Rollenbilder überwinden

Ein gerechtes Geschlechterverhältnis prägt derzeit die Diskussion mehr als das Thema „Frau und Kirche“

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Frauen Nachricht
Dienstag, 7. März 2017
Dorothée Schenk
Anfang März stehen Frauen im Mittelpunkt: beim Weltgebetstag der Frauen und zum Internationalen Frauentag. Ein Blick mit Anja Joye, Frauenseelsorgerin der Region Eifel, auf den aktuellen Stand: Frau und Kirche.
Joye Quadratisch (c) privat
Joye Quadratisch

Die Kirche ist trotz der männlichen Amtskirche vor allem auch weiblich. Das ist kein regionales, sondern ein allgemeines Phänomen. Aber Frau am Altar? „Es gibt Frauen im Altarraum in liturgischen Diensten und Rollen, aber nicht am Altar im Sinne priesterlicher Handlungen“, stellt Anja Joye klar. Sie treten als Lektorin an den Ambo, halten Wortgottesdienste, Totenwachen und Beerdigungen, sind Messdienerin, Kommunion-helferin und auch Katechetin. Sie legen im Rahmen von Eucharistiefeiern als haupt- oder ehrenamtliche Christin Glaubenszeugnis ab.

 

Frau am Altar ist nicht das heiße Thema

Anja Joye erinnert sich an ihre Anfangszeit in Lendersdorf in den 1990er Jahren, als sie sich – außerordentlich – den „Predigtdienst“ mit ihren anderen Kollegen in der Seelsorge teilte. „Da habe ich viel Zuspruch von Gemeindemitglie- dern bekommen. Aber es gab auch Konservative, die die Kirche verließen, wenn ich mein Glaubenszeugnis hielt.“ Das war vor 20 Jahren.

Verändert hat sich seither nicht viel, auch wenn bereits im Zweiten Vatikanischen Konzil festgeschrieben wurde, dass Frauen und Männer in kirchlichen Prozessen gleichzustellen sind. 2013 sagte Kardinal Karl Lehmann: „Ich kann mir Frauen am Altar vorstellen“, 2014 unterstrich Kardinal Walter Kasper, die Kirche sei ohne Frauen bloß „ein verstümmelter Körper“, und Papst Franziskus berief im Herbst 2016 eine Kommission zur „Untersuchung des Diakonats von Frauen“. Die Hoffnung auf eine baldige Zulassung von Frauen zum Dia-koninnen- oder Priesterinnenamt, die die Laien etwa damit verbinden, teilt Anja Joye nicht zwingend. Bereits zu ihren Studienzeiten sei Stand der Wissenschaft gewesen, dass es weibliche Diakone gegeben hat. „Frau am Altar“ sei in aktuellen Diskussionen zur kirchlichen Frauenarbeit aber nicht das „heiße Thema“. Viel tiefer gehe derzeit „in Kirche“ die Auseinandersetzung um das Thema „Frau“ im Zuge der „Gender“-Debatte. Gender ist der Fachbegriff, der ausdrücklich das soziale, nicht das sexuelle Geschlecht meint. Inhaltlich geht es um die Frage, wie eine tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männer zu erreichen ist, Rollenzuweisungen und Vorurteile überwunden werden können. Diese Haltung sorgt in rechtskonservativen Kreisen für Widerspruch.

 

Vorfeministisches Frauenbild dominiert die Konservativen

In ihrer Arbeit und dem beruflichen Umfeld stellt Anja Joye fest, dass es nicht nur gesamtgesellschaftliche, sondern auch kirchliche Strömungen gibt, die weit hinter das Frauenbild der 1970er Jahre zurückfallen, als Feministinnen für die Rechte der Frauen eintraten. Im Klartext wird eine Bedrohung katholischer Werte gesehen. Die Kritiker sprechen abwertend von „Gender-Ideologie“ und „Genderismus“ und greifen persönlich und diffamierend Männer und Frauen an, die sich für gerechte Geschlechterverhältnisse einsetzen.

„Nimmt man den Gedanken des Konzils von der gemeinsamen Würde von Mann und Frau ernst und macht sich somit auf den Weg zu gerechten Geschlechterverhältnissen, dann kommt man nicht umhin, gewisse Rollenzuschreibungen wie auch bezüglich der Frage der Frau am Altar zu beleuchten.“ – Und befinde sich in diesem Streben sogar in guter biblischer Gesellschaft, zitiert Anja Joye schmunzelnd aus dem Galatherbrief 3,28 Apostel Paulus: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus.“

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