Gut für die, die mitmachen

Beim ersten Themenforum 2019 im Bistumsprozess „Heute bei dir“ gab es erneut engagierte Gespräche

Mitglieder der Teilprozessgruppen diskutierten mit Mitchristen über Zwischenergebnisse. Das gibt weiteren Stoff für die Abschlussberichte. (c) Bistum Aachen/Andreas Steindl
Mitglieder der Teilprozessgruppen diskutierten mit Mitchristen über Zwischenergebnisse. Das gibt weiteren Stoff für die Abschlussberichte.
Do 23. Mai 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 21/2019 | Thomas Hohenschue

Nach dem turbulenten Auftakt des Bistumsprozesses im vorigen Jahr ist es in den letzten Monaten ruhiger geworden. Andere Themen haben sich in den Vordergrund der kirchlichen Debatte geschoben. Aber die Teilprozessgruppen arbeiteten hartnäckig weiter. Die ersten stellten nun ihre Zwischenergebnisse im ersten Themenforum des Jahres 2019 vor. Es ging um das Leitmotiv „Den Menschen dienen“.

Die lauten Debatten der letzten Monate blieben draußen, als sich rund 150 Frauen und Männer in der Bischöflichen Marienschule Mönchengladbach trafen. Im Prozess sind die Fragen nach den strukturellen Konsequenzen aus dem Missbrauch im Raum der Kirche noch nicht verortet. Als Teilstrang davon stellen immer mehr Menschen die Frage nach einer Gleichstellung der Frauen in der Kirche. Diese Frage stand im wörtlichen Sinne draußen vor der Tür – in Form einer größeren Gruppe von Frauen, die ein Zeichen für die Dringlichkeit des Themas setzen wollten. Bischof Helmut Dieser schaute vorbei und nahm sich Zeit, einige Argumente anzuhören und seinerseits für ein gemeinsames Beraten zu werben.

 

Wie bei alldem den Überblick bewahren?

Innendrin, in der Aula der Marienschule, spielte das aufgeheizte Geschehen, das sich zurzeit in der deutschen Kirche abspielt, keine spürbare Rolle. Hier ging es um die Pastoral des Bistums, wie sie sich im nächsten Jahrzehnt ausgestalten soll. Die Nächstenliebe in der Gemeinde und der verbandlichen Caritas, die katholischen Verbände und die kategoriale Seelsorge lauteten die Themen, um die sich die Beratungen des Tages drehten. Dazu gab es Zwischenergebnisse der Teilprozessgruppen, garniert mit Umfrageergebnissen. Das Rohmaterial ist erschlagend: eine Überfülle von Einzelstichworten, Statistiken, Zitaten. Wie da noch den Überblick bewahren und erzählbar machen, was alles erhoben, berichtet, gefordert wird? Die Lenkungsgruppe und das begleitende Pragma-Institut geben ihr Bestes und versuchen, die Komplexität zu reduzieren. In diesem Fall wählten sie die Methode des „Grafic recording“: Ein Unbeteiligter spricht mit Verantwortlichen und hält zeichnerisch fest, was er verstanden hat. Anhand dessen wird manches erstmalig oder anders besprechbar und fordert wiederum neu zur Diskussion heraus. Ein nächster Griff in den reichen Instrumentenkoffer, mit dem die Prozesslenker eine möglichst breite Beteiligung erzielen wollen. Inzwischen greift die Einschätzung um sich, dass Fernstehende am ehesten noch bei den Küchentischgesprächen im letzten Jahr erreicht wurden. Da will man bei nächsten Etappen zulegen. Jetzt aber geht es der Lenkungsgruppe darum, die Analysephase abzuschließen und das Engagement derjenigen zu würdigen, die sich darin einbrachten.

 

Wie ein gemeinsames Verständnis finden?

Was zählt, ist das, was auf dem Weg geschieht. Bischof Dieser wird nicht müde zu betonen, dass es ihm um die geistliche Dynamik geht, die im Prozess ausgelöst werde. Die Meinungsunterschiede unter den Christen im Bistum Aachen möchte er nicht leugnen, sondern sieht im Gegenteil im Debattieren die Chance, sich neu auf ein gemeinsames Verständnis von Christ- und Kirchesein zu verständigen. „Wir müssen uns unsere Unterschiedlichkeit zumuten, einfacher geht es eben nicht“, fasst er zusammen. Die Kirche solle nicht als Zwang erfahren werden, sondern den Menschen eine Heimat sein, nicht nur heute, sondern auch morgen. Ob das Konzept greift? Manche Zwischentöne in Mönchengladbach ließen aufhorchen. Bei aller Mühsal und Verlorenheit in Details suchten Teilprozessgruppen die Vernetzung mit anderen. Was für die konkrete pastorale Arbeit vor Ort gelten soll, gilt auch für sie: Mehr Austausch und Zusammenarbeit tun not. So fielen viele Worte des gegenseitigen Respekts und der Wertschätzung. Ein Teilnehmer brachte den Stand der Dinge auf den Punkt: Für alle Beteiligten sei der Austausch bei „Heute bei dir“ ein bereichernder Prozess. Bleibt die Frage, wie er jenseits der wenigen hundert Personen, die sich aktiv einbringen, an Breite und Tiefe gewinnt. Darüber zerbrechen sich die Verantwortlichen den Kopf.