Stabwechsel

Klaus von der Heiden geht – neuer Jugendreferent ist Patrick Diekneite

Stabübergabe: Klaus von der Heiden (l.) und Patrick Diekneite vor dem Büro der Regionen in Krefeld. (c) Arne Schenk
Di 23. Jun 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 26/2020

Amtssitz des Jugendreferenten für Krefeld, Meerbusch, Kempen und Viersen ist das Büro der Regionen im Schatten der Dionysius-Kirche in Krefeld. Bis 1. Mai hieß er Klaus von der Heiden. Inzwischen besetzt Patrick Diekneite die Positionen. Es ist nicht nur ein Stabswechsel, es ist auch ein Generationswechsel. Ein Gespräch mit dem neuen und dem scheidenden Jugendreferenten über Aufgaben und Veränderungen.

 Referent klingt sehr technisch und theoretisch. Wie sieht die Arbeit in der Praxis aus?

Klaus von der Heiden  Ein Referent für kirchliche Jugendarbeit ist meiner Wahrnehmung nach ein Ermöglicher. Es gibt unglaublich viele Kompetenzen a) von den Jugendlichen selbst – dass sie ihre Bedarfe und Bedürfnisse formulieren; b) gibt es sehende, hörende und fühlende ehren- und hauptamtliche Kollegen und Kolleginnen, die mit ihnen arbeiten und die Bedürfnisse und Ideen in Maßnahmen umsetzen. Diese sicherzustellen, sie zu finanzieren und Stundenkontingente einzuspeisen, das ist die Aufgabe des vorgesetzten Referenten. 

 

Was haben Sie seit Ihrer Zeit in Krefeld ermöglicht?

Patrick Diekneite  Erstmal habe ich seit 1. Juni letzten Jahres im vertretungs- und schulbezogenen Bereich gearbeitet und begonnen, diesen Bereich zu gestalten, etwa durch Planspiele in beiden Regionen, Schulabgängerseminare. Beteiligt war ich an Schulprojekttagen.

 

Das ist sicher ein Aufgabenbereich, den es bei Ihrem Arbeitsantritt als Mitarbeiter in der kirchlichen Jugendarbeit so nicht gab?

Klaus von der Heiden  Wir haben immer schon Präventionsarbeit zum Thema „Kindeswohl und Kinderrechte“ in kirchlicher Jugendarbeit gemacht. Die Betonung der Präventionsarbeit wurde aber nötig, nachdem dieses Thema in Kirche und Gesellschaft aus gegebenen Umständen mehr in den öffentlichen Blick geriet. 

 

Was hat sich in der Kinder- und Jugendarbeit in den vergangenen Jahrzehnten am meisten verändert?

Klaus von der Heiden Früher hatte Kinder und Jugendliche Zeit. Zeit, sich auf das einzulassen, was neben Schule noch hochspannend für sie zur Persönlichkeitsentwicklung war, aber auch, was für sie miteinander schön und wichtig war. Vor 20 Jahren war es noch selbstverständlich, dass es eine Vielzahl von sozialen Gruppenarbeitsangeboten gegeben hat, in denen sich Kinder und Jugendliche regelmäßig engagiert haben.

Patrick Diekneite  Dem stimme ich zu. Deswegen ist heute der schulbezogene Bereich so wichtig, weil sich die Kinder und Jugendlichen einen Großteil des Tages dort aufhalten. Das hat sich völlig verändert. Thematisch nehme ich aber wahr, dass die Themen gleichgeblieben sind. Es geht immer noch um die Fragen: Wer bin ich? Wo will ich hin? Wie werde ich erwachsen? Es sind dieselben Ängste und Hoffnungen – das ist gar nicht so unterschiedlich, wie man manchmal denkt oder es in den Medien dargestellt wird. 

 

Wie kam es zu Ihrer Bewerbung für das Amt des Jugendbeauftragten, als der Sie zunächst für die Region Heinsberg tätig waren?

Patrick Diekneite  Ich wollte mich beruflich verändern und habe die Stellenausschreibung des Bistums gesehen. Ich war vorher in der klassischen Sozialarbeit, stieß auf den Begriff Jugendbeauftragter und habe mich gefragt, was das wohl sein könnte. Mit der Stelle verbunden war der Aufgabenbereich Jugendkirche. So kam auch wieder mein Weg zur Kirche hin – wie das in den 1980/90ern noch war, bin ich katholisch sozialisiert mit Sonntagsmesse, Mutter war Erstkommunionkatechetin, man kegelte im Pfarrheim. Und dann kam aus unterschiedlichen Gründen eine Zeit der Entfernung. Mit der Stelle habe ich den Bogen zurückgespannt – vieles war Emotion und Bauchgefühl. Ich habe mich mit dem Thema Jugendkirche beschäftigt und habe mich dann auch noch mal auf den Weg gemacht.

