etwas einzukaufen oder euch mit Eis am Stiel in den Stadtpark zu setzen und - - - WUSCH - - -KLATSCH - - - zwei rote Eimer vor deinen Augen, die sich über dir entleeren, bevor du weißt, wie dir geschiet. Ihr seid beide durch und durch nass, eure Hand- und Einkaufstaschen ebenfalls. 

Karneval (c) Friederike Peters
Karneval

Alle Fußgänger rundum jauchzen und lachen bis sie selbst vom Wasser des nächsten Eimers erwischt werden, der aus dem Fenster eines vorbeifahrenden Busses geschüttet wird. Eine Blumenverkäuferin an der Straße schnappt sich in Windeseile ihren Blumeneimer, Blumen raus und - - - WUSCH - - - das Wasser hinter den Bus hergeworfen, trifft die nächste Fußgängerin. Die dreht sich um und sieht gerade noch, wie die Blumenverkäuferin vom Balkon über ihrem Stand aus, von einer dicken Wasserpistole die volle Ladung abbekommt - - -
Wo der Wasservorrat ausgeht oder etwas aufgepeppt werden soll, können in "modernen" Zeiten auch rohe Eier, Tomaten, Mehl, Farben oder Farbpulver eingesetzt werden. Gemischt mit Wasser wird das wirklich bunt - so manchem auch zu bunt - - -
Die einschlägigen Beweisfotos muss ich diesmal schuldig bleiben, da ich meine Kamera in der Schlacht nicht gleich mit schlachten wollte.

Falls du es bis dahin noch nicht wusstest - es ist Karneval in Ecuador - und vielleicht wärest du doch besser Zuhause geblieben oder hättest gleich einen Wassereimer mitgebracht, den du am Stadtparkbrunnen hättest nachfüllen können.
Aber keine Sorge, auch Zuhause hätte es dich erwischt, spätestens am Dienstagabend. Wer in Haus und Nachbarschaft bis dahin dachte sicher zu sein, den erwischt der Wassereimer der eigenen Familie. Jetzt bist du auch dran - hier gibt es einen Wasserhahn in der Küche, die sowieso schon unter Wasser steht, du schnappst dir eine leere Plastikschüssel und schüttest mit - - - WUSCH - - - und zurück - - -
Anschließend, alle nass bis auf die Haut, holen Essen und Trinken aus den Häusern, drehen die Musik auf und es gibt eine Straßenparty bis zum Morgengrauen.

Masken, Karnevalsreden, Karnevalslieder und Umzüge wie in Deutschland gibt es nicht. Der Winter muss auch nicht ausgetrieben werden am Äquator.

Im Amazonasgebiet Ecuadors wird klar, was das eigentlich soll. Hier weiß man noch den Ursprung, denn man sieht es am nächtlichen Himmel, nach langen Monaten der Abwesenheit erscheint das Sternbild der Plejaden wieder am Himmel, das Siebengestirn. Die Naporuna nennen es die Neujahrskinder. Wenn sie am Himmel erscheinen, beginnt das neue Jahr. Auch, wenn es nach "westlichem" Kalender schon zwei Monate alt ist. Hier wird das neue Jahr in der Zeit geboren, wenn anderswo der Karneval durch die Straßen zieht und wie alle Neugeborenen am Amazonas, so muss auch das neue Jahr als erstes in Wasser getaucht und gewaschen werden, "getauft" eben. Das gibt ein großes Wasserfest, DIE Wasserschlacht am Flussufer und in den Häusern, in der alle nochmal mit getauft werden. Gut, dass Tropennächte meistens heiß sind - - -
Na dann - - - PROST NEUJAHR