GUANABANA & DEMOKRATIE

Folge 30 des Blogs "WELTEN - SPRÜNGE. Eifel, Amazonas und zurück" von Friederike Peters

Lasso (c) BBC-Getty
Lasso
Datum:
Mo. 26. Apr. 2021
Von:
Friederike Peters

In fünf Monaten sind wir dran!
Ecuador hat am 11. April gewählt. Inmitten eines Wahlkrimis (siehe auch Nr. 23), der an Spannung bis zur letzten Sekunde jeden "Tatort" verblassen lässt, und dessen Hintergründe und Folgen bis heute ungeklärt sind, wurde Guillermo Lasso zum Präsidenten gewählt. Ab dem 24. Mai wird er das Land regieren.

Guanabana (c) Friederike Peters
Guanabana

Nachdem einer der aussichtsreichsten Kandidaten, der Anwalt Yaku Pérez aus der Indígena-Nation der Cañari, in der ersten Runde ausgeschlossen wurde, ging es bei der Stichwahl nur noch um die Kandidaten Lasso und Arauz. Beide hatten den Ausschluss von Pérez deutlich hörbar unterstützt. Bei der digitalen Auszählung der ersten Runde, wird Wahlbetrug vermutet, der auf rechtlich frag-würdiger Grundlage jedoch nicht weiter untersucht wurde.

So blieb den Menschen die Wahl zwischen zwei bekannten Übeln. Die meisten wählten das kleinere von ihnen, wohl wissend, dass sich so kaum etwas ändern wird an der weit offenen Schere zwischen Verelendung und Bereicherung. Das größere Übel hätte noch zusätzlich die Diktatur der traumhaften Worte und Bilder bedeutet, die, wie man bereits aus Erfahrung weiß, eiskalte Menschenverachtung lackieren.

Die Indígenabewegung entwickelte auch in dieser Situation noch eine kreative Alternative. Sie rief die Menschen dazu auf, ihre Stimmzettel bei der Stichwahl aus Protest ungültig zu machen. So stieg die Zahl der ungültigen Stimmen auf einen nie dagewesenen Höchststand und erreichte den zweiten Platz in der Gunst der Wähler, noch vor dem nun drittplatzierten Kandidaten Arauz. Die zweitgrößte Gruppe der WählerInnen hat sich wählend geweigert, zu wählen - zwischen zwei Übeln. Ein wichtiges Zeichen gelebter Demokratie in antidemokratischen Zeiten.

Unklar bleibt, ob oder wie es möglich wurde, die vermutete Manipulation bei der digitalen Auszählung, die auch 2017 bereits die Wahl bestimmt hatte, bei der Stichwahl plötzlich auszuschalten. Oder brauchte man sie vielleicht nicht mehr, weil beide Kandidaten sich vorher in irgendeiner Form geeinigt hatten?

Ein ecuadorianisches Sprichwort sagt:
Die Wahrheit fällt wie eine Guanabana.
Soll heißen, die sehr aromatische, meist sehr hoch hängende und sehr schwere Guanabanafrucht, ist erst dann reif, wenn sie von selbst zu Boden fällt. Dann zerbricht sie in Stücke, die ihren Duft sofort in der ganzen Umgebung verbreiten.
Die Wahrheit fällt wie eine Guanabana.

Demokratie ist nicht mehr selbst-verständlich, auch wenn alle davon reden. Wörtlich bedeutet sie "Herrschaft des Volkes". Wie üben wir unsere Herrschaft aus in diesen Krisenzeiten? Wie ver-antworten wir sie und uns? Oder lassen wir das doch besser die starke Frau und den starken Mann da oben machen? Alle sind wir Expertinnen innerhalb unserer kleinen Welten. Aber niemand kann Experte sein in einer globalen Welt. Das können wir nur gemeinsam. Demokratie ist unteilbar in einer globalen Welt. Wir werden nicht unsere Demokratie gestalten können, indem wir anderen Ländern unsere Preise, unsere Bedingungen und unsere Weltanschauungen diktieren.

Man kann die ganzen Leute einige Zeit zum Narren halten
und einige Leute die ganze Zeit .

aber die ganzen Leute die ganze Zeit zum Narren halten,
das kann man nicht.

(Abraham Lincoln)