 

Welche Arbeitsfelder sind offen geblieben oder lassen Sie Ihrem Nachfolger zurück?

Klaus von der Heiden  Ich bin es ja nicht alleine, der etwas bewirkt hat. Ich bin Teil eines Systems, eines Kollegensystems, mich umrankenden Ehrenamtlerteams. Da gibt es ganz viele Initiativen, die an-gestoßen worden sind, die auf dem Weg sind, die jetzt mit meinem Ausscheiden noch nicht beendet sind. Wir haben beispielsweise hier in der Region ein Trägerwerk gegründet. Als Organisation mit einer hauptamtlichen Geschäftsführung und einem ehrenamtlichen Vorstand trägt es dazu bei, dass Einrichtungen, die sich nicht mehr selber tragen können oder perspektivisch professionelle Unterstützung brauchen, sich unter diesem Dach des Trägerwerks wiederfinden können. Das ist ein Prozess. Ich hab es vielleicht angestoßen, ich bin Gründungsmitglied, aber die nächsten Schritte wären eher 
Patrick Diekneites Aufgabe. 

 

Auf welche Aufgabe freuen Sie sich am meisten?

Patrick Diekneite  Ich freue mich auf alle Aufgaben, auf die wir als Team in neuer Konstellation noch mal gucken können. Da komme ich zu einem Punkt, den ich gerne noch erwähnen würde: Wir haben noch offene Beschäftigungsumfänge. Wir suchen noch Mitarbeiter für die Aufgabe als Jugendbeauftragte oder Jugendbeauftragter. Bewerben können sich Menschen, die ein abgeschlossenes Studium (Bachelor) der Sozialen Arbeit oder eine gleichwertige Qualifikation haben. 

 

Was werden Sie am meisten vermissen?

Klaus von der Heiden  Ich hoffe, dass ich es so geregelt habe, dass ich wenig vermissen muss. Aber etwa dieses Herzblut beim Trägerwerk, das werde ich vermissen; und ich werde auch mit den Mitgestaltern und Entwicklern nicht mehr so zu tun haben. Das kann ich auch auf die Kollegen übertragen. Die Menschen werde ich vermissen – ansonsten bleibe ich weiter Krefelder (grinst).

 

Welche Kompetenzen sind für einen Jugendreferenten unabdingbar?

Klaus von der Heiden  Das erste ist Netzwerken, das zweite Fachwissen und das dritte offen für die Impulse anderer sein.

Patrick Diekneite  (lacht) Teamgeist – das war auch Thema im Bewerbungsgespräch: Sie sind ja jetzt Vorgesetzter! Aber ohne Zusammenarbeit kann man nicht gestalten. Hohe Fachlichkeit, speziell wenn ich an die offene Kinder- und Jugendarbeit denke. Offenheit ist ein banales Wort. Man muss sich auf so viele Menschen immer wieder einstellen: in Kooperationen, in Verhandlungen, in Zusammenarbeit. Und was mir noch eingefallen ist – das ist keine Kompetenz, aber Spaß und Leidenschaft für die Arbeit braucht man. Sonst kann man die Aufgabe nicht erfüllen. Als ich Herrn von der Heiden kennengelernt habe, habe ich gesehen, dass er Freude an der Arbeit hat, und ihn das scheinbar auch zu einem glücklichen und zufriedenen Menschen gemacht hat (grinst). Da habe ich mir gedacht: Das kann ich machen! 

 

Ein Gedanke, den Sie Ihrem Nachfolger noch mit auf den Weg geben möchten?

Klaus von der Heiden Er ist für die zwei Regionen Krefeld und Kempen-Viersen zuständig, die von der Struktur her völlig unterschiedlich sind. Bei den Ansprüchen, die ich formuliert habe – etwa netzwerken – führt das schnell dazu, dass Regelarbeitszeit kein Thema ist. Das zehrt, wenn man nicht gut aufpasst. Vom Anspruch her würden alle Kolleginnen und Kollegen wesentlich mehr Präsenz in den „Vor-Ort-Bezügen“ zeigen und mehr Projektnähe haben wollen. Das ist aber aufgrund des Riesenterritoriums nicht möglich. Es ist sehr schade, dass wir zwar die Fläche bespielen, aber die Fläche nicht mehr bereisen können.

 

Das Gespräch führten Arne und Dorothée Schenk.