Mein Leben, meine Kirche

Jugendkirchen bieten im Bistum Aachen jungen Menschen die Chance, ihren Glauben zu leben

Jugendkirche bieten eigene Räume, um sich auszudrücken. Musik und Licht gehören dazu. (c) www.pixabay.com
Mo 30. Sep 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 40/2019 | Kathrin Albrecht

Die Jugendkirchen-Bewegung gibt es in Deutschland seit den 2000er Jahren. Ihr Ziel ist es, jungen Menschen, denen die traditionellen Gottesdienstformen häufig fremd erscheinen, Räume zu eröffnen, in denen eigene Zugänge zu Gemeinschaft, Glaube und Religion entstehen können. Auch auf dem Gebiet des Bistums Aachen haben sich in den vergangenen Jahren Jugendkirchen gegründet. Die KirchenZeitung hat sich drei Konzepte näher angeschaut.

An der Stadtgrenze zu Burtscheid liegt die Dreifaltigkeitskirche. Sie ist die größte evangelische Kirche Aachens und seit drei Jahren Heimat der Jungen Kirche Aachen, kurz Juki. „Die Junge Kirche Aachen ist gedacht als niedrigschwelliges Angebot für kirchenferne, aber auch als inspirierender Ort für kirchennahe Jugendliche“, heißt es im ersten Konzept der Juki 2015. Spaß und Spiritualität, Freude und Glaubensfragen sollen im Programm immer wieder neue Verbindungen eingehen. Seit 2016 lädt die Juki beispielsweise im Rahmen der jährlichen „Nacht der offenen Kirchen“ zum Tanzen ein. Es gibt regelmäßige Poetry-Slams, Aktionen zur Nachbarschaftsverschönerung oder Backworkshops. Raum, sich kritisch mit Kirche und Glauben auseinanderzusetzen, bieten Veranstaltungen wie „Kirche im Kreuzverhör“, wo sich Anfang des Jahres der katholische Priester Matthias Fritz und der evangelische Pfarrer Jan Scheunemann den Fragen aus dem Publikum stellten. Menschen von 13 bis 30 Jahren sollen sich hier wohlfühlen.

Vier Mal in der Woche, von Dienstag bis Freitag, ist die Kirche ab 12 Uhr für Jugendliche und junge Erwachsene geöffnet. Darüber sind auch Judith (18) Matti (18), Arne (17), Caro (17) und Flo (16) zur Juki gekommen. Seit Oktober 2018 bilden sie das ökumenische Leitungsteam, das sich mit um die Programmplanung, Veranstaltungstechnik und die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. „Jeder, der die Juki besucht, kann seine Ideen einbringen, wir übernehmen die Organisation“, erklärt Arne. Das spiegelt auch der Hashtag #Kircheistwasdudrausmachst wider. Und das hat oft ganz viel mit Glauben zu tun. „Kirche und die Jugendkirche sind mir wichtig“, betont Caro. Innerhalb der Jugendkirche ergäben sich Möglichkeiten, eine andere Seite von Religion und Glaube zu entdecken. Hier werde Kirche in den Lebensalltag der Jugendlichen integriert. Über die offenen Treffen komme man über Religion miteinander ins Gespräch, meint Judith: „Da entstehen spannende Diskussionen, das bringt mich weiter.“

Aktuell zeichnet sich der erste Generationswechsel in der Jugendkirche ab. Ein ganzer Schwung hat in diesem Jahr sein Abitur gemacht. Matti beginnt sein Freiwilliges Soziales Jahr, Caro zieht es nach Neuseeland, Arne tritt seinen Bundesfreiwilligendienst an. Nach drei Jahren hat das Projekt inzwischen auch die Leitung des Evangelischen Kirchenkreises überzeugt, die Jugendkirche ist seit Mai 2019 entfristet. „Man hat Vertrauen in dieses Projekt“, freut sich Pia Schneider, die die Juki Aachen als Jugendreferentin begleitet. „Sie sehen, dass hier Glaube gelebt wird.“

 

