Neue Wege gehen

Wochenimpuls-Foto-210919-Pfad (c) Edith Furtmann
Datum:
So. 19. Sep. 2021
Von:
Edith Furtmann

Jak 3, 16

„Wo Eifersucht und Streit herrschen,
da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art.“

Die Frage, die sich mir stellt, ist ja eher die: woher kommt es, dass wir eifersüchtig sind? Warum streiten wir? Wobei ich hier nicht das fruchtbringende, umeinander ringende, aber dennoch wertschätzende Streiten meine – das ist notwendig, das kann gut tun. Sondern es geht mir um den hässlichen Streit.
Jeder und jede von uns kennt das. Eifersucht auf jemanden, der vermeintlich das hat, was wir gerne hätten, das Gefühl, dass uns etwas zusteht, das andere uns vorenthalten oder auch die Tatsache, dass wir uns ungerecht behandelt fühlen. Das ist auch nichts, was wir steuern können – es überkommt uns zunächst ohne Vorwarnung. Aber wenn wir es bemerken, dann sollten wir genauer hinschauen. Vielleicht stellen wir ja fest: der oder dem anderen geht es nur vermeintlich besser als uns – jeder und jede hat doch seine eigenen Baustellen, nicht immer erkennbar für andere. Vielleicht erkennen wir auch nichts – aber wir könnten uns fragen: was passiert, wenn ich jetzt genauso ungerecht werde – geht es mir dann wirklich besser? Oder habe ich lediglich erreicht, dass es jemand anderem genauso schlecht oder schlechter geht als mir?
Studien mit Angehörigen von Mordopfern in den USA zeigen, dass viele an der Hinrichtung des Mörders teilnehmen, weil sie sich erhoffen, dass dadurch Gerechtigkeit entsteht – und sie merken dann, dass ihr Leid nicht kleiner wird – der oder die Tote wird nicht mehr lebendig, die Trauer bleibt, und auch die Wut und der Hass – die aber nun kein Gegenüber mehr haben.
Wenn ich Gleiches mit Gleichem vergelte, bleibt oft ein schaler Geschmack zurück – die wirkliche Befriedigung stellt sich nicht ein.
Ich will versuchen, da, wo ich mich ungerecht behandelt wurde, wo ich negative Gefühle anderen gegenüber entwickle, die Liebe ins Spiel bringen: Liebe, Nachsicht, Gelassenheit führen vielleicht dazu, dass die Welt anders, friedlicher aussieht. Wenn ich dem vermeintlichen Angreifer, der Angreiferin mit Liebe begegne, mag sich der Angriff totlaufen. Wenn ich die Haltung der anderen hinterfrage, entdecke ich vielleicht meinen Anteil daran.
Ein steiniger, steiler Weg. Aber vielleicht kann er ja gelingen?