Gastgeber, nicht nur Gäste sein

Ebenfalls in Aachen beheimatet ist die Jugendkirche „YouC“ der katholischen Gemeinde St. Katharina Forst in der GdG Aachen Forst/Brand. 2007 entstand die Jugendkirche aus der Firmvorbereitung. Zunächst als Jugendliturgiekreis bereiteten die Jugendlichen Jugendgottesdienste vor. Zuerst begleitet vom damaligen Kaplan Roland Klugmann, später in eigener Regie. Auch die Jugendtreffs, wie die Kirchenübernachtung, Plätzchenbacken im Advent oder Schuljahresabschlussgrillen zu Beginn der Sommerferien organisieren die jungen Menschen selbst. Neun sind derzeit beim „YouC“ aktiv. Zu den aktiven Mitgliedern gehört Maria Geerts. Ihr gefällt der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. „Wir sprechen über Themen, die uns bewegen.“

Häufig würden diese dann zu Schwerpunktthemen der Messen. Dass man lerne, als Team zu arbeiten, mit anderen umzugehen und Verantwortung zu übernehmen, sind außerdem wichtige Faktoren für die Teamleiter bei „YouC“, sich zu engagieren. Jonas Schüpen ergänzt: „Außerdem haben wir ein neues Verhältnis zur Kirche bekommen.“ Zu den Gottesdiensten kommen auch ältere Gemeindemitglieder. Jugendliche nähmen besonders gut die Kirchenübernachtung an, erzählt Maria Geerts: „Es ist dieses Gefühl, dass Kirche Heimat sein kann.“

In Krefeld ist die Jugendkirche seit 2011 in der Kirche St. Elisabeth dauerhaft beheimatet. Christoph von der Beek, der als Schulseelsorger und regionaler Jugendseelsorger die Anfangszeit begleitet hat, unterstreicht die zentrale Idee der Jugendkirche: „Junge Menschen bereiten die Liturgien mit vor. Es sind ihre Themen und ihre Ausdrucksformen.“ In der Jugendkirche seien sie nicht die Gäste, sondern die Gastgeber. Inzwischen erlebt er in der Krefelder Jugendkirche die sechste Generation.

Der Kern der Jugendlichen, die die Jugendkirche besuchen, bewege sich zwischen 16 und 19 Jahren. Viele von ihnen kommen aus der Pfarrei, waren auch mal Messdiener, finden sich aber im Gemeindeleben nicht mehr wieder. Acht Jugendliche leiten derzeit die Jugendkirche Krefeld mit. Auch hier treten die hauptamtlichen Begleiter in den Hintergrund. „Wir bilden das Kontinuum“, fasst es Christoph von der Beek zusammen. Er hat in der Zusammenarbeit Veränderungen ausgemacht. Die Bereitschaft, sich drei Jahre ausdauernd zu engagieren, sei nicht mehr so ausgeprägt, in der Regel sei das Engagement kürzer und projekthafter.

Neben Jugendgottesdiensten mit wechselnden thematischen Schwerpunkten bietet die Jugendkirche in jedem Jahr zum Ende der Schulzeit die „Zukunftsnächte“. Die meditativ gestalteten Abende laden Jugendliche ein, sich die großen Sinnfragen zu stellen: „Wo geht es hin? Wie will ich sein?“ Das seien Themen, die auch ältere Menschen ansprächen, die die Kirche St. Elisabeth besuchten. Ein Ort ist wichtig, aber es muss auch eine Bewegung zu den Menschen geben

Was Christoph von der Beek fehlt, ist ein diözesanes Konzept für die Jugendkirchen: „Wir sind immer noch in einer Art Experimentierstatus, es gibt keine eindeutige Entschiedenheit für die Jugendkirche.“ Die Jugendkirche sei wichtig als Ort, um etwas zu bündeln, ein Angebot zu haben und da zu sein. Aber eindeutig müsse es auch eine Bewegung zu den Menschen hin geben, meint von der Beek. Eine Frage ist ihm dabei besonders wichtig: „Haben wir auf Fragen der Jugendlichen, die nicht so gute Chancen haben, als Kirche eine Antwort? Wenn wir das zusammenbringen, haben wir als Kirche eine Chance, relevant zu sein.“